Lkw-Hersteller
MAN greift Daimler an

MAN hat große Pläne: Der Münchner Dax-Konzern will bis 2020 zum führenden Hersteller von Lastwagen aufsteigen. Ein interner Brief offenbart die klare Kampfansage an Daimler.
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MünchenGeorg Pachta-Reyhofen hat eine simple Botschaft für seine 52 000 Beschäftigten. "Wir wollen bis 2020 die Nummer eins im Geschäftsfeld der Commercial Vehicles werden", schreibt der MAN-Chef an seine Mitarbeiter. Die Aussage ist eine Kampfansage an Daimler. Der Konkurrent aus Stuttgart steht derzeit da, wo MAN nach Pachta-Reyhofens Worten hin will, an die "Weltspitze der Nutzfahrzeughersteller".

MAN setzt dabei auf die Macht des Volkswagen-Konzerns, der seit kurzem 56 Prozent der Aktien hält. "Dabei erhalten wir Rückenwind durch Kooperationen innerhalb der Volkswagen-Gruppe", teilt der Vorstandschef seiner Mannschaft in dem Schreiben mit, das dem Handelsblatt vorliegt. Unterstützt wird der Lkw-Hersteller zudem "durch erfahrene Berater von Porsche Consulting".

Der Brief, den Pachta-Reyhofen vor wenigen Tagen gemeinsam mit Betriebsratschef Jürgen Dorn verschickte, ist in mehrfacher Sicht bemerkenswert. Zum einen strebt MAN nach dem Vorbild von Großaktionär Volkswagen, der sich im Pkw-Geschäft die Branchenspitze bis 2018 zum Ziel nimmt, jetzt die Weltmarktführerschaft bei Lastwagen an - obwohl die aktuelle Nummer eins derzeit wesentlich größer ist. Zum anderen sendet Pachta-Reyhofen auch eine Botschaft an Scania, dem anderen Lastwagenhersteller, an dem VW beteiligt ist. Die Schweden werden in der neuen MAN-Strategie namentlich gar nicht erwähnt. Stattdessen bündeln jetzt VW und MAN ihre Kräfte.

Der Angriff auf Branchenprimus Daimler erfolgt zunächst im Kleinen. MAN plant eine völlig neue Familie von Kleinlastern mit einem zulässigen Gesamtgewicht unterhalb von 7,5 Tonnen, die bereits 2015 auf den Markt kommen soll, wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfuhr. Der Clou: Wichtige Komponenten wie Motoren und Getriebe sollen dabei kostengünstig aus dem großen Autoreich von Volkswagen stammen. Die Produktion erfolgt bei der österreichischen MAN-Tochter in Steyr. Das Konzept, hoffen die Beteiligten, soll weltweit ausgerollt werden, so dass VW und MAN auch bei leichten Nutzfahrzeugen in den Schwellenländern wettbewerbsfähig werden.

Für MAN kommt die Hilfe zur richtigen Zeit. "Die finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechtern sich, der Wettbewerbsdruck verschärft sich, die Lebenszyklen unserer Produkte werden immer kürzer", schreiben Pachta-Reyhofen und Dorn im Brief an die Belegschaft.

Möglich wird der schnelle Schulterschluss durch die Übernahme von MAN durch VW. Seit November 2011 halten die Wolfsburger mit 55,9 Prozent der Stimmrechte die Mehrheit. Firmenpatriarch Ferdinand Piëch steht den Aufsichtsräten von VW und MAN vor.

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  • Klopfen gehört ja zur Konzernphilosophie von VW. Jetzt also auch in großem Maßstab.
    siehe Audi, siehe VFL Wolfsburg, siehe die 100'000 km "Qualität" der PKW.

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