Reederei CMA CGM
Franzosen bestellen neun Frachter der Superlative

Das Wettrennen der Giganten auf den Ozeanen kennt kein Ende. Die Großreederei CMA CGM aus Marseille will angeblich die größten Containerfrachter der Welt bauen lassen – und davon gleich neun Stück.
  • 0

DüsseldorfEnde Juni noch schien sich Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen sicher. „Die Schiffsgröße von 20.000 Standardcontainern wird nicht mehr überschritten“, sagte er vor Journalisten in Hamburg. Noch größere Frachter beanspruchten unwirtschaftlich lange Liegezeiten in den Häfen, und auch die Terminals seien für ein weiteres Größenwachstum nicht gerüstet.

Schiffsexperten wie Jan Tiedemann stimmten dem zu – und gaben schon vorsichtige Entwarnung für Deutschlands größten Überseehafen, der wegen der blockierten Elbvertiefung um seinen Schiffsverkehr bangt. „Hamburg könnte Glück haben“, prognostizierte der Alphaliner-Analyst, „dass die größte realistisch in Hamburg machbare Schiffsklasse auf absehbare Zeit auch die weltweit größte Schiffsklasse bleibt.“

Der optimistische Ausblick überdauerte keine zwei Monate. Schon in den kommenden zwei Wochen will die französische Container-Reederei CMA CGM ihre Unterschrift unter einen Kaufvertrag setzen, der ihr neun Mega-Frachter mit einer Größe von jeweils 22.000 Standardcontainern (TEU) sichert. Das geht aus einem Bericht des Branchendienstes „Splash 24/7“ hervor.

Bis dahin werde sich entscheiden, ob die chinesische Werft Shanghai Waigaoqiao Shipbuilding (SWS) bei dem Auftrag das Rennen macht oder Hyundai Heavy Industries aus Südkorea. Noch Mitte Mai war im Hamburger Hafen die Einfahrt der „MOL Triumph“ bejubelt worden, die knapp über 20.000 TEU lädt und kurzzeitig als das größte Containerschiff der Welt galt. Inzwischen wurde selbst dieser Frachter von der „OOCL Hong Kong“ knapp übertroffen.

Der Wettlauf um immer größere Frachter führt seit 2011 zu erheblichen Überkapazitäten auf den Weltmeeren – und einem Preisdumping, das bereits Großreedereien wie die koreanische Hanjin oder den Hamburger Charterreeder Rickmers in die Insolvenz trieb.

Angestoßen wurde er durch technische Neuerungen beim Schiffsantrieb, der die Dampfer auf bis zu 400 Meter Länge und 59 Meter Breite zulegen ließ. Ihre Ladekapazität übersprang damit dieses Jahr erstmals die 20.000-TEU-Marke. Zum Vergleich: 2005 galt die „Gudrun Maersk“ als weltweit größter Transporter für Stahlboxen – mit einem Fassungsvermögen von gerade einmal 8500 TEU.

In den vergangenen Monaten waren die Sorgen in der Containerbranche einem vorsichtigen Optimismus gewichen. Viele überzählige Schiffe wurden verschrottet, Neubestellungen gab es so gut wie keine.

Doch mit der spektakulären Order von CMA CGM könnte sich die Spirale erneut in Bewegung setzen. Die Reederei aus Marseille hat für die Schiffsbestellungen gute Gründe. Durch die angepeilte Fusion der chinesischen Großreederei Cosco mit dem Rivalen OOCL aus Hongkong müssen die Franzosen um ihre Stellung als weltweite Nummer drei fürchten. Die neun Mega-Schiffe würden ihnen dagegen den Vorsprung gegenüber den Asiaten sichern, wenn auch nur knapp.

Für den deutschen Marktführer Hapag-Lloyd und viele seiner Konkurrenten trüben sich durch die gewaltige Bestellung die Aussichten wieder ein. Weil die zusätzlichen Kapazitäten auf den Weltmeeren die Frachtraten erneut unter Druck setzen, erschwert das den Hamburgern die erhoffte Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Kommentare zu " Reederei CMA CGM: Franzosen bestellen neun Frachter der Superlative"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%