Branchenstudie
Fünf Szenarien für die Zukunft der Logistik

Die Logistikindustrie steht vor einer großen Zukunft, aber ebenso großen Herausforderungen. Vor allem, was stabile, sichere und umweltschonende Lieferketten anbelangt. Das zeigt eine Studie der Deutschen Post DHL.
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BerlinFrische Rosen aus Kenia, Strickwesten aus Bangladesch, Chardonnay aus Chile – der Globalisierung sei Dank, wächst das weltweite Handelsvolumen derzeit mit jährlichen Raten von 6,5 bis acht Prozent. Konzerne wie UPS, DHL oder Kühne + Nagel,  die den Transport zwischen Herstellern und Endkunden organisieren,  können sich seit dem Ende der Wirtschaftskrise vor Aufträgen kaum retten. „Der Welthandel“, berichtet Post-Finanzvorstand Larry Rosen, „wächst derzeit zweieinhalbmal so stark wie das internationale Bruttoinlandsprodukt.“

Doch wie lange noch? Und was kommt danach? Egal, wie die Welt in 40 Jahren aussehen wird, eines scheint klar: die Logistikbranche wird brummen. Auf diesen Nenner lässt sich die Zukunftsstudie „Delivering Tomorrow: Logistik 2050“ bringen, die die Deutsche Post DHL soeben vorgestellt hat. „Wir sind das Rückgrat der Welt. Ohne Logistik funktioniert der Planet nicht“, sagte Frank Appel, Vorstandsvorsitzender Deutsche Post DHL, bei der Präsentation in Berlin.

Doch der Blick in die Zukunft über einen derart langen Zeitraum ist nicht ganz leicht. Deshalb haben die Forscher fünf wahrscheinliche Szenarien entwickelt. Appel hält nur diesen Weg für gangbar, um eine Idee von künftigen Herausforderungen zu bekommen, da kurzfristige Vorhersagen in einer volatilen Welt kaum brauchbar seien: „Ein gestiegener Grad an Unsicherheit gehört heute zu unserem Leben. Daher ist es wichtiger denn je, auf das Unvorhersehbare vorbereitet zu sein und in Alternativen zu denken.“

Eine dieser „Alternativen“ ist Szenario Nummer eins: Zügelloses Wachstum, durch das ein Kollaps der Umwelt droht. Danach konsumiert die Welt ungehemmt weiter, wovon die Logistik stark profitiert. Zumindest so lange, bis Ressourcen schwinden, sich Naturkatastrophen häufen und es damit immer häufiger zu Lieferunterbrechungen kommt.

Im zweiten Szenario dominieren hocheffiziente Megastädte als Treiber und Gewinner des „grünen Wachstums“. Produkte werden eher gemietet als gekauft, Verkehr und Logistik sind auf Effizienz getrimmt. Die Logistikindustrie steuert die städtische Versorgung und erbringt sogar Systemleistungen für Flughäfen, Krankenhäuser und Einkaufszentren.

Das dritte Szenario beherrschen individualisierte Lebensstile. Konsumenten erfinden, gestalten und produzieren ihre Produkte unter anderem dank 3D-Druckern weitgehend selbst. „Diese Entwicklung führt zu einem Anstieg der regionalen Handelsströme – nur Rohstoffe und Daten gehen weiter um die Welt“, heißt es in der Studie. Zwar führt dies zu drastisch weniger Ferntransporten fertiger und halbfertiger Waren, dafür wird eine schlagkräftige lokale und regionale Logistik immer wichtiger. Außerdem kanalisieren Logistikdienstleister in diesem Szenario die Daten der Konstruktions- und Designvorlagen für 3D-Drucker.

Düsterer ist Szenario Nummer vier, das durch „lähmenden Protektionismus“ geprägt ist. Wirtschaftskrisen und Nationalismus haben die Globalisierung praktisch rückgängig gemacht. Regierungen betrachten in dieser Situation die Logistik als strategischen Wirtschaftszweig, wobei Logistikanbietern gar die Rolle als Vermittler im internationalen Handel zufalle. Appel hält dies allerdings für das unwahrscheinlichste Zukunftsbild.

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Der CO2-Ausstoß der Logistik soll rasch sinken

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