Gastbeitrag
Eine Finanzierungsoption für Mittelständler

Wandelanleihen sind interessant und nicht nur eine Option für große Konzerne. Wenn mittelständische Unternehmer einige Regeln beachten, können auch sie von dem Finanzierungsinstrument profitieren.
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DüsseldorfWandelanleihen waren in der Vergangenheit eher ein Thema für große deutsche Konzerne und ausländische Unternehmen. Das aktuelle Kapitalmarktumfeld führt jedoch vermehrt auch bei mittelständischen Unternehmen zu steigendem Interesse an Wandelanleihen.

Bei der Wandelanleihe handelt es sich um ein festverzinsliches Wertpapier, das dem Inhaber das Recht (Option) einräumt, die Anleihe in einer festgelegten Frist und zu einem vorher definierten Verhältnis in Aktien zu wandeln. Die Emission einer solchen Anleihe benötigt entgegen normalen Anleihen aktienrechtlich einen Hauptversammlungsbeschluss, der meist als Vorratsbeschluss angelegt ist.

Als Argument gegen eine Wandelanleihe wird von Unternehmen häufig dieser Hauptversammlungsbeschluss sowie die mit dem Instrument verbundene mögliche Verwässerung zulasten der Altaktionäre ins Feld geführt.

Diese Bedenken können allerdings dadurch entkräftet werden, dass im Fall der Wandlung die erforderlichen Aktien nicht aus einer bedingten Kapitalerhöhung kommen, sondern von einem Dritten geliefert werden. Der Emittent sichert sich durch diese Call-Option auf eigene Aktien gegen eine Verwässerung ab. In diesem Fall spricht man von einer synthetischen Wandelanleihe. Für die Begebung einer synthetischen Wandelanleihe ist ein Hauptversammlungsbeschluss meist nicht notwendig.

Im Normalfall müssten sich jedoch die beiden Optionen - die in die Wandelanleihe eingebettete sowie die vom Emittenten erworbene - neutralisieren und damit in einen Kupon einer vergleichbaren Anleihe münden. Allerdings hat sich gezeigt, dass sich ein positiver Zinseffekt erzielen lässt, wenn in dem aktuellen Marktumfeld die in die Wandelanleihe eingebettete Option teurer verkauft werden kann als die vom Emittenten erworbene.

Dieser Zinsvorteil allein rechtfertigt jedoch nicht die Begebung des Instruments. Verbunden mit der fehlenden Notwendigkeit eines Ratings sowie der Möglichkeit, für einen nicht gerateten Emittenten einen Teil seines Kapitalmarktexposures zu diversifizieren, ist dies allerdings eine Alternative für börsennotierte Mittelständler.

Der Autor: Jörg Schröder ist Managing Director Capital Markets bei der IKB Deutsche Industriebank.

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