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Der deutsche Mittelstand entdeckt das Finanzierungsinstrument Factoring für sich. Für Unternehmen bietet die Factoring-Branche gewisse Vorteile: Das Risiko sinkt, die Liquidität steigt – gegen eine Gebühr.

DüsseldorfDer deutsche Mittelstand entdeckt das Factoring zunehmend als Finanzierungsform für sich. Einer im Frühjahr vom Bundesverband Factoring für den Mittelstand veröffentlichen Umfrage zufolge planen 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen den Einsatz dieses Finanzierungsinstrumentes. 2012 lag dieser Wert noch bei zehn Prozent. Passend dazu sind die Umsätze der Mitgliedsunternehmen des Deutschen Factoring-Verbandes im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 90 Milliarden Euro um mehr als elf Prozent auf 100,5 Milliarden Euro gewachsen. Die Kundenzahl kletterte im Jahr 2014 auf 18.900 - ein Plus von fast sieben Prozent gegenüber 2013. Über 95 Prozent der Factoringkunden kommen aus dem Mittelstand, mit denen die Verbandsmitglieder rund zwei Drittel ihres Umsatzes machen.

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen gegen eine Gebühr an einen spezialisierten Dienstleister. Vorteil: Der Rechnungssteller kommt innerhalb von wenigen Tagen an sein Geld, zudem übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls. Immerhin hat rund ein Viertel der kleinen und mittleren Unternehmen bereits erhebliche Probleme durch Forderungsausfälle erlebt. Meist steht für die Finanzverantwortlichen jedoch der Zugewinn an Liquidität im Vordergrund. „Der Einsatz von Factoring hat uns in der Phase unseres starken Wachstums die Möglichkeit gegeben, unser Working Capital vollständig aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren“, sagt Max H.-H. Schaber, Vorstandschef der Datagroup. Durch den Verkauf offener Forderungen hat der IT-Dienstleister seine laufenden Kreditlinien schonen können, um diese Mittel für die Finanzierung zahlreicher Übernahmen und Akquisitionen seit 2006 zu nutzen.

Factoring ist aber auch deswegen attraktiv, weil das Unternehmen damit verschiedene Sicherungs- und Liquiditätsmaßnahmen unter einen Hut bekommt. „Wir brauchen zum Beispiel keine eigene Überprüfung der Kreditwürdigkeit unserer Kunden vorzunehmen“, erläutert Schaber. Der Factorer entscheidet, bis zu welcher Gesamtsumme er Forderungen gegenüber einem bestimmten Zahlungspflichtigen ankauft und übernimmt damit das volle Bonitätsrisiko. „Zudem können wir durch den Einsatz von Factoring mit festen Einnahmen planen und auf diese Weise unsere Liquidität genau steuern. Die Kosten dafür, ob unser Kunde Zahlungsziele voll ausnutzt, eventuell überzieht oder aber unter Ausnutzung von Skonto vorzeitig zahlt, differieren am Ende nur wenig“, so der Datagroup-Chef. Die meisten Factoringgesellschaften berechnen für die Bevorschussung der Forderung derzeit zwischen eineinhalb und drei Prozent pro Jahr - das ist nur ein Bruchteil dessen, was Banken aktuell für einen klassischen Kontokorrentkredit verlangen.

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