Finanzierung
Branche im Wandel

Das Geschäft mit Leasing boomt. Dazu bietet die Digitalisierung den Anbietern die Chance auf weiteres Wachstum. Doch sinkende Margen und Regulierungswut sorgen mittlerweile für Konsolidierungsdruck.
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DüsseldorfDie Mitarbeiter der Spahn GmbH in Esslingen haben seit Jahresanfang einen neuen Arbeitskollegen. Der Mitarbeiter hört auf den Namen Sawyer und ist ein kollaborierender Roboter, der über künstliche Intelligenz verfügt. In elegantem Rot gehalten und kaum größer als ein normaler Kühlschrank, bewegt er sich mit Hilfe mehrerer Sensoren und zweier Kameras, die ihm als digitale Augen dienen, eigenständig durch die Produktionshalle. Wo immer Sawyer von einem Mitarbeiter gebraucht wird, hilft er aus und erledigt Standardaufgaben oder arbeitet mit seinem schlanken, äußerst beweglichen Roboterarm seinen menschlichen Kollegen zu.

„Weil wir unsicher waren, ob sich der Einsatz eines solch neuartigen Roboters auf Dauer rechnet, haben wir Sawyer geleast“, erzählt Spahn-Geschäftsführer Rainer Eberle, der aus Sorge um die Neugier von Wettbewerbern seinen richtigen Namen ebenso wenig in der Zeitung lesen möchte wie den seines Maschinenbauunternehmens.

Das Besondere dabei: Zusammen mit der Leasinggesellschaft hat Eberle den Mietvertrag so gestaltet, dass er nur für die effektive Nutzung des Roboters zahlt. Ein Telemetrie-Modul in Sawyer sammelt dazu Daten über Einsatzzeiten und Tätigkeiten und übermittelt sie in Echtzeit an die Leasinggesellschaft. Die errechnet daraus eine individuelle Rate, die sich am Verschleiß der Maschine orientiert. Sollte Sawyer in zwei oder drei Jahren technisch überholt sein, kann der Vertrag kurzfristig beendet und der Roboter gegen einen modernen Nachfolger ausgetauscht werden.

Nutzungsabhängiges Leasing, auch Pay-per-use oder Pay-per-save genannt, ist ein Trend, der immer stärker wird, beobachtet Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL). Die voranschreitende Digitalisierung macht es möglich. Denn egal, ob Kraftfahrzeug, Computer-Hardware oder Fräsmaschine – fast in jedem technischen Gerät stecken heutzutage kleine Sensoren, die genau registrieren, wann und wie intensiv der Gegenstand genutzt wird. Ist die Zeit reif für eine Wartung oder den Austausch eines Ersatzteils, bekommt der Nutzer ein Signal, oder es wird automatisch ein Service-Techniker in Marsch gesetzt.

Die Leasingbranche weiß dies mehr und mehr als Wettbewerbsvorteil gegenüber den Anbietern einer klassischen Kreditfinanzierung zu nutzen. Statt starrer Raten und fester Laufzeiten, die einen fiktiven Restwert des Investitionsguts am Ende des Vertrags unterstellen, bieten immer mehr Leasinggesellschaften flexible Laufzeiten und Finanzierungsraten, die sich an der tatsächlichen Nutzung des Leasinggegenstands orientieren. „Die bisherige Erfolgsformel ‚Pay as you earn‘ entwickelt sich so weiter zum ‚Pay-per-use‘“, sagt Johannes Anschott, Vorstandsmitglied der Commerz Real. Er sieht die Digitalisierung als Wachstumsmotor für die Branche.

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