Digitalisierung in der Luftfahrt Kein Anschluss über den Wolken

Ein WLAN-Zugang im Flugzeug ist bei vielen Airlines noch die Ausnahme. Eine Studie zeigt jedoch, dass immer mehr Passagiere an Bord ins Netz wollen. Deswegen rüsten einige Fluggesellschaften jetzt auf.
  • Hannes Putfarken
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Immer mehr Passagiere wünschen sich WLAN an Bord der Flugzeuge. Quelle: Reuters
Fluggast mit Laptop

Immer mehr Passagiere wünschen sich WLAN an Bord der Flugzeuge.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfEin Flug von München nach Hamburg dauert mit dem Flugzeug in etwa eine Stunde und 20 Minuten. Von Frankfurt in die spanische Hauptstadt Madrid sind es schon gute drei Stunden. Wenn man auf einer dieser Strecken beruflich unterwegs ist, fühlt man sich oftmals in das analoge Zeitalter zurückversetzt. Denn E-Mails abrufen, den Weiterflug umbuchen oder kurzfristig das Hotel stornieren klappt nur selten bis gar nicht. WLAN in Flugzeugen gibt es für Fluggäste meistens nur auf Langstreckenflügen, erst recht nicht bei allen Airlines und wenn dann auch nur zu hohen Preisen.

Dabei ist für Passagiere die Internetverfügbarkeit an Bord schon jetzt das drittwichtigste Kriterium bei der Flugauswahl. Nur die Faktoren Preis und Flugplan sind den Passagieren zurzeit noch wichtiger. Und ganze 90 Prozent der Fluggäste würden ein entsprechendes Internetangebot dann auch nutzen. Diese Zahlen gehen aus der aktuellen Studie „Spread your wings“ der Unternehmens- und Strategieberatung Roland Berger hervor, die sich mit den Chancen einer digitalen Transformation der Luftfahrtindustrie beschäftigt.

Das Unternehmen befragte unter anderem Fluggesellschaften nach den Präferenzen ihrer Kunden und kommt in seiner Studie zu dem Ergebnis, dass die Digitalisierung der Luftfahrtindustrie noch in den Kinderschuhen steckt – das bisher ungenutzte Potenzial für die Fluggesellschaften sei riesig. So beförderten die Fluggesellschaften letztes Jahr weltweit 3,8 Milliarden Passagiere – Tendenz steigend. Davon würden zwei von drei Passagieren für einen Internetzugang auch bezahlen, das geht aus einer Umfrage von Inmarsat aus dem Jahr 2016 hervor.

Diese Airlines kassieren über Extras ab
Air Berlin (3,8 Prozent)
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Bei Air Berlin kosten unter anderem das Gepäck und mehr Beinfreiheit extra. Auch On-Board-Verkäufe und das Vielflieger-Programm brachten der Fluggesellschaft im Jahr 2015 Extraeinnahmen in Höhe von gut 156 Millionen Euro – das sind 3,8 Prozent der Gesamteinnahmen. Gutes Geld, doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz nur Peanuts.

Quelle: The Car Trawler Yearbook of Ancillary Revenue

Lufthansa (5,5 Prozent)
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Auch der Lufthansa-Konzern rangiert bei den Zusatzeinnahmen nur unter ferner liefen – zumindest im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen (5,5 Prozent). Lufthansa, Swiss, Austrian und Germanwings generierten im Jahr 2015 in diesem Bereich 1,3 Milliarden Euro. Doch in Zukunft will der Konzern immer mehr auf diese Zusatzeinnahmen setzen. So stellte die Lufthansa 2015 ihr Preismodell um. Einige Tickets wurden günstiger, dafür aber bislang kostenlose Zusatzleistungen kostenpflichtig. Damit verbesserte sich die Lufthansa im Bereich Zusatzeinnahmen im Vergleich zum Vorjahr um einen Prozentpunkt. 2016 sollen dann 6,5 Prozent der Gesamteinnahmen auf anderem Wege als über die Ticketpreise erwirtschaftet werden.

Easyjet (20 Prozent)
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Die Palette an Zusatzangeboten ist bei den Briten so groß wie komplex: Bordessen, Gebühren auf Umbuchungen, Stornogebühren, Verwaltungspauschalen für Online-Buchungen und, und, und... Alleine die zweiprozentigen Gebühren auf Zahlungen mit der Kreditkarte bringen der Fluggesellschaft jährlich rund 88 Millionen Euro ein. Insgesamt lagen die Einnahmen durch die Zusatzangebote bei annähernd 1,3 Milliarden Euro – das sind 20 Prozent der Gesamteinnahmen. Platz zehn unter den Airlines.

Tigerair (20,8 Prozent)
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Als Erster ins Flugzeug einsteigen? Kein Problem: Bei Tigerair aus Singapur ist das gegen einen Aufpreis von umgerechnet knapp vier Euro möglich. Und wer in dem asiatischen Stadtstaat länger als acht Stunden auf seinen Anschlussflug warten muss, bekommt für etwa 15 Euro einen Sightseeing-Tour geboten. Kein Wunder, dass bei so viel Kreativität die Kassen im Zusatzgeschäft klingeln: 2015 kam mehr als jeder fünfte Euro der Gesamteinnahmen (20,8 Prozent) aus diesem Bereich – Platz neun. Insgesamt waren es fast 100 Millionen Euro.

Jetstar (21,3 Prozent)
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Jetstar verdient auch mit, wenn Kunden ein Hotelzimmer oder einen Leihwagen buchen. Zusammen mit den bei Billigairlines üblichen Aufschlägen für Catering und Extra-Fußraum hat das der australischen Fluglinie im Jahr 2015 Einnahmen gut 500 Millionen Euro beschert. Ein Anteil von 21,3 Prozent an den Gesamteinnahmen bedeutet gleichzeigt Rang acht.

Flybe (21,2 Prozent)
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Jeder vierte Euro kommt bei der britischen Flybe aus dem Zusatzgeschäft. Gebühren für Kreditkartenzahlungen und Wunschplätze, Gepäckkosten sowie weitere Extras sorgten 2015 für Einnahmen in Höhe von knapp 190 Millionen Euro – Rang sieben unter den Fluggesellschaften.

Volaris (22,3 Prozent)
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Volantis bezeichnet sich selbst als Billigfluglinie. Die Mexikaner steigerten ihre Einnahmen durch die Werbestrategie „Du entscheidest“. Fluggäste sollen selbst wählen, welche zusätzlichen Produkte und Angebote sie kaufen und nutzen wollen. Damit stiegen die Zusatzeinnahmen der Airline pro Fluggast seit 2009 von gut sieben auf fast 18 Euro. Insgesamt waren es im Jahr über 230 Millionen Euro (22,3 Prozent der Gesamteinnahmen). Platz sechs unter den Fluglinien.

Für den britischen Mobilfunk- und Satellitenspezialisten Immarsat ist die hohe Zahlungsbereitschaft der Fluggäste eine gute Nachricht. Schließlich verdient das Unternehmen beim Thema Internet über den Wolken kräftig mit. So arbeiten zum Beispiel Lufthansa und die British-Airways-Mutter IAG bei ihren Plänen eng mit Immarsat zusammen. Allein mit den Zugangsgebühren fürs WLAN ließe sich schon eine Menge Geld verdienen. Außerdem wäre zumindest zurzeit noch der Internetzugang ein Differenzierungsfaktor zu anderen Airlines.

Denn bisher ist das WLAN-Angebot eher spärlich. Bei den Fluggesellschaften schreitet die Digitalisierung sehr unterschiedlich voran. Die amerikanische Fluggesellschaft JetBlue zum Beispiel bietet schon seit Jahresbeginn auf allen Inlandsflügen in den USA kostenlosen Zugang zum WLAN an. Davon ist man in Europa noch ein gutes Stück entfernt. Lufthansa will immerhin bis Ende 2018 alle 180 Kurz- und Mittelstrecken-Flugzeuge der Premiummarke für Internet umrüsten. Bei der Billigtochter Eurowings verfolgt man einen ähnlichen Zeitplan. Der britisch-spanische Rivale IAG (British Airways, Iberia, Vueling, Aer Lingus) will seine Europaflotte bis 2019 weitgehend mit WLAN ausgestattet haben.

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