Leasing-Special
Wenn am falschen Ende gespart wird

Seit Ausbruch der Finanzkrise denken nur wenige Flottenmanager strategisch. Um Geld zu sparen, leasen viele Unternehmen ihre Dienstwagen bei mehreren Anbietern – doch das rechnet sich selten.
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DüsseldorfDie Dienstwagenflotte der Time-Partner-Gruppe ist umweltbewusst und nachhaltig unterwegs. Die Mitarbeiter fahren kleinere Fahrzeuge und werden dafür mit mehr Attraktivität bei der Innenausstattung belohnt. Das Hamburger Unternehmen hat deshalb den Flottenstandard Gold (120 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro gefahrenen Kilometer) auf Anhieb erreicht. Möglich war das durch ein Bonus/Malus-System für die Fahrzeuge aller Hierarchiestufen.

Doch seit Ausbruch der Finanzkrise denkt nur eine Minderheit der Unternehmen, die eine Fahrzeugflotte im Einsatz haben, strategisch, beobachtet Udo Dewein, Vorstand der Leasecontrol AG. Immer mehr Unternehmen arbeiten mit mehreren Leasinggesellschaften zusammen, um Kosten zu sparen - unterm Strich rechne sich das aber nicht: "Ausschreibungen sind selbst in Kleinunternehmen schick, und so sind bei kleineren Fuhrparks mit dreißig Fahrzeugen nicht selten drei verschiedene Leasinganbieter am Start", beschreibt Udo Dewein den Trend. "Pro Fahrzeug wird der günstigste Anbieter gewählt."

Das Ergebnis sei eine Leasingratenoptimierung, die oft weniger als zehn Euro pro Fahrzeug und Monat betrage - zu einem hohen Preis. Denn mit der Zahl der Leasinganbieter steigt auch der administrative Aufwand. "Es wird am falschen Ende gespart. Das Problem ist am Ende das Flottenmanagement, das nicht mehr vernünftig gehandhabt werden kann", so Dewein. Die Prozesskosten - rund zwölf Prozent an den Gesamtkosten einer Flotte - erhöhen sich, weil verschiedene Managementsysteme verwendet werden. Neun Prozentpunkte könnten mit einem einheitlichen EDV-System eingespart werden - doch unterschiedliche Tools machen dieses Potenzial zunichte.

Dewein rät Flottenbetreibern, sich nach einem Preisvergleich für einen Leasinganbieter zu entscheiden und mindestens einen Zyklus lang miteinander zu arbeiten. Denn die Segmentierung erzeuge nicht nur Reibungsverluste bei der Fuhrparkverwaltung - sie erschwere auch das Controlling, weil ein einheitliches Reporting fehlt.

Ob der Einsatz vieler Leasinganbieter Einsparungen erzielt oder zusätzliche Kosten produziert, wird kaum zu ermitteln sein. Dabei können sich Fuhrparkmanager solche Unkenntnis in der Praxis nicht leisten: Denn sie erwartet laut der Center-Automotive-Research-(CAR-)Studie "Trends im Fuhrparkmanagement" im Auftrag des Verbands der markenunabhängigen Fuhrparkmanagementgesellschaften e. V. ein "massiver Druck zur Kosten- und Prozessoptimierung". Die Kostensituation in den Fuhrparks werde insbesondere durch die schnell steigenden Treibstoffpreise stark belastet.

Fachleute gehen außerdem von massiv steigenden Kosten durch weitere Steuererhöhungen und andere politische Entwicklungen aus. Entscheidungen rund um den Fuhrpark sind daher meist komplex, so dass die Experten Bedarf an einer weiteren Professionalisierung des Fuhrparkmanagements auch bei kleineren Flotten sehen. Ein Vergleich der reinen Leasingrate reicht daher kaum aus.

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  • Inzwischen gibt es eine Reihe von Softwaresystemen, die es dem Fuhrparkmanager bzw. dem Dienstwagennutzer erlauben, markenunabhängig Fahrzeuge zu konfigurieren und dabei im Hintergrund ein Multi-Bidding-Verfahren über mehrere Leasinganbieter laufen zu lassen. Ergebnis ist eine immer optimale Leasingrate. Dabei spielt es noch nicht einmal eine Rolle, ob Kapitalleasingraten, Fullservice-Leasingraten oder eine Mischung aus bspw. Kapitalraten der Captives und Serviceraten einer markenunabhängigen Leasinggesellschaft miteinander pro Fahrzeug kombiniert und dann verglichen werden sollen. So ein System senkt die Prozesskosten enorm und kann auch bis zu einem "Fahrerportal" ausgebaut werden.
    Ein effektives Fuhrparkmanagementsystem im Hintergrund kann dann auch noch helfen, Daten unterschiedlicher Leasinggeber oder anderer Dienstleister (Tankkarten-Anbieter, Schadensmanagement) zu konsolidieren und dem Fuhrparkleiter einen entsprechenden Gesamtüberblick (Reporting, Controlling)über seinen Fuhrpark und dessen Kosten zu geben.
    Die vermeintlichen Nachteile hoher Prozesskosten, fehlender Übersicht und eines uneinheitlichen Reportings machen solche Systeme wett. Hinzu kommt, dass bei einem (irgendwann unvermeidlichen) Wechsel des Leasinggebers alle Daten in der gewünschten Tiefe und Qualität zur Verfügung stehen und keine durch den Wechsel des einzigen Leasinganbieters entstehenden Prozesskosten anfallen. Der Fuhrpark erreicht damit eine weitgehende Unabhänigkeit von der Leasinggesellschaft, eine hohe Flexibilität sowie eine maximale Transparenz.
    Knackpunkt solcher Systeme sind natürlich deren Kosten, die sich aktuell noch nicht für kleinere Fuhrparks rechnen. Aber auch hier arbeiten einige Anbieter bereits an Lösungen, die auch für Fuhrparkgrößen unter 50 oder 100 Fahrzeugen rentabel sind.
    In Fachzeitschriften oder beim Bundesverband Fuhrparkmanagement erhält man sicherlich ausreichende Informationen zu diesen Software- und Systemanbietern.

  • 12% der Gesamtkosten für Administration? Bei uns stimmt das nicht mal ansatzweise. Und der Zusatzaufwand durch das Handling zweier Anbieter ist auch nicht groß. Jedes Fahrzeug einer anderen Leasinggesellschaft zu geben, ist sicher nicht zweckmäßig. Aber an einer zweiten Leasinggesellschaft ist noch niemand gestorben. Ein Ansatz ist, die Fahrzeuge zu den jeweiligen Captives zu geben. Das bringt schon etwas - und man hat dauerhaft gute Preise. Aber natürlich kann man auch mit einer Leasinggesellschaft gut fahren.

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