Air Berlin gegen Aeroground Ausfälle und Gepäckchaos verursachen Millionen-Kosten

Stundenlange Verspätungen und fehlende Koffer: Das Chaos bei Air Berlin kommt die Krisen-Airline teuer zu stehen. Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann gelobt Besserung – und teilt gegen einen Dienstleister kräftig aus.
Update: 07.07.2017 - 16:47 Uhr Kommentieren
Der Dienstleister Aeroground befördert das Gepäck für Air Berlin. Quelle: Reuters
Air Berlin

Der Dienstleister Aeroground befördert das Gepäck für Air Berlin.

(Foto: Reuters)

BerlinFür Flugausfälle und Verspätungen will Air Berlin „deutlich mehr als zehn Millionen Euro“ Schadenersatz an ihre Kunden leisten. „Wir legen Sonderschichten ein, um die Gelder auszuzahlen“, sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann der „Rheinischen Post“ (Freitag). Seit dem Wechsel auf einen neuen Flugplan Ende März gibt es zahlreiche Verspätungen und Flugausfälle bei der hoch verschuldeten Fluggesellschaft.

Seit Ende März kümmert sich auch ein anderer Dienstleister, Aeroground, um das Gepäck der Air-Berlin-Passagiere in Berlin-Tegel. Vor allem im April und Mai blieben viele Koffer von Umsteigern in Berlin liegen oder die Fluggäste mussten lange am Gepäckband warten. Aeroground und die Fluggesellschaft streiten seit Wochen darüber, wer dafür die Verantwortung trägt. Beide Partner räumen eigene Versäumnisse ein, geben aber dem jeweils anderen die Hauptschuld an dem Gepäckchaos.

Das sind die sichersten Airlines der Welt
Platz 20: Air Berlin (Deutschland)
1 von 20

Die zweitgrößte Airline Deutschlands hat sich in puncto Sicherheit nichts vorzuwerfen, da es seit ihrer Gründung bisher weder einen tödlichen Unfall noch einen Flugzeugverlust gab. Allerdings kam es in den vergangenen Jahren zu mehreren kritischen Zwischenfällen. Für die Top 15 hat es daher mit dem Index 0,025 nicht gereicht.

Einmal im Jahr stellt das Flugunfallbüro Jacdec für das Fachmagazin „Aero International“ ein Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften auf. Die Sicherheit berechnet sich nach der Anzahl der Ausfälle pro Flugkilometer, gewichtet um die Schwere des Unfalls und einen Landesfaktor. Da alle Unfälle der vergangenen 30 Jahre zeitlich gewichtet in die Statistik eingehen, schneiden viele Airlines wegen schwerer Unglücke in der Vergangenheit schlecht ab.

Platz 19: Sichuan Airlines (China)
2 von 20

Die chinesische Fluggesellschaft wurde 1986 gegründet, die Flotte besteht mittlerweile aus 106 Flugzeugen und bedient vor allem Ziele im asiatischen Raum. Größere Unglücke sind bislang ausgeblieben. Mit einem Index von 0,025 schafft es die Airline in die Top 20.

Platz 18: British Airways (Großbritannien)
3 von 20

Mit einem Index von 0,020 landet die Fluggesellschaft immerhin in den Top 20. Dabei kommt es bei den Fliegern immer wieder zu Zwischenfällen. So waren jüngst in einem Superjumbo auf dem Weg von San Francisco nach London offenbar giftige Gase ausgetreten. Die Maschine wurde nach Vancouver umgeleitet, konnte ihren Flug aber anschließend fortsetzen.

Platz 17: Delta Airlines (USA)
4 von 20

Delta gehört zu den größten Fluggesellschaften der Welt. Den letzten Zwischenfall gab es im März 2015, als eine Maschine bei der Landung in New York von der Landebahn rutschte und gegen einen Erdwall prallte. Dabei wurden 23 Passagiere leicht verletzt. Mit einem Index von 0,018 landet Delta Air Lines dennoch in den Top 20.

Platz 16: Air Canada (Kanada)
5 von 20

Die kanadische Fluggesellschaft landet mit einem Index von 0,018 auf dem 16. Rang. Zuletzt kam es im März 2015 zu einem Zwischenfall bei schlechtem Wetter: Ein Airbus setzte beim Flug von Toronto nach Halifax bei der Landung vor der Landebahn auf. Insgesamt 23 Insassen wurden verletzt.

Platz 15: All Nippon Airways (Japan)
6 von 20

Auf Rang 15 der sichersten Fluggesellschaften steht All Nippon Airways. Im Jahr 2013 hatte ANA von Air Transport World (ATW) den Preis „Airline of the Year 2013“ erhalten. Nach Triebwerksproblemen im selben Jahr rutschte die Airline vom Spitzenplatz aus der Top Ten. ANA erreicht den Wert von 0,018 – das macht Platz 15.

Platz 14: Virgin Atlantic Airways (Großbritannien)
7 von 20

Die Flotte der Virgin Atlantic besteht aus 38 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 8,4 Jahren. Jährlich befördert die Airline 5,3 Millionen Passagiere – bisher ohne jeden Absturz. Der Index liegt aktuell bei 0,017.

Winkelmann sagte, Air Berlin habe ihre Verspätungskrise seit Anfang Juni überwunden. In Tegel habe es aber am vergangenen Samstag mit der Streichung von 16 Flügen einen „schlimmen Rückfall“ gegeben. Da hätten „mehr als die Hälfte der 20 Abfertigungsmanager“ von Aeroground gefehlt. Von der Aeroground-Mutter, dem Flughafen München, verlange man jetzt Schadenersatz in Millionenhöhe. „Den Mitarbeitern der Aeroground gehört mein Respekt. Sie geben alles, aber es ist unerträglich, wie unprofessionell Aeroground aufgebaut und gemanagt wurde“, kritisierte Winkelmann.
Aeroground reagierte darauf mit dem Angebot, die Zusammenarbeit mit Air Berlin vorzeitig zu beenden. Wenn Air Berlin das wolle, sei man zu einem Ausstieg aus dem Anfang März geschlossenen Vertrag bereit, hieß es am Freitag in Unternehmenskreisen. Dies sei Air Berlin schriftlich mitgeteilt worden.
Aeroground hält den im März verdichteten Flugplan von Air Berlin mit unrealistisch kurzen Umsteigezeiten, einer mangelhaften Steuerung des Flugbetriebs, fehlenden Ansprechpartnern bei der Airline und zu wenig Platz in Tegel für die Hauptgründe für die großen Schwierigkeiten bei der Gepäckbeförderung. Nach wie vor gebe es „Unregelmäßigkeiten“ im Flugbetrieb, auch wenn es „etwas besser geworden“ sei, hieß es bei Aeroground.

Air Berlin will trotz allem mit Aeroground weitermachen. „Wir erwarten, dass unser Dienstleister seine Probleme nun endlich professionell angeht und die vertraglich zugesicherten Leistungen erbringt“, sagte Unternehmenssprecher Ralf Kunkel. Air Berlin habe in Tegel ihre Hausaufgaben gemacht. „Wir haben über 800 Personen eingestellt. Wir haben den dichten Tegel-Flugplan entzerrt und bereinigt.“
Um die Fluggesellschaft sanieren zu können, verlangte Winkelmann Zugeständnisse von der Belegschaft und dem Geschäftspartner Tui. „Wir müssen mit der Tui über den Vertrag reden, der 2009 über die Überlassung von 14 Maschinen abgeschlossen wurde. Der ist viel zu teuer und ein Mühlstein am Hals der Air Berlin. Das wird Tui nicht gern hören, aber da müssen wir ran.“ Mit den Gewerkschaften Verdi und Vereinigung Cockpit wolle er darüber sprechen, wie die Produktivität verbessert werden könne.

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