Transport-Unternehmen
Lange Leitungen in Russland

Die russische Logistikbranche boomt. In den Containerhäfen sind die Umschläge zuletzt deutlich gestiegen. Doch die Infrastruktur humpelt hinterher: Bahnstrecken sind überlastet, die Bürokratie ist schwerfällig
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St. PetersburgVor langer Zeit war der Petersburger Holzhafen für Russland das Tor zur Welt. Die Zaren ließen von dort Holz verschiffen – Güter, die damals Russlands Rang als Exportnation begründeten. Für die Logistiker von Global Ports, der die traditionsreiche Anlage heute betreibt, sind Holzexporte nunmehr Nischengeschäft, überhaupt spielen Exporte kaum eine Rolle, erklärt Verkaufschef Roy Cummings: „Drei Viertel der Container, die Russland verlassen, enthalten nichts als Luft.“ Die Geschäfte macht Global Ports mit Einfuhren.

Importe lassen die Logistik boomen. Der Hafenbetreiber, der in Russland fast jeden dritten Container bewegt, hat seinen Warenumschlag in der ersten Jahreshälfte 2011 um 42 Prozent erhöht. In den Häfen von Sankt Petersburg, wo die Tochter des privaten russischen Logistikkonzerns N-Trans insgesamt drei Anlagen betreibt, sollen allein nächstes Jahr rund 160 Millionen Dollar in den Kapazitätsausbau fließen. Kapital dafür sammelte der Logistiker an der Londoner Börse ein, wo im Juni die Erstplatzierung gelang.

Die Anleger setzen große Erwartungen in den vergleichsweise kleinen Containersektor der teilweise noch recht chaotisch organisierten russischen Logistikbranche. Die Statistik rechtfertigt das: In Russland kommen auf 1000 Einwohner zurzeit 26 Container mit Importen; die Deutschen löschen im Schnitt 160 Container mit Waren aus Fernost und Amerika.

Auftrieb bekommen russische Importeure durch den Seehandel mit deutschen Häfen: Im ersten Halbjahr 2011 stieg der Containerumschlag zwischen den Häfen Hamburg und Sankt Petersburg um 45 Prozent. Die Hanseaten sehen ihren Hafen als wichtige Drehscheibe im Verkehr zwischen Asien und Osteuropa. Aufgrund des zunehmenden Warenumschlags haben Hamburger Reeder angekündigt, ihre Feederdienste nach Russland auszubauen. Feederschiffe agieren als Zulieferer und Verteiler für große Seeschiffe und -häfen.

Die Zubringer sind nötig, da es sich für Reeder nicht lohnt, Russland mit großen Containerschiffen anzusteuern. Im Süden von Petersburg entsteht zwar mit Staatsgeldern ein neuer Hafen mit Anlegestellen für Ozeanriesen. Doch Russlands Importbedarf ist zu gering, als dass die alte Zarenstadt selbst ein globaler Logistik-Knotenpunkt werden könnte, selbst wenn Premier Wladimir Putin davon träumt.

Vor allem hakt es beim Weitertransport im russischen Inland – und das schlägt kräftig auf die Rechnung der Kunden. Die Eisenbahn fährt langsam und die Strecken sind überlastet. Der Knotenpunkt Moskau steckt im Dauerstau und die überregulierten Zollstellen sind nicht für ihre Effizienz bekannt, ihre Mitarbeiter verlängern die Standzeiten zuweilen mutwillig.

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