Langfristige Engagements
Die Heuschrecken werden sesshaft

Statt schneller Rendite: Viele Finanzinvestoren verstehen sich als strategische Partner und halten Beteiligungen an Unternehmen deswegen jetzt länger.
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DüsseldorfMehr als 14 Jahre hielt die Beteiligungsgesellschaft VR Equitypartner Anteile an der Oechsler AG, einem Spezialisten für Kunststofftechnik. Mit dem zusätzlichen Eigenkapital des Private-Equity-Investors ist dem Ansbacher Unternehmen die internationale Expansion gelungen. So wurde in dieser Zeit eine Tochtergesellschaft in China aufgebaut, um in diesem wichtigen ausländischen Wachstumsmarkt präsent zu sein. Mitte März hat VR Equitypartner seine Anteile veräußert.

Ein langfristiges Engagement wie bei Oechsler ist kein Einzelfall. Vorbei die Zeiten, in denen Finanzinvestoren kurzfristige Investments eingingen und die schnelle Rendite suchten: „Mittelständler sehen Private-Equity-Investoren als Partner, deren Engagement häufig auch länger ausfällt. Das negative Heuschrecken-Image ist längst Vergangenheit“, sagt Gabriele Fontane von der auf Private Equity spezialisierten Anwaltskanzlei Otto, Mittag und Fontane in Frankfurt. „Private-Equity-Investoren bringen auch ihr Fachwissen ein, zum Beispiel über Beiräte, und tragen damit zur positiven Entwicklung einer Beteiligung bei“, fügt Fontane hinzu.

Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC ist die Haltedauer der Portfolio-Unternehmen bei Private-Equity-Häusern zwischen 2004 und 2014 von 3,9 Jahren auf 5,8 Jahre gestiegen. Dabei hängt die Dauer des Engagements stark von der Branche ab: Am längsten ist sie bei Infrastruktur-Unternehmen und am kürzesten in den Branchen Umwelttechnologie und Immobilienwirtschaft. „Immer mehr Private-Equity-Gesellschaften beteiligen sich länger an Unternehmen, um durch operative und strategische Beratung den Wert zu erhöhen und damit höhere Verkaufserlöse zu erzielen“, sagt Steve Roberts, Leiter des Bereichs Private Equity bei PwC.

Mittelständische Unternehmen suchen dabei nicht nur Partner, um das Wachstum zu finanzieren: „Beteiligungen haben in den vergangenen Jahren vor allem bei der Unternehmensnachfolge an Bedeutung gewonnen“, sagt Martin Völker, Geschäftsführer von VR Equitypartner, einer Tochter von DZ Bank und WGZ Bank. Denn viele Mittelständler stehen vor dem Problem, dass sie in der eigenen Familie keinen Nachfolger finden.

Der Einstieg eines Private-Equity-Investors kann eine Lösung sein. Dabei braucht sich der Firmengründer nicht vollständig zurückzuziehen, sondern kann auch in Zukunft weiter Anteile halten: „Eine Rückbeteiligung bietet den Vorteil, dass der Unternehmer im Geschäft bleibt und damit sein Know-how weiter einbringen kann. Auch der Übergang lässt sich gegenüber Kunden und Mitarbeitern besser gestalten“, betont Völker.

Ihre Mehrheit an dem Frässpezialisten WST Präzisionstechnik mit Sitz in Löffingen haben die Firmengründer Sabine und Georg Willmann zum Beispiel verkauft. Dennoch haben die beiden als alleinige Geschäftsführer weiterhin das Sagen und halten zudem noch einen Anteil von 15 Prozent an der Firma. Die Mehrheit hält die Beteiligungsgesellschaft Finatem, die das Unternehmen, das auf Präzisionsdrehteile für die Automobilindustrie spezialisiert ist, 230 Mitarbeiter beschäftigt und einen Jahresumsatz von 40 Millionen Euro macht, übernommen hat.

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