Risikokapital in den USA
Jenseits vom Valley versiegt der Geldstrom

Geld ist doch knapp: In Kalifornien kommen junge US-Firmen zwar leicht an Kapital, in anderen Regionen hingegen haben es Gründer schwer. Etwa das texanische Start-up Water Lens, das auf Wasseranalysen spezialisiert ist.
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HoustonSeine Kunden trifft Keith Cole manchmal auf der Straße. Die Zentralen von Exxon, Halliburton und anderen Konzernen liegen nicht weit entfernt, Houston ist die Hauptstadt der amerikanischen Energiebranche und damit auch des Frackings. Überall in Texas sprengen Firmen mit der umstrittenen Methode Öl und Gas aus dem Schieferboden. Coles Firma Water Lens verkauft ihnen ein Verfahren zur schnellen Untersuchung des Wassers, das dabei in großen Mengen zum Einsatz kommt.

Für so ein Produkt gibt es keinen besseren Standort. „Die Nähe zu unseren Kunden und ihren Förderanlagen ist fantastisch“, sagt Cole. Trotzdem wünscht sich der Unternehmer manchmal, er käme aus dem Silicon Valley. Dort sei es viel leichter, Investoren zu gewinnen. „In Texas gibt es relativ leicht Risikokapital, wenn man etwas mit Computertechnologie macht. Aber alle anderen Branchen haben Probleme.“

Amerika, das gelobte Land der Start-ups: Dieses Bild stimmt nur bedingt. Es gibt zwar Firmen, die Hunderte Millionen kassieren, Uber und Airbnb etwa, oder auch Slack und Palantir. Doch der Segen ist ungleich verteilt. Das bestätigt eine Erhebung der Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers (PwC) und des Marktforschers CB Insights: Die Investoren konzentrieren sich demnach auf einige Regionen und Themen. Produkte für die Energiebranche aus Texas zählen nicht unbedingt dazu, wie das Beispiel Water Lens zeigt.

Ein paar Tropfen reichen für den Test

Das Unternehmen hat ein Verfahren entwickelt, das die Inhaltsstoffe von Wasser innerhalb von zehn Minuten analysiert. Dabei spielen Naturwissenschaft und Informatik zusammen. Laborchef Tyler West demonstriert das anhand einer braunen Brühe, die aus einem Fracking-Bohrloch stammt. Er füllt mit einer Pipette etwas Flüssigkeit auf ein Plastiktablett mit vielen Zellen.

Diese enthalten gefriergetrocknete Chemikalien, die zum Beispiel auf Barium und Calcium, Chlorverbindungen und den Säuregehalt reagieren und sich verfärben. Dafür reichen ein paar Tropfen aus. Tyler schiebt das Tablett in ein Analysegerät, das anhand der Wellenlänge der Farben die genaue Konzentration bestimmt und die Ergebnisse auf dem Notebook ausgibt. „Da ist zehnmal mehr Salz drin als in Meerwasser“, stellt der Chemiker mit einem Blick auf die Tabelle fest.

20 Werte kann Water Lens bislang bestimmen, für weitere elf Stoffe entwickeln die Wissenschaftler derzeit Verfahren, etwa für den Gehalt von Nitrat. Die Besonderheit: Das geschieht mit einem einzigen Test, schnell und direkt vor Ort. „Damit kann man überall auf der Welt Wasser testen“, sagt Cole. 250 Dollar kostet das pro Durchgang.

Der Verbrauch beim Fracking ist enorm, nach einer Schätzung der Umweltorganisation Environment America produzierten die Förderstätten im Jahr 2014 mindestens 53 Milliarden Liter Abwasser, und darin ist Texas mangels Zahlen noch nicht einmal eingeschlossen. „Wenn man direkt weiß, was im Wasser ist, kann man es wiederverwenden“, sagt Water-Lens-Chef Cole. Ob fürs Fracking oder andere Zwecke, etwa die Landwirtschaft, zumindest wenn es nicht zu schmutzig ist.

Nicht nur in Texas stellen sich solche Fragen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt, dass Wasserknappheit zu den größten Problemen des 21. Jahrhunderts zählen werde. Der Verbrauch sei im vergangenen Jahrhundert doppelt so schnell gewachsen wie die Bevölkerung. Immer mehr Regionen seien davon betroffen. Der sparsame Umgang mit dem kostbaren Nass, so hofft Cole, entwickelt sich daher zu einem großen Geschäft.

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