Kommentar
Nur wenig Vertrauen

Nach den Autoproduzenten hat nun auch der erste Maschinenbauer die Vorzüge einer eigenen Finanzierung entdeckt. Der Einstieg von Trumpf ins Bankgeschäft sollte die etablierten Geldinstitute aufhorchen lassen.
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StuttgartWenn Trumpf jetzt ins Bankgeschäft einsteigt und die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sagt: „Wir sind Bank“, sollte das vor allem den Banken selbst zu denken geben. Schon die Gründung der Autobanken hat das Finanzgewerbe Milliarden an Einlagen und Finanzierungsgeschäften gekostet. Wenn jetzt auch noch Maschinenbauer wie Trumpf Leasing und Finanzierung aus einer Hand anbieten, dann ist das ein Offenbarungseid für das Mittelstandsgeschäft der Banken.

Bei den Trumpf-Kunden geht es um die Finanzierung von deutschen High-Tech-Maschinen, die um die 500.000 Euro kosten. Die Nachricht platzt gerade in eine Zeit, in der fast alle Banken das solide Mittelstandsgeschäft wieder entdeckt haben. Mit Trumpf kommt ein Wettbewerber, den die Banken ernst nehmen sollten. Denn Trumpf kennt seine Kunden und deren Risiken immer besser, als ein angestellter Banker es je könnte. Macht das Beispiel Schule, dann könnte das erst der Anfang einer Erosion auch des Mittelstandsgeschäfts werden.

Denn eines ist sicher, Trumpf kennt die Maschinen. Selbst bei einer Insolvenz eines Kunden kann Trumpf die gebrauchten Maschinen noch gut verwerten. Auch kann Trumpf die Zyklen des Maschinenbaus besser beurteilen als eine Bank. Im Zweifelsfall bringt der Familienkonzern in schweren Zeiten wie in der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise mehr Geduld auf als jeder Banker.

Aber sicher ist, das Bankgeschäft wird auch bei Trumpf keine Wohltätigkeitsveranstaltung. Denn die Schwaben schielen auf die Autobanken. Die haben sich zu Goldeseln und Cashcows der Fahrzeughersteller entwickelt und liefern BMW, Daimler oder Volkswagen steigende Ergebnisbeiträge.

Die gesellschaftliche Akzeptanz der Banken hat durch die Zockergeschäfte in der Finanzkrise schwer gelitten. Trumpfs Einstieg in das Finanzgeschäft zeigt, dass Unternehmen das Bankgeschäft in der Realwirtschaft lieber selbst machen. Vielleicht können sie es sogar besser.

Der Autor ist Korrespondent in Stuttgart. Sie erreichen ihn unter: buchenau@handelsblatt.com

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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