Working Capital
Mittelständler nutzen ihre liquiden Reserven nicht aus

Deutsche Firmen gelten zwar als besonders innovativ, doch beim Finanzieren verlassen sie ungern vertraute Pfade. Sie binden zu viel Kapital im Umlaufvermögen – Geld, das sie für Wachstum und Investitionen brauchten.
  • 2

DüsseldorfDeutsche Mittelständler gelten als besonders innovativ, wenn es um Produkte und Dienstleistungen geht. Beim Thema Finanzierung verlassen sie jedoch nur ungern vertraute Pfade. Das gilt auch für das Kapital, das Unternehmen im Umlaufvermögen binden. Unnötig viel Geld wird in diesem Teil des Betriebsvermögens gebunden.

Weltweit, das hat eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC gezeigt, könnten Unternehmen insgesamt 1,4 Billionen Euro freisetzen, wenn sie ihr Working Capital optimieren würden. Allein in Europa sind es 441 Milliarden Euro, die Unternehmen anders nutzen könnten - etwa für ihr Wachstum.

Das gilt ganz besonders für den Mittelstand: „Zwar spielt für deutsche Unternehmen die Innenfinanzierung eine entscheidende Rolle, doch haben sie das Thema Working Capital häufig nicht auf dem Radar“, sagt Joachim Englert, Finanzierungsexperte bei PwC. Generell spielt Working Capital nicht die Rolle wie in den USA oder in Großbritannien. Deutsche Unternehmen sind zwar bekannt für ihre gute Zahlungsmoral, räumen aber ihren Kunden lange Fristen ein. Im Durchschnitt dauert es in den USA nur 39 Tage, bis eine Rechnung bezahlt wird, in Deutschland dagegen 46 Tage. Unterm Strich haben Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum die höchste Working-Capital-Quote in Europa.

Zwar haben europäische Unternehmen ihre Kapitalbildung im Umlaufvermögen seit dem Jahr 2009 im Schnitt von 47 auf rund 41 Tage reduziert, doch der Konkurrenz in Asien und USA hinken sie noch immer hinterher. Ein wichtiger Grund ist die teure Lagerhaltung: „Oft fehlt es an einer optimalen Verknüpfung der Lagerhaltung mit der Produktion“, wie Englert betont. Häufig dauert es auch zu lange, bis Unternehmen Rechnungen oder Mahnungen verschicken. Eine Alternative ist Factoring, das derzeit stark wächst.

Seite 1:

Mittelständler nutzen ihre liquiden Reserven nicht aus

Seite 2:

Mit Finetrading das Kapital klein halten

Kommentare zu " Working Capital: Mittelständler nutzen ihre liquiden Reserven nicht aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Peter Peterson

    Die Arbeitsteilung sieht so aus:

    Der Ingenieur entwickelt das Produkt.
    Der BWLer steuert die Produktion und den Vertrieb.
    Der Bankster will maximal viel teuren Kredit vergeben wenn es dem Unternehmen gut geht und fordert möglichst alles sofort zurück wenn es dem Unternehmen schlecht geht.
    Der Unternehmensberater überzeugt das Unternehmen von kurzfristigen Gewinnsteigerungspotentialen indem etwas reduziert wird. Meistens Personal.

    Sie sollten Ihre Kritik also weniger an ein Studienfach/Ausbildung binden sondern eher auf das Handeln von Akteuren.

    Unternehmensberater sind nicht automatisch BWLer. Was Sie wissen würden wenn Sie ein paar Jahrzehnte mit diesen zu tun gehabt hätten!

  • Nichts kann eine Firma so schnell gegen die Wand fahren wie ein BWLer der mit Powerpoint und Excel die Chefs dusselig redetet. Von Praxis in der Produktion keine Ahnung, nicht mal wissen was die Firma Produziert, aber auf dem Papier alles optimieren. Über 100% Eigenkapital mit fetten Rücklagen, ist nicht Steuer und Gewinn optimiert, aber gibt den Firmen die Möglichkeit in Ruhe ihren Job zu machen. Aber lieber auf BWLer art mit 25% eigenkapietal eine Firma kaufen und die 75% an Fremdkapital durch Sparprogramme aus der gekauften Firma quetschen, die dann nach ein paar Jahren und den geschönten Zahlen erst verkauft wird und dann den bach runter geht

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%