Auch IT lässt sich leasen

„Insgesamt investiert die deutsche Wirtschaft zu wenig in ihre IT, was angesichts des digitalen Wandels fatal ist“, stellt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) fest.

Mehr als nur Finanzierung Wieso die deutsche Wirtschaft ihre IT-Infrastruktur ausbauen sollte

Unternehmen könnten mithilfe von IT-Leasing neue Technologien früher und schneller einführen – und so besser auf neue Marktbedingungen reagieren.
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AachenGilles Christ hat gut lachen. „Das vergangene Jahr war für Grenke in Summe ein sehr gutes Jahr", zieht der 48-Jährige zufrieden Bilanz. Christ ist Mitglied des Vorstands bei Grenke, einem der größten Spezialisten für IT-Leasing in Deutschland. In allen Segmenten entwickelte sich das Neugeschäft erwartungsgemäß oder sogar besser.

Die Entwicklung der IT-Investitionen gilt als Seismograf für die Stimmung in der Wirtschaft - und die ist schlechter, als es die Rahmenbedingungen erwarten lassen. Denn nicht überall läuft es so rund wie bei Grenke. Obwohl sich die deutsche Wirtschaft gut entwickelt hat, stagnierte 2017 das Leasingneugeschäft laut dem Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) im IT-Bereich. 2016 war es sogar um sieben Prozent zurückgegangen.

„Insgesamt investiert die deutsche Wirtschaft zu wenig in ihre IT, was angesichts des digitalen Wandels fatal ist“, stellt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) fest. Zugleich räumt der Branchenverband ein, dass man bei diesen Zahlen berücksichtigen müsse, dass es längst nicht mehr nur um die Finanzierung der Hard- und Software geht.

Neue Nutzungsmodelle wie etwa die Cloud spielen eine immer wichtigere Rolle. Um diese optimal zu nutzen, ist eine umfassende IT-Infrastruktur notwendig. Mit der Anschaffung der Hardware ist es dabei nicht getan. Die Installation und laufende Wartung beschert den Leasingunternehmen zusätzliche Umsatzchancen. Diese Geschäfte werden jedoch nicht in der BDL-Statistik erfasst. „Leasing ist im IT-Bereich für viele Kunden längst mehr als die reine Finanzierung des Equipments“, unterstreicht Fittler. So wachse der Anteil an Service und Beratung in diesem Sektor.

Ausbau der IT-Infrastruktur

Auch wenn der Bedarf nach neuen Nutzungsgewohnheiten wie Cloud-Computing steigt - das Hauptargument dafür, Hard- und Software zu leasen, ist das gleiche geblieben: Anstatt die Technik zu kaufen und sich um die Wartung sowie Instandhaltung der Anlagen selbst zu kümmern, leasen Firmen ihre IT-Struktur - einschließlich Servicepaket. Dafür zahlen sie eine monatliche Nutzungsgebühr, was weniger Kapital bindet als ein Kauf per Barzahlung.

Im Idealfall kann das Unternehmen die Leasingraten aus den Überschüssen finanzieren, die durch die höhere Produktivität des neuen Equipments erzielt werden. Häufig laufen Hardware-Leasingverträge zwei bis drei Jahre. Danach können die technisch veralteten Geräte an den Leasinganbieter zurückgegeben werden. Bei Bedarf versorgt der Leasinggeber die Firma mit neuen Rechnern - das minimiert den organisatorischen Aufwand.

Der Haken: Die finanzielle Belastung ist beim Leasing zumeist höher als bei der Finanzierung über Bankdarlehen. Derzeit bietet sich daher in vielen Fällen der direkte Kauf der IT-Ausstattung an - solange das Zinsniveau niedrig bleibt. „Im Gegensatz zum Kauf, bei dem der Lebenszyklus eines Gutes in der Regel auf rund fünf Jahre angesetzt ist, können Innovationszyklen per IT-Leasing verkürzt werden“, argumentieren dagegen IT-Experte Christ von Grenke.

Unternehmen könnten mithilfe des Leasings neue Technologien früher und schneller einführen und so besser auf sich ändernde Anforderungen des Marktes reagieren. Hierdurch entstehe eine höhere technologische und vor allem finanzielle Flexibilität. „Für Mittelständler spielen Wachstum und Flexibilität eine große Rolle. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie technisch immer auf der Höhe der Zeit sein. Das ist insbesondere bei IT-Hardware mit ihren immer kürzeren Innovationszyklen äußerst kapitalintensiv“, gibt Christ zu bedenken.

Im Gegensatz zum Kauf oder zu der Finanzierung über einen klassischen Bankkredit schone Leasing das Eigenkapital und verbessere so Liquidität und Bonität. „Unternehmen können deshalb ihre finanziellen Mittel in zukunftsorientierte Projekte investieren, anstatt in Hardware zu binden. Sie werden dadurch agiler“, wirbt er für die Mietfinanzierung.

Laut BDL nutzt besonders die Gesundheitsbranche das IT-Leasing. Eine Marktstudie des Branchenverbands aus dem Jahre 2015 kommt zu dem Ergebnis: je größer die Unternehmen, desto größer die Leasingnachfrage bei IT-Investitionen.

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