Innovationen
Chefsache Kreativität

Der Umsatzanteil neuer Produkte sinkt bei vielen Mittelständlern seit Jahren. Häufig fehlen ihnen die Ideen und die finanziellen Mittel. Warum es sich für diese Unternehmen lohnen kann, neue Wege zu gehen.
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AachenInnovation ist für die Fiagon AG kein Fremdwort. Im Gegenteil. Sie steht im Mittelpunkt der Unternehmensphilosophie. Die Brandenburger entwickeln, produzieren und vertreiben elektromagnetische Navigationssyteme für chirurgische Eingriffe. Sie sitzen an der Spitze der chirurgischen Instrumente und können Instrumente im Körperinneren genau ausrichten und positionieren. Chirurgen führten mit Hilfe dieser neuen Technik in den vergangenen Jahren bereits mehr als 100.000 Operationen in über 50 Ländern durch. Der Lohn für die Firma mit ihren 43 Mitarbeitern: Beim Innovationswettbewerb Top 100 wurde sie zum „Innovator des Jahres 2016“ ausgezeichnet.

Fiagon hat Innovationen zur Chefsache gemacht. Die Firmenleitung widmet zwei Drittel ihrer Arbeitszeit Innovationen. Im Jahr 2014 reinvestierte das Unternehmen ein Fünftel seines Jahresumsatzes, um Technologien zu verbessern und voranzutreiben.

Davon können andere Mittelständler nur träumen. Denn häufig fehlen ihn nicht nur die Ideen, sondern auch die finanziellen Mittel, um diese zu entwickeln. Die KfW-Bankengruppe und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnen davor, dass die Zahl der innovativen Mittelständler seit Jahren sinkt und große Konzerne den kleinen und mittleren Unternehmen bei der Innovationsaktivität bald enteilt sein könnten. Laut KfW haben 2004 noch rund 43 Prozent der Mittelständler mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit neuen Produkten oder Dienstleistungen erwirtschaftet. Dieser Wert sei auf 31 Prozent geschrumpft.

Eine paradoxe Entwicklung. Denn die Digitalisierung ermöglicht neue Produkte und Dienstleistungen. Innovationszyklen werden immer kürzer. „Innovationen haben durch die erhöhte Geschwindigkeit eine immer geringere Halbwertszeit. Die Mittel der mittelständischen Firmen reichen häufig nicht aus, um innovative Geschäftsmodelle, die sich auszahlen, schnell genug zu etablieren“, sagt Sven Oleownik, Partner und Head of Germany der Investmentgesellschaft Gimv. Zudem müssten Unternehmen oft in mehrere Bereiche parallel investieren, wofür die Mittel in Summe nicht ausreichten.

Die Banken spielen da meist nicht mit. Sie sind aufgrund fehlender Sicherheiten für eine Finanzierung neuer Ideen nicht zu haben. Daher brauchen Mittelständler Mut zum Umdenken, um neue Wege zu gehen. Ein Vorbild könnte das Corporate Venturing sein: Große Konzerne wie Merck, Bosch, Vorwerk oder BMW haben mit Start-ups längst eigene Inkubatoren gegründet. Immer mehr Mittelständler eifern den Konzernen nach und beteiligen sich an Start-ups.

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