Joachim Geiberger
„Zwang kann nicht die Lösung sein“

Die betriebliche Altersvorsorge weiter auszubauen und zu verbreiten, das steckt hinter der „Nahles-Tarifrente“. Joachim Geiberger ist davon nicht unbedingt begeistert. Er kritisiert den Ansatz als „Zwangsversicherung“.

Herr Geiberger, wie sehr belasten die Niedrigzinsen die betriebliche Altersversorgung (bAV)?
Auch die bAV ist derzeit alles andere als frei von Problemen. Die Niedrigzinsphase beschäftigt Unternehmen und Versicherer sowie Pensionskassen außerordentlich. Aktuell ist es extrem schwer, eine adäquate Rendite zu erwirtschaften. Diese Auswirkungen spüren vor allem große bis sehr große Firmen, die die Form der Direktzusage als Betriebsrente gewählt haben und in ihrer Bilanz entsprechende Rückstellungen bilden müssen - bei Dax-notierten Gesellschaften liegt diese oftmals im zweistelligen Milliardenbereich.

Diese Probleme haben kleinere und mittlere Unternehmen nicht. Nur drei von zehn Firmen machen laut Studien ihren Arbeitnehmern überhaupt ein bAV-Angebot.
Und genau das hat jetzt die Bundesregierung auf den Plan gerufen. Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales will mit der „Nahles-Tarifrente“ die betriebliche Altersvorsorge weiter ausbauen und drastisch verbreitern.

Was stört Sie daran?
Das Ziel ist hier, aber die Umsetzung stellt ein großes Problem dar. Statt die fünf existierenden Durchführungswege in Zukunft zu verschlanken und die Förderung zu erhöhen, setzt der Nahles-Ansatz auf einen neuen sechsten Weg: die Tarifrente.

Die Idee dahinter klingt doch nachvollziehbar: Der Arbeitnehmer soll es einfacher haben, denn er zahlt - zwar mit Widerspruchsrecht - obligatorisch ein. Zudem soll die Tarifrente kostenneutral sein und die Unternehmen sollen von einer Haftung freigestellt werden.
Was so schön nach einem Win-Win aussieht, würde voll zulasten der großen Mehrheit der Versicherungsgesellschaften gehen. Bei der Tarifrente sind die Versicherer im Prinzip außen vor, denn diese wird von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften organisiert und in Form einer Pensionskasse oder als Pensionsfonds angeboten. Die Lebensversicherer bei der Absicherung der Langlebigkeit auf politische Initiative hin auszuschließen, kann ich nicht verstehen. Die Arbeitnehmer sind mündige Bürger. Zwangsversicherung in einem Einheitssystem kann nicht die Lösung sein.

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