Rechnungen weiterverkaufen

So kommen Sie an schnelles Geld

Der deutsche Mittelstand entdeckt das Finanzierungsinstrument Factoring für sich. Für Unternehmen bietet die Factoring-Branche gewisse Vorteile: Das Risiko sinkt, die Liquidität steigt – gegen eine Gebühr.
  • Thomas Luther
Beim Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls. Quelle: dpa
Brief mit Forderungen

Beim Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDer deutsche Mittelstand entdeckt das Factoring zunehmend als Finanzierungsform für sich. Einer im Frühjahr vom Bundesverband Factoring für den Mittelstand veröffentlichen Umfrage zufolge planen 15 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen den Einsatz dieses Finanzierungsinstrumentes. 2012 lag dieser Wert noch bei zehn Prozent. Passend dazu sind die Umsätze der Mitgliedsunternehmen des Deutschen Factoring-Verbandes im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 90 Milliarden Euro um mehr als elf Prozent auf 100,5 Milliarden Euro gewachsen. Die Kundenzahl kletterte im Jahr 2014 auf 18.900 - ein Plus von fast sieben Prozent gegenüber 2013. Über 95 Prozent der Factoringkunden kommen aus dem Mittelstand, mit denen die Verbandsmitglieder rund zwei Drittel ihres Umsatzes machen.

Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen gegen eine Gebühr an einen spezialisierten Dienstleister. Vorteil: Der Rechnungssteller kommt innerhalb von wenigen Tagen an sein Geld, zudem übernimmt die Factoringgesellschaft das Inkasso und oft auch das Risiko des Zahlungsausfalls. Immerhin hat rund ein Viertel der kleinen und mittleren Unternehmen bereits erhebliche Probleme durch Forderungsausfälle erlebt. Meist steht für die Finanzverantwortlichen jedoch der Zugewinn an Liquidität im Vordergrund. „Der Einsatz von Factoring hat uns in der Phase unseres starken Wachstums die Möglichkeit gegeben, unser Working Capital vollständig aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren“, sagt Max H.-H. Schaber, Vorstandschef der Datagroup. Durch den Verkauf offener Forderungen hat der IT-Dienstleister seine laufenden Kreditlinien schonen können, um diese Mittel für die Finanzierung zahlreicher Übernahmen und Akquisitionen seit 2006 zu nutzen.

Geld eintreiben in sieben Schritten
Lassen Sie sich nicht narren!
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Offene Forderungen sind nicht nur ärgerlich, sondern gefährden auch die Existenz unzähliger Firmen. Das Creditreform-Magazin.de hat sieben Schritten formuliert, wie Mahnschreiben, Mahnbescheid, Klage und Inkassodienstleister tatsächlich helfen.

Schritt 1: Rechnung schreiben
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Nach Abschluss eines Auftrags - bei Handwerkern nach Abnahme der Leistung - sollten Sie zügig eine prüffähige Rechnung schreiben mit einem konkretem Zahlungstermin. Außer den vertraglich vereinbarten Punkten sollten Sie auch alle Pflichtangaben notieren, die das Umsatzsteuergesetzt verlangt; formale Fehler sind oft Anlass dazu, nicht zu zahlen. Beim Zahlungsziel gilt: Seit Inkrafttreten der EU-Zahlungsverkehrsrichtlinie (2014), dürfen Unternehmen ihren Geschäftspartnern nur noch ein Ziel von maximal 60 Tagen gewähren. Alles andere muss ausdrücklich vereinbart werden. Bei öffentlichen Auftraggebern gilt eine Frist von 30 Tagen.

Schritt 2: Mängel beseitigen
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Ein häufiger Einwand von Kunden, die ihre Rechnung nicht begleichen, sind Mängel. Sollten die berechtigt sein, müssen Sie sie zunächst umgehend beseitigen.

Schritt 3: Zahlung kontrollieren
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Es ist zum Verzweifeln, wenn Sie keinen Überblick über Ihre Außenstände haben. Überwachen Sie daher regelmäßig mit einer Excel-Liste, einem Buchführungs- oder einem anderen PC-Programm, welche Rechnungen noch nicht bezahlt sind.

Schritt 4: Kunden anrufen
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Wenn Ihr Kunde seine Rechnung nicht begleicht, sonst aber eigentlich immer pünktlich gezahlt hat, sollten Sie kurz anrufen, und ihn an die Zahlung erinnern. Bei einem guten Kunden lässt sich bei einem vorübergehenden Liquiditätsengpass ja auch eine Ratenzahlung vereinbaren – aber immer schriftlich mit Schuldanerkenntnis für die Gesamtforderung.

Schritt 5: Richtig mahnen
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Verschicken Sie höchstens drei, nicht nummerierte Mahnschreiben und stellen Sie direkt im ersten Brief fest, dass sich der Kunde im Verzug ist. Berechnen Sie 30 Tage nach Erhalt der Ware oder Abnahme der Leistung Verzugszinsen – bei Privatkunden sollten Sie darauf aber nochmal gesondert hinweisen. Aktuell liegt der Verzugszins bei Privatkunden bei fünf, bei Geschäftskunden bei neun Prozentpunkten über dem Basiszinssatz. Außerdem wird nach der neuen EU-Zahlungsverzugsrichtlinie eine Pauschale von 40 Euro fällig.

Schritt 6: Mahnantrag stellen und klagen
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Einen Anwalt beauftragen oder einen Mahnbescheid beantragen können Sie selbst über Portale wie beispielsweise online-mahnantrag.de. Wenn der Schuldner nicht widerspricht, erlässt das Gericht den Vollstreckungsbescheid – andernfalls geht das Verfahren in eine Klage über. Wenn deutlich wird, dass der Schuldner partout nicht bezahlen will, klagen Sie am besten direkt.

Factoring ist aber auch deswegen attraktiv, weil das Unternehmen damit verschiedene Sicherungs- und Liquiditätsmaßnahmen unter einen Hut bekommt. „Wir brauchen zum Beispiel keine eigene Überprüfung der Kreditwürdigkeit unserer Kunden vorzunehmen“, erläutert Schaber. Der Factorer entscheidet, bis zu welcher Gesamtsumme er Forderungen gegenüber einem bestimmten Zahlungspflichtigen ankauft und übernimmt damit das volle Bonitätsrisiko. „Zudem können wir durch den Einsatz von Factoring mit festen Einnahmen planen und auf diese Weise unsere Liquidität genau steuern. Die Kosten dafür, ob unser Kunde Zahlungsziele voll ausnutzt, eventuell überzieht oder aber unter Ausnutzung von Skonto vorzeitig zahlt, differieren am Ende nur wenig“, so der Datagroup-Chef. Die meisten Factoringgesellschaften berechnen für die Bevorschussung der Forderung derzeit zwischen eineinhalb und drei Prozent pro Jahr - das ist nur ein Bruchteil dessen, was Banken aktuell für einen klassischen Kontokorrentkredit verlangen.

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