Virtuelle Währungen
Wagnisfinanzierung 3.0

Keiner weiß genau, was ein ICO ist. Trotzdem stecken Investoren damit Millionen in virtuelle Währungen. Sie sind die nächste Generation der Wagnisfinanzierung vor allem für junge Tech-Firmen.
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New YorkEine neue Anlegerwelt tut sich auf. Ihr Name: ICO - Initial Coin Offering. Die eigentliche Idee ist bekannt. In der analogen Welt heißt sie Wagnisfinanzierung, in der digitalen Welt kennt man sie als Crowdfunding. In beiden Fällen suchen - und finden - junge Start-up-Unternehmen Investoren, die mit ihrem Kapital innovativen Geschäftsmodellen den nötigen finanziellen Schub geben.

ICOs läuten nun die nächste Generation der Wagnisfinanzierung vor allem für junge Tech-Firmen ein. Nach einer Aufstellung der Beratungsfirma CB Insights haben Unternehmensgründer mit Technologiefokus im ersten Quartal 2017 insgesamt 69 Millionen Dollar mit Hilfe sogenannter ICOs eingesammelt. Klassische Wagnisfinanzierungen summierten sich auf 118 Millionen Dollar. Das Novum: Das Kapital wird in digitalen Währungen bereitgestellt - zum Beispiel in Bitcoins, der bekanntesten Kryptowährung. Und das Volumen des in Cyberdevisen eingesammelten Kapitals steigt weiter. Weil Bitcoins und andere virtuelle Währungen täglich an Wert gewinnen - in der vergangenen Woche überstieg der Bitcoin- Kurs sogar die Marke von 2 700 Dollar - , überschlägt sich die Gier der Investoren wie auch derer, die ihr Geld wollen.

Bei ICOs stecken die Anleger ihr Geld in Projekte, die auf der Blockchain-Technologie basieren. Sie ist bekannt als das Verfahren, mit dem digitale Geldmünzen produziert werden. Tech-Unternehmen suchen aber auch nach weiteren Blockchain-Anwendungen, etwa dem direkten und sicheren Geldtransfer via Internet. Investoren, die an die Zukunft dieser Technologie glauben und den Start-ups Kapital via ICOs zur Verfügung stellen, bekommen im Gegenzug aber kein Geld, sondern irgendeine Art von Gegenleistung. Zum Beispiel einen Anteil an künftigen Erträgen oder Dienstleistungen, bei Software-Plattformen häufig auch das Recht zur Nutzung des Service.

Das Problem: Niemand weiß genau, was ein ICO rechtlich gesehen ist. Eine Art Börsengang? Jedenfalls ist die Abkürzung parallel zu IPO gebildet, wie der Börsengang auf Englisch heißt. Davon will Peter Van Valkenburgh, Forschungsleiter bei Coincenter, einer nicht kommerziellen Organisation, die sich mit virtuellen Währungen beschäftigt, nichts wissen. Bei ICOs handele es sich nicht um Investitionen, sondern um den Erwerb einer Ware. Thomas Linder von der Beratung MME im Schweizer Niedrigsteuer-Kanton Zug sieht Ähnlichkeiten zu Schenkungen, wenn gar keine festen Gegenleistungen vereinbart sind. "Das ist doch alles Unsinn", sagt hingegen Preston Byrne von der Blockchain-Plattform Monax. Für ihn sind ICOs ganz klar Investitionen.

Dies würde allerdings wohl die Wertpapieraufsicht auf den Plan rufen und Strafen nach sich ziehen, wenn der ICO als ungenehmigtes Wertpapierangebot eingestuft wird. Experten raten Investoren ohnehin zur Vorsicht. "Da sind mit Sicherheit eine Menge Betrüger unterwegs, die noch niemand entlarvt hat", sagt etwa Riccardo Spagni, Entwickler der virtuellen Währung Monero.

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