Schuldscheindarlehen: Renditekick in der Nullzinswelt

Schuldscheindarlehen
Renditekick in der Nullzinswelt

Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank treibt besondere Blüten. Nun erreicht der Renditehunger auch unkonventionelle Finanzierungsarten. Gleich drei Dax-Gesellschaften sind auf dem Schuldscheinmarkt aktiv.
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DüsseldorfGeld gibt es derzeit im Überfluss – und längst nicht mehr nur am Kapitalmarkt oder als Bankkredit. Auch der Markt für Schuldscheindarlehen erlebt eine neuerliche Blüte: Allein in den Monaten Januar bis August dieses Jahres wurden bereits 71 Schuldscheindarlehen mit einem Gesamtvolumen von knapp 18,6 Milliarden Euro emittiert, heißt es in einer Studie der DZ Bank.

Damit wurde das Rekord-Emissionsvolumen aus dem Vorjahr bereits nach nur acht Monaten im laufenden Jahr erreicht. „Es scheint, als würde die starke Dynamik am deutschen Schuldscheindarlehensmarkt nach den absehbaren neuen Rekordmarken im laufenden Jahr vorerst noch kein Ende finden“, sagt Studienautor Mario Kristl. 2016 erwartet der Analyst der DZ Bank ein Volumen zwischen 20 und 25 Milliarden Euro.

Der Trend geht zu größeren Schuldscheindarlehen. Das Volumen liegt im bisherigen Jahresverlauf nach Schätzungen der DZ Bank im Schnitt bei 262 Millionen Euro – 2015 waren es 190 Millionen Euro, in den Jahren davor meist nur 120 Millionen Euro. Kleinere Schuldscheindarlehen mit einem Volumen von bis zu 20 Millionen Euro zählte Kristl bis August nur ein einziges. Dafür aber bereits sechs Schuldscheindarlehen mit einem Volumen jeweils zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde Euro. Bei drei Emissionen betrug das Volumen sogar mehr als eine Milliarde Euro.

Traditionell sind Schuldscheindarlehen eine klassische Finanzierungsform für Mittelständler. Auch 2016 stellen mittelständische Firmen das Gros der Emittenten – darunter besonders Unternehmen aus den Sparten Automotive, Bau, Konsum und Life Science. Sie finanzieren damit etwa Zukäufe.

Aber auch die großen Konzerne im Dax sowie die Mittelstandselite im MDax, SDax und TecDax sowie im wachsenden Maße ebenso ausländische Unternehmen entdecken die Vorzüge der anleiheähnlichen, langfristigen Großkredite. 2016 waren nach Kristls Recherchen bereits drei Gesellschaften aus dem Dax auf dem Schuldscheinmarkt aktiv – und für die Megatransaktionen mit großem Emissionsvolumen verantwortlich. Bis Ende August nahmen zudem 27 ausländische Emittenten am deutschen Schuldscheinmarkt Kapital im Gesamtwert von 7,6 Milliarden Euro auf – allen voran Unternehmen aus Österreich.

Zunehmend internationalisiert und verbreitert präsentiert sich auch die Nachfrageseite. Zu den bekannten Abnehmern – deutsche Banken sowie Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken – gesellen sich mehr und mehr auch Versicherungsgesellschaften, Pensionskassen, Sozialversicherungsträger sowie internationale Investoren. Im Niedrigzinsumfeld sind Investoren auf der Suche nach besser verzinsten Anlagen – und dieses kleine bisschen Mehr bei überschaubarem Risiko finden sie bei deutschen Schuldscheindarlehen.

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  • Eine Währung, eine Finanzwelt in der es keine Zinsen gibt, ist eine insolvente Welt.
    Somit sind ALLE Finanzprodukte an diese insolvente Welt gebunden. Negativzinsen bedeutet für ein Finanzsystem die Bankrotterklärung. Wirtschaftlicher Mehrwert kann auf dieser Basis nicht entstehen und ohne einen Wirtschaftlichen Mehrwert, der übrigends vor allen auch einer CO2 freien Politik basiert, ist die Zukunft dem Mangel und Armut geweiht.

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