Geplanter Börsengang
Hapag-Lloyds vierter Versuch

Deutschlands größte Linienreederei setzt nach einem Preiskampf auf die Erholung der Branche. Der für dieses Jahr geplante Börsengang wird aber wieder auf die lange Bank geschoben. Der nächste Versuch soll 2013 starten.
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HamburgMichael Behrendt, Chef der Linienreederei Hapag-Lloyd, versteht es, schlechte Nachricht gut zu verpacken. „Wir müssen Investoren zeigen, dass wieder Normalität eingekehrt ist“, sagte er zur Vorlage des Konzernabschlusses, den der Aufsichtsrat gestern billigte. Dazu aber müsse das Unternehmen zwei gute Quartale vorweisen. Erst dann könne Hapag-Lloyd einen Börsengang wagen.

Das aber ist im Jahr 2012 nicht mehr zu schaffen. Der Hamburger Containerlogistiker Hapag-Lloyd AG hat wegen eines scharfen Preiskampfs in der Branche das vergangene Jahr mit einem Millionenverlust beendet – und muss sich jetzt erst wieder aufrappeln.

Was sich also hinter seinen Worten verbirgt ist nichts weiter, als die - erneute - Absage des eigentlich für dieses Jahr geplanten Börsenganges. Großaktionär Tui will so Kapital einsammeln und sich auf das Touristikgeschäft konzentrieren.

Der Chef verbreitet Zuversicht
Ein weiterer Großaktionär ist das Hamburger Konsortium „Albert Ballin“, darunter vorneweg die Hansestadt Hamburg und das Unternehmen Kühne Maritime, hinter dem der Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne steckt.

Ende kommender Woche will die Stadt ihren Anteil an der Reederei zwar für 420 Millionen Euro auf 37 Prozent aufstocken. Das Konsortium käme dann auf rund 78 Prozent der Anteile und die ehemalige Konzernmutter Tui würde nur noch 22 Prozent an Hapag-Lloyd halten.

Allerdings will Tui weiter reduzieren und auch Hamburg sich absehbar wieder von Anteilen trennen.

Behrendt hofft deshalb auf einen langfristig engagierten Ankeraktionär, den er in Kühne sieht. Aus seiner Sicht wäre die „Ideallösung, den Rest über einen Börsengang breit zu streuen“.

Es wäre der vierte Versuch. Zuletzt musste Hapag-Lloyd vergangenes Frühjahr den bereits fertig vorbereiteten Gang auf das Parkett aufgrund der politischen Unruhen in Nordafrika und dem Erdbeben in Japan absagen – die trübe Stimmung der Anleger hätte zu hohen Preisabschlägen geführt, so die Sorge.

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Preiskrieg macht dem Konzern zu schaffen

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