Mittelstand
Fehlende Transparenz im Förderdschungel

Das Förderangebot für Unternehmen ist unübersichtlich. Doch bei der richtigen Kombination der Förderprogramme kommen Betriebe schneller an ihr Geld. Spezielle Berater weisen den Weg zum passenden Programm.

HamburgMustafa Azim hatte eine gute Geschäftsidee, aber kein Kapital. Als er vor 4,5 Jahren smartvie gründete, eine E-Commerce-Plattform als Konkurrenz zu Ebay, bemühte er sich, von der niedersächsischen Förderbank 18.000 Euro aus dem Zuschuss-Programm „Gründercampus“ zu erhalten. „Wir mussten einen Businessplan erstellen, zahlreiche Formulare ausfüllen und uns einer Jury vorstellen.“

Es dauerte zwei Monate, bis Azim das Okay bekam. Danach musste er für jede Mittelanforderung aus dem Programm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung von seinem Steuerberater bestätigte Rechnungen vorlegen. 2014 entdeckte der 29-Jährige einen weiteren Fördertopf. Der stand bei der Kapitalbeteiligungsgesellschaft für die mittelständische Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen (KBG) zur Verfügung. Diese stärkt, wie ihre „Schwestern“ in anderen Bundesländern, Existenzgründer und wachstumsorientierte Unternehmen mit Mikromezzanine-Kapital.

Ein Fördermittelberater half dem smartvie-Gründer, ein Darlehen über 50.000 Euro zu bekommen. Die Laufzeit: zehn Jahre. Der Clou: Mit der Tilgung muss die Company erst im achten Jahr beginnen. „Das hat uns finanziell Luft verschafft und unternehmerische Sicherheit gegeben“, sagt Azim. Wie Mustafa Azim erscheint vielen jungen, kleinen und mittelständischen Unternehmern (KMU) die deutsche Förderlandschaft wie ein Dschungel. Rund 2.000 Programme existieren, die aus Landes-, Bundes- oder Europa-Mitteln gespeist werden. Fördergelder gibt es für Gründer und strukturschwache Regionen, Forschungsprojekte und Innovationen.

„Die Anforderungskataloge und Regularien umfassen bei einigen Programmkombinationen Hunderte Seiten“, sagt Anne Alsfasser, auf KMU spezialisierte Unternehmensberaterin: Sie rät, sich frühzeitig um Fördergelder zu kümmern. Nicht selten ziehe sich das Antragsprozedere länger hin. Das bremse vor allem Gründer, die schnell starten möchten. Diese sollten, so die Expertin, genau die Angebote der KfW-Bankengruppe studieren.

Für Start-ups, Unternehmensnachfolger und junge Unternehmer gibt es hier beispielsweise Zuschüsse zu Beratungskosten von bis zu 4.500 Euro im Jahr. Die Gelder für das Programm „Gründercoaching Deutschland“ aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) werden von der KfW ausgezahlt. Über die Hausbank lassen sich bei der KfW außerdem ERP-Darlehen für junge Unternehmen bis zu 100.000 Euro beantragen. Jahreszins: ab ein Prozent.

Seite 1:

Fehlende Transparenz im Förderdschungel

Seite 2:

„Programme lassen sich kombinieren“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%