Studie Mittelständische Industrie ist bereit für Finanzierung 4.0

Die intelligente Produktion wird nicht nur die Geschäftsprozesse in den Unternehmen umkrempeln, sondern auch die Finanzierung im Mittelstand verändern. Wer Daten rausgibt, könnte künftig schneller einen Kredit bekommen.
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Eines Tages könnten Unternehmen ihre Echtzeit-Daten aus der Produktion gegenüber Kreditgebern ähnlich selbstverständlich vorlegen wie ihre Umsatz- und Erlösplanungen. Quelle: dpa
Industrie 4.0 ändert auch die Finanzierung

Eines Tages könnten Unternehmen ihre Echtzeit-Daten aus der Produktion gegenüber Kreditgebern ähnlich selbstverständlich vorlegen wie ihre Umsatz- und Erlösplanungen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfNeun von zehn mittelständischen Industriebetrieben würden Kreditgebern Echtzeit-Daten aus ihrer Produktion zur Verfügung stellen, um sie entweder von einer Investition zu überzeugen oder damit sie die Performance einer bereits finanzierten Anlage während der Kreditlaufzeit überprüfen können. Die Unternehmen erhoffen sich von dieser „Finanzierung 4.0“ vor allem schnellere Kreditentscheidungen, weniger Bürokratie und flexiblere Laufzeiten. Das sind Ergebnisse der Studie „Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0“. Der digitale Kreditmarktplatz „Creditshelf“ hat dafür zusammen mit der TU Darmstadt kürzlich 187 Vorstände und Geschäftsführer befragt.

Das Internet der Dinge krempelt die Geschäftsprozesse in den Unternehmen um: Basiert es doch auf Echtzeit-Daten, beispielsweise geliefert von Sensoren in Anlagen, Maschinen und Geräten. Aus ihnen geht jederzeit hervor, wie stark die Apparate ausgelastet sowie welche Aufträge eingegangen sind, was im Lager liegt und welche Materialien automatisch nachbestellt wurden. 77 Prozent der deutschen Industriebetriebe erfassen bereits Echtzeit-Daten, um sie im Sinne einer Industrie 4.0 zu nutzen. Das geht ebenfalls aus der Studie hervor.

Darauf sollten Gründer achten
Money, money, money
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Egal, wie gut eine Geschäftsidee ist – ohne Kapital lässt sich kein eigenes Unternehmen auf die Beine stellen. Wird hier nicht gut und richtig geplant, droht das Scheitern. Noch immer zählt eine mangelnde Finanzplanung zu den häufigsten Gründen für eine gescheiterte Gründung. Wir zeigen, worauf Sie achten sollten, wenn Sie sich für eine Start-up-Finanzierung mit Fördermitteln entscheiden sollten.

Förderprogramme
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Um Existenzgründern und Unternehmen die Finanzierung ihres Vorhabens zu erleichtern, stellen Bund und Länder Förderprogramme zur Verfügung. In der Regel handelt es sich dabei um Darlehen mit günstigen Konditionen, die bei der Bank oder Sparkasse des Gründers beziehungsweise Unternehmers beantragt werden. Was neben der Frage der Konditionen noch berücksichtigt werden sollte, erklärt das Existenzgründerportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) in wenigen Punkten.

Antragstellung
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So rät das BMWi ganz klar, den Antrag auf Fördermittel immer vor Beginn des Vorhabens – beziehungsweise bevor investiert wird – zu stellen. „Investieren Sie erst, wenn Ihnen die schriftliche Bewilligung der Fördermittel vorliegt.“

Mit der Hausbank klären....
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Angehende Existenzgründer sollten zunächst mit ihrer Hausbank folgende Punkte abklären:

- ob Ihre Branche gefördert wird
- ob Sie mit den Fördermitteln unter Umständen auch gebrauchte Investitionsgüter, Gegenstände und Waren anschaffen dürfen
- ob Sie für nicht abgerufene Mittel Bereitstellungsprovision zahlen müssen.

Das Kleingedruckte besprechen
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Ebenfalls mit der Hausbank abzuklären ist...
- innerhalb welcher Frist Sie die Fördermittel einsetzen müssen und ob Verzugszinsen anfallen, wenn Sie die Frist nicht einhalten
- wie Sie den Einsatz der Fördermittel nachweisen müssen
- ob Sie die Mittel auch außerplanmäßig zurückzahlen können und ob damit eine Vorfälligkeitsentschädigung verbunden ist.

Unbedingt melden!
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Setzen Sie sich auf jeden Fall mit dem Kundenberater Ihrer Hausbank in Verbindung, wenn...
- sich Ihr Investitionsvorhaben oder Ihr Finanzierungsplan ändert
- sich die Gesellschafterstruktur oder Geschäftsführung Ihres Unternehmens ändert
- Sie die Mittel nicht fristgerecht abrufen oder einsetzen können, gegebenenfalls können Sie eine Verlängerung der Abruf- beziehungsweise der Einsatzfrist beantragen (anderenfalls müssen Sie eventuell Verzugszinsen entrichten).

Geben Sie auch Bescheid, wenn Sie...
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- ... Zinsen und Tilgung nicht rechtzeitig zahlen können, gegebenenfalls kann eine Stundung beantragt werden
- ... außerplanmäßig tilgen möchten (eventuell müssen Sie eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen).

Aber die intelligente Produktion hat noch mehr Potenzial: Sie wird auch die Finanzierung im Mittelstand verändern. So wären 85 Prozent aller befragten Finanzentscheider prinzipiell dazu bereit, ihren Kreditgebern Echtzeit-Daten zur Verfügung zu stellen, um sie von einer Investition zu überzeugen oder damit sie die Leistungen einer finanzierten Anlage beziehungsweise Maschine während der Kreditlaufzeit überprüfen können. Das gilt auch für diejenigen Mittelständler, die diese Daten bislang nicht erheben.

„Die Industrie 4.0 wird eine Finanzierung 4.0 nach sich ziehen - eines Tages werden viele Unternehmen ihre Echtzeit-Daten aus der Produktion gegenüber Kreditgebern ähnlich selbstverständlich vorlegen wie ihre Umsatz- und Erlösplanungen. Und die aktuelle Studie belegt, dass die mittelständische Industrie bereits heute mehrheitlich dazu bereit ist“, erläutert Dirk Schiereck von der TU Darmstadt, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Mit 59 Prozent erhoffen sich nahezu sechs von zehn Betrieben durch eine Weitergabe ihrer Industrie-4.0-Daten schnellere Kreditentscheidungen.“ Weitere 56 Prozent würden einem Einblick in ihre Echtzeit-Daten gewähren, um den bürokratischen Aufwand bei der Kreditvergabe zu senken, 53 Prozent versprechen sich davon flexiblere Laufzeiten und etwa jeder zweite einen niedrigeren Zinssatz. Weitere Argumente für das Vorlegen der Daten sind die Hoffnung auf eine flexiblere Kreditsumme (46 Prozent) sowie den Verzicht auf dingliche Sicherheiten (35 Prozent).

Worauf Unternehmen bei der Crowdfinanzierung achten sollten
Was ist Crowdinvesting überhaupt?
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Crowdinvesting ist eine Form der Schwarmfinanzierung. Dabei beteiligt sich eine Vielzahl von (Klein-)Anlegern mit Kapital an einem (Immobilien-)Projekt. Sie unterstützen damit die jeweiligen Projektentwickler. Zum Beispiel geben Kleinanleger ein Darlehen über mindestens 250 Euro zum Neubau oder zur Modernisierung von Gebäuden und füllen damit die Finanzierungslücke des Entwicklers zwischen Eigenkapital und Bankdarlehen, das normalerweise 80 Prozent des Projektvolumens beträgt. Der Bauträger gibt fünf bis zehn Prozent dazu und die Kleinanleger dann den Restbetrag.

Und wenn es schief geht?
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Auf den Plattformen wird dieses Kapital in Form von Nachrangdarlehen gewährt. Nach erfolgreichem Abschluss des Projektes und nach Ablauf einer im Vorfeld festgelegten Laufzeit erhalten die Anleger ihr investiertes Kapital zurück, plus der vertraglich vereinbarten Zinsen abhängig vom Projekterfolg. Sollte das Projekt schiefgehen, bekommt allerdings zuerst die Bank ihr Geld zurück - der Crowd-Anleger muss nehmen, was übrig bleibt.

Geldregen
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Für Crowd-Anleger wären daher eigentlich Bestandsimmobilien besser geeignet als Neubauprojekte, weil diese mehr Sicherheit bieten. Doch selten wird zur Finanzierung von vorhandenen Objekten hochverzinsliches nachrangiges Kapital benötigt.

Noch keine Verluste
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Bis jetzt haben die Immobilien-Schwarmfinanzierer noch keine Verluste zu beklagen. "Wir haben bisher von den Verbraucherzentralen noch keine Beschwerden über Immobilien-Crowd-Investinganbieter erhalten. Doch die können kommen. Die Branche ist ja noch jung", sagte Verbraucherschützer Wolf Brandes, der den grauen Kapitalmarkt beobachtet, kürzlich im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Geld ist kann schnell weg sein...
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Michael Ullmann, mit seiner Plattform Kapitalfreunde einer der Pioniere des Immobilien-Crowdfunding in Deutschland, formulierte es drastisch: "Wir werden auch auf diesem Markt einen Fall Prokon oder eine Wölbern erleben." Mit beiden Gesellschaften verloren Anleger Millionen. Und auf was müssen Unternehmen achten, die Geld über die Crowd einsammeln möchten?

Checkliste zur Finanzierung über den Schwarm
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Eignet sich das Portal für meine Zielgruppe? Welche Gebühren und sonstigen Kosten entstehen bei der Finanzierung? Welche Finanzierungen hat die Plattform bereits platziert? Garantiert die Plattform, dass die Fundingsumme zustande kommt? Wer kümmert sich um Betreuung, Verwaltung und Abrechnung der Anleger? Die wichtigsten Anbieter im Überblick.

Exporo
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Zielgruppe: Immobilienunternehmen und -projektentwickler mit Vorhaben im Neubau- oder Bestandsbereich
Volumina: bis zu 2,5 Millionen Euro
Gebühren: zwischen drei und acht Prozent der Darlehenssumme
Laufzeiten: ein bis drei Jahre, in Ausnahmen länger
(Im Bild: Tim Bütecke, Dr. Björn Maronde, Simon Brunke und Julian Oertzen haben die Crowdinvesting-Plattform Exporo 2014 gegründet)

Bei dem - relativ geringen - Anteil an Befragten, die ihre Echtzeit-Daten nicht an den Kreditgeber weiterreichen würden, dominieren die Angst vor Industriespionage (57 Prozent) und das geringe Vertrauen in die Datensicherheit der Hausbank (46 Prozent). „Die Produktion der Zukunft basiert auf Echtzeit-Daten, und diese bilden zugleich die Säule der Finanzierung 4.0“, sagt Tim Thabe, Gründungspartner und Vorsitzender der Geschäftsführung von „Creditshelf“. „Die Hausbanken verkörpern für viele Industriebetriebe aber noch immer die alte analoge Welt. Der bevorstehende Einzug der Industrie-4.0-Daten in den Kreditvergabeprozess birgt deshalb Chancen für Anbieter aus der neuen Fintech-Welt, die mit einer hohen Kompetenz sowohl bei der Datensicherheit als auch bei der Bewertung digitaler Projekte punkten können.“

Über die Studie

Die Studie „Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0“ beruht auf einer Befragung des digitalen Kreditmarktplatzes „Creditshelf“ im Juli 2017. Insgesamt nahmen 187 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrieunternehmen (Vorstände, Geschäftsführer und Mitglieder der Geschäftsleitung) an der Online-Erhebung durch ein Marktforschungsinstitut teil. Die Studie wurde wissenschaftlich begleitet von Dirk Schiereck, Leiter des Fachbereichs Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt.

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