British Airways, Lufthansa, Ryanair
Brexit wirbelt die Luftfahrt-Branche durcheinander

Die Brexit-Verhandlungen haben begonnen – doch die Luftfahrt steht bislang nicht auf der Agenda. Das könnte Auswirkungen auf die Flugpläne der Airlines haben. In der Branche wächst die Angst vor einem fatalen Chaos.
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FrankfurtDer Gegensatz könnte kaum größer sein. Der Fluglinienverband-Verband Airlines for Europe (A4E) feiert in Brüssel seit einigen Tagen 25 Jahre Europäischer Luftverkehrsmarkt. „Unsere Wurzeln sind in Deutschland, aber Europa ist unsere Heimat“, lobt Carsten Spohr, Lufthansa-Chef und Chairman des Verbandes, den freien Markt in Europa. Nicht weit davon entfernt werden seit zwei Wochen die Modalitäten für den Ausstieg Großbritanniens aus der EU verhandelt - und viele Fluggesellschaften fürchten einen Rückfall in alte Zeiten mit begrenztem Marktzugang.

Die Warnungen der Branche vor den Folgen eines Brexits werden immer lauter: Ein harter Brexit mit Beginn im März 2019 würde den „Tourismus in Großbritannien stark beschädigen und Zehntausende Jobs an britischen Flughäfen gefährden“, warnte Michael O’Leary, Chef der irischen Billigfluggesellschaft Ryanair, vor wenigen Tagen.

Selbst ein sanfter Ausstieg, wie er seit der Wahlschlappe von Premierministerin Theresa May und mit der Minderheitsregierung mit der nordirischen DUP wahrscheinlicher geworden ist, nimmt den Airline-Managern nicht die Furcht. Zu groß seien die „Sorgen über die nur noch begrenzt zur Verfügung stehende Zeit für Verhandlungen“, warnt Carolyn McCall, Chefin der britischen Easyjet.

„Die Luftfahrt ist die Branche, die am härtesten von einem Brexit betroffen ist - härter noch als etwa die Finanzindustrie“, sagt Ralf Thaeter, Managing Partner bei der Sozietät Herbert Smith Freehills. Finanzinstitute könnten ihren Sitz verlagern oder eine weitere Lizenz in einem EU-Mitgliedstaat beantragen. „Bei einer Airline ist das nicht so einfach“, so Thaeter.

Tatsächlich ist die Situation prekär. Zum einen ist der Zeitdruck gewaltig. „Die Planungen für einen Winter- oder Sommerflugplan beginnen etwa zwölf bis 18 Monate vorher“, sagt Thaeter. Sprich: Airlines und Flughäfen müssten bis Weihnachten 2017 Bescheid wissen, wie es weitergeht, denn dann wird über den Sommerflugplan 2019 verhandelt, den ersten nach einem Brexit im März.

Betriebserlaubnis erlischt

Zum anderen unterliegt die Luftfahrt nicht der Welthandelsorganisation (WTO), kann sich also nicht auf deren Regelwerk berufen. Ohne gültige bilaterale Abkommen zwischen Großbritannien auf der einen und der EU beziehungsweise deren Mitgliedsländern auf der anderen Seite aber werden die Flugzeuge ab Ende März 2019 am Boden bleiben müssen.

Betroffen sind vor allem britische Fluggesellschaften. Der sogenannte "Internal Market" der EU garantiert Airlines mit Sitz in einem EU-Mitgliedstaat freien Zugang zum gesamten europäischen Markt. Bei einem Austritt Großbritanniens könnten sich Gesellschaften wie Easyjet oder IAG, die Holding von British Airways, Iberia, Vueling und Aer Lingus, nicht mehr darauf berufen und nicht mehr von Großbritannien ins restliche Europa fliegen.

Da Easyjet zudem mit einer britischen Betriebserlaubnis (AOC) arbeitet, dürfte der Billiganbieter auch keine innereuropäischen Flüge mehr anbieten. Um das wichtige Europageschäft nicht zu gefährden, will Easyjet-Chefin McCall eine weitere Betriebserlaubnis in einem EU-Land beantragen.

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