Stiftungen
Spenden für den guten Zweck liegt im Trend

Das Zinstief setzt mittelständischen Wohltätern mit Ewigkeitsstiftungen zu. Wesentlich flexibler sind neue Konzepte, die Spielraum in der Gestaltung lassen. Die Anlagestrategie orientiert sich an sogenannten Target-Fonds.
  • 0

DüsseldorfWas Facebook-Chef Mark Zuckerberg kann, das können gerade deutsche Mittelständler schon lange: Sie spenden für den guten Zweck. Und das im großen Stil. Rund 100 Milliarden Euro betrug das Gesamtvermögen rechtsfähiger deutscher Stiftungen Ende 2014 – das ist mehr als doppelt so viel wie das Aktienpaket, das der Facebook-Boss bis zu seinem Lebensende zu guten Zwecken unter die Weltbevölkerung bringen will.

„Vor allem unter den deutschen Firmenchefs gibt es immer mehr Macher, die der Gesellschaft, der Wissenschaft oder der Umwelt Gutes tun wollen, aber auch Bosse, die über eine Stiftungslösung die Zukunft der eigenen Firma dauerhaft absichern möchten“, sagt Eric Hiedemann, Rechtsanwalt und zertifizierter Stiftungsberater.

Insgesamt 583 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts sind in Deutschland 2015 neu dazugekommen. Damit stieg die Zahl der Stiftungen hierzulande bis Ende 2015 auf exakt 21.301 – das sind doppelt so viele wie noch vor 15 Jahren. „Jede Woche gibt es elf neue Stiftungen“, rechnet Michael Göring vor, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Doch dem Dachverband bereitet, bei aller Freude über den positiven Gründungstrend, eine Entwicklung zunehmend Sorge: die niedrigen Zinsen auf den Kapitalmärkten. Auch Christoph Beuter, Leiter Stiftungsmanagement bei der DZ Privatbank, schlägt Alarm. Angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank könnten sich viele Stiftungen, die größtenteils von ihren Erträgen leben, ein „Weiter so wie bisher“ nicht leisten.

Die traditionelle Ewigkeitsstiftung, die vorrangig mit ihren Zinserträgen Gutes tut für Mensch, Tier oder Umwelt, bekommt mehr und mehr Probleme, da Bundesanleihen und Co. nur noch minimale Erträge abwerfen und unter Berücksichtigung der Inflation sogar an Wert verlieren. Doch was tun? Das Gegenstück zur Ewigkeitsstiftung ist die sogenannte Verbrauchsstiftung. Sie löst sich mit zunehmender Projektdauer quasi selbst ab, weil das Kapital komplett aufgezehrt wird. Doch genau das wünschen sich die wenigsten Stifter. Schließlich wollen sie mit ihrer Stiftung etwas für die Ewigkeit schaffen.

In dieser Gemengelage wird die Hybridstiftung – auch bekannt als Teilverbrauchsstiftung – stetig beliebter. Diese Stiftung ist grundsätzlich auf unbestimmte Dauer errichtet – allerdings darf sie einen Teil ihres Vermögens für die Zweckverwirklichung verbrauchen. Sie vereint damit das Beste beider Stiftungswelten aus Ewigkeits- und Verbrauchsstiftung in sich und ist – je nach Zinssituation an den Kapitalmärkten – weit flexibler.

„Ein entscheidender Vorteil liegt in der Erweiterung der Zuwendungsoptionen: Der Zustifter oder Spender kann seine Zuwendung dem Grundstockvermögen, dem Verbrauchsvermögen oder als Spende der eher kurzfristigen Verwendung widmen“, sagt Beuter. Vorteil der Hybridstiftung gegenüber der reinen Verbrauchsstiftung ist, dass neben dem allgemeinen Spendenabzug nach Paragraf 10b Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes (EStG) auch der erhöhte Abzug für sogenannte Vermögensstockspenden nach Paragraf 10b Absatz 1a EStG möglich ist – in der Praxis ist das besonders relevant bei der Einwerbung größerer Zuwendungen.

Seite 1:

Spenden für den guten Zweck liegt im Trend

Seite 2:

Die Hybridstiftung

Kommentare zu " Stiftungen: Spenden für den guten Zweck liegt im Trend"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%