In der Tradition verhaftet
Mittelständler schwimmen im Geld

Viele mittelständische Unternehmen sitzen auf hohen Barreserven – und verzichten auf Investitionen zur Erweiterung des Geschäfts. Auch das Potenzial alternativer Finanzierungsquellen schöpfen sie meist nicht aus.

DüsseldorfDeutsche Mittelständler schwimmen im Geld. Nach einer von der Mittelstandsbank der Commerzbank veröffentlichten Studie der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) zum Finanzanlageverhalten mittelständischer Unternehmen verfügen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) im Schnitt über 5,9 Millionen Euro an Liquidität. Im Vorjahr war die Barreserve mit 2,7 Millionen Euro nicht mal halb so hoch. Zwar wird nicht jedes der 1400 befragten Unternehmen hohe Gewinne schreiben können. Doch insgesamt markiert die Studie einen Trend: Der deutsche Mittelstand verdient derzeit prächtig.

Statt dieses Geld zu investieren, hortet ein Großteil diese Mittel. „Viele Unternehmen sind weiterhin recht zurückhaltend, was Erweiterungsinvestitionen angeht. Und ein Großteil der Ersatzinvestitionen wird weitgehend über Eigenkapital finanziert“, beobachtet Andreas Killmaier, Bereichsleiter Firmenkunden bei der Südwestbank.

Auch das Mittelstandspanel der KfW kommt zu dem Ergebnis, dass die Mehrheit der Mittelständler ihre Investitionen aus Eigenmitteln finanziert. Danach folgt mit etwa 30 Prozent der klassische Bankkredit, dazu kommen Fördergelder.

Noch spielen Finanzierungsalternativen wie der Kapitalmarkt oder die Beteiligung privater Investoren vor diesem Hintergrund kaum eine Rolle - zumal Unternehmen derzeit wenig Schwierigkeiten haben, Kredite bei ihren Banken zu bekommen. Noch. Denn mit ihren Darlehen verfahren die meisten Geldhäuser wie etwa ein Verleih mit Regenschirmen: Bei gutem Wetter geben sie den Regenschutz gerne heraus, doch sobald dunkle Wolken aufziehen, fordern sie ihn zurück.

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