Windmühlen-Leasing
Die Energiewende soll das Geschäft anheizen

Die Finanzkrise hat auch Leasingunternehmen getroffen, das Vorkrisenniveau ist noch ein gutes Stück entfernt. Was die Branche jetzt dringend braucht, sind neue Wachstumsimpulse. Die Hoffnung ruht auf der Energiewende.
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FrankfurtDie Energiewende in Deutschland macht nicht nur Betreibern von Windkrafträdern Hoffnung auf große Geschäfte und lässt Profianleger von hohen Renditen träumen. Sie weckt auch Begehrlichkeiten bei der deutschen Leasingbranche. Sie hofft ebenfalls auf zusätzliches Geschäft durch mehr Investitionen in erneuerbare Energien — und ist überzeugt, dass es ohne die Leasingfirmen gar nicht geht.

"Die Energiewende wird enorme Investitionen nach sich ziehen, diese werden ohne die Unterstützung der Leasing-Wirtschaft nicht zu stemmen sein", sagt Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL).

Leasing ist für Unternehmen eine Alternative zum klassischen Kredit. Dabei finanzieren und erwerben Leasinggesellschaften Autos, Maschinen oder sonstige Firmenausrüstung. Der Kunde zahlt ein Leasingentgelt und kann die Objekte nutzen. Das häufigste Leasingobjekt sind Fahrzeuge. Viele Unternehmen halten ihren Fuhrpark nicht selbst, sondern leasen ihn.

Laut BDL wurden zuletzt gut die Hälfte aller außenfinanzierten Investitionen und mehr als ein Fünftel der gesamtwirtschaftlichen Ausrüstungsinvestitionen über Leasing finanziert — darunter auch in der Energiewirtschaft.

Die große Nachfrage nach Photovoltaikanlagen in den vergangenen Jahren spiegelt sich auch in den Leasing-Investitionen wider, so Fittler. Die Branche sei unter anderem beim Austausch von alten gegen leistungsfähigere Anlagen aktiv. Der BDL-Geschäftsführer erwartet, dass unter diesem Aspekt zunehmend auch der Bereich der Windkraftanlagen für die Leasingunternehmen interessant wird.

Michael Henneberger von der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) weist darauf hin, dass Leasinggesellschaften gleichwohl in der Vergangenheit früh in neue Technologien investiert hätten. Allerdings müssten die Firmen noch Erfahrungen mit der technologischen Weiterentwicklung und der Wertstabilität von Anlagen aus diesem Sektor sammeln.

Auch der Branchenführer Deutsche Leasing, der zur Sparkassengruppe gehört, zeigt sich zuversichtlich. Leasinggesellschaften würden schon seit längerem von der Energiewende profitieren, sagt Unternehmenschef Kai Ostermann. "Die Energiewende bringt eine Abkehr von der zentralen Energieerzeugung hin zur dezentralen mit sich. Damit sind Investitionen verstärkt regional erforderlich." Die Deutsche Leasing könne dabei Investitionen gemeinsam mit den örtlichen Sparkassen realisieren.

Einen Schub durch die Energiewende kann die Branche gut gebrauchen: Die Finanzkrise hat auch Leasingunternehmen getroffen. Das Geschäft kommt nach dem Einbruch im Jahr 2008 nur langsam wieder in Gang. Im vergangenen Jahr lagen die Leasinginvestitionen bei 49,3 Milliarden Euro und damit nur wenig über dem Volumen von 2011. 2007 waren es noch fast 55 Milliarden Euro. "Insgesamt sind die Aussichten für 2013 verhalten", sagt PwC-Experte Henneberger.

Der Grund: "Die Investitionsabsichten der Unternehmen sind derzeit zurückhaltend", erklärt Fittler. Die Leasingfirmen aber hängen direkt von der Investitionsneigung der hiesigen Wirtschaft ab, vor allem von der Situation des Mittelstands. Zudem würde der Rückgang des Automarktes in Deutschland die Leasingbranche treffen, sagt Henneberger.

Doch nicht nur wegen der Konjunktur sind die Leasing-Anbieter besorgt. Strengere Regeln machen ihnen zu schaffen. Die Herausforderungen kämen vor allem durch neue Anforderungen der Finanzmarktaufsicht, so Fittler. Gerade für kleine und mittelständische Gesellschaften würde dies zu einer enormen Kostenbelastung.

Laut BDL hat mehr als die Hälfte der Mitgliedsunternehmen weniger als 15 Mitarbeiter, rund drei Viertel haben weniger als 50 Beschäftigte. Unter anderem geht es darum, dass die Leasingfirmen mehr Risikomanagement betreiben müssen. Die Folge: Ein Konsolidierungsprozess finde seit einigen Jahren statt und sei auch noch nicht abgeschlossen, sagt Fittler.

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