Firmeneigene Geldinstitute
Konzerne sind die besseren Banken

BMW, Siemens und Volkswagen gelten mit ihren Banklizenzen als sichere Häfen am Kapitalmarkt. Das verschafft den Unternehmen strategische Wettbewerbsvorteile. Aber auch mittelständische Lieferanten können profitieren.
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DüsseldorfDer Schritt ließ aufhorchen: Mitte Februar kaufte Airbus die Salzburg München Bank. Das kleine, eher unscheinbare Geldhaus in der Münchener Innenstadt hat für den globalen Flugzeugbauer eine strategische Bedeutung. Der gesamte Konzern werde in Zukunft von „einer höheren Flexibilität in der Finanzierung profitieren“, erklärt Finanzchef Harald Wilhelm.

Airbus hat es vor allem auf eine Vollbanklizenz abgesehen. Denn damit kann der Flugzeugbauer direkt Geschäfte mit der EZB tätigen, Geld besorgen oder Geld parken, ohne dass eine andere Bank daran verdient. Zudem ist eine eigene Bank ein gutes Vehikel, um strategische Geschäfte abzuwickeln. So kann man Kunden oder Lieferanten leichter mal Kredite zukommen lassen. Vor allem die mittelständischen Airbus-Lieferanten, die bei einem Ausfall die ganze Produktion lahmlegen können, lassen sich so schnell finanziell unterstützen.

Airbus macht nach, was sich in der Industrie schon lange herumspricht: Wer sein solides Industriegeschäft mit einer Banklizenz koppelt, hat einen strategischen Vorteil. Denn mit der Finanzkrise haben viele Geldhäuser wie beispielsweise die Landesbanken ihr Geschäft stark eingeschränkt oder ihr Rating verspielt. Anders aber solide Industrieadressen wie Siemens, Volkswagen oder BMW: Einerseits verwalten sie in ihren Banken ihre großen Liquiditätsreserven, die allein bei Volkswagen 16,9 Milliarden Euro betragen. Die Liquidität nutzen die Unternehmen aber auch als Hebel für ihre Bankgeschäfte, mit denen sie über Anleihen oder Kundeneinlagen ihren Absatz finanzieren.

Und das zu Traumkonditionen. So führt S&P den BMW-Konzern mittlerweile unter „A Plus“ – ein Rating, das sich die benachbarte BayernLB nach zahlreichen Herabstufungen schon gar nicht mehr leistet. Ebenso wie die Kollegen von Volkswagen und Daimler sammelte BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner in den vergangenen drei Jahren mehrere Milliarden am Kapitalmarkt ein zu Zinsen unterhalb von zwei Prozent. Zeitweise zahlten die Anleger sogar negative Zinsen, um ihr Geld bei den mutmaßlich sicheren deutschen Autoherstellern parken zu dürfen.

Das führt zu Wettbewerbsvorteilen: Während sich die Deutschen zu zwei Prozent refinanzieren, zahlte Fiat in den vergangenen Jahren bis zu acht Prozent. So kann VW einen Autokredit über 20.000 Euro um gut 1.000 Euro billiger anbieten als die Konkurrenz aus Italien.

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