Wolfgang Bernhard
„Unsere Straßen bröseln“

Der Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard spricht im Interview über die Forderungen der Lkw-Hersteller an die Politik, neue Konkurrenz aus China und das Gefühl, in einem autonom fahrenden Truck zu sitzen.
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StuttgartSehr aufgeräumt empfängt Wolfgang Bernhard das Handelsblatt in Stuttgart Untertürkheim. Zwar laufen die Geschäfte in Europa mies. Doch der Daimler-Manager hat die Branchenmesse IAA im September genutzt, um seine Lieblingsthemen voranzubringen: Mehr Geld für die Straßen, die Einführung von Lang-Lkws und den autonom fahrenden Laster. Der selbst steuernde Lastwagen war die große Show auf der IAA.

Herr Bernhard, das Lastwagengeschäft ist ein Barometer für die Weltwirtschaft. Wie läuft das Geschäft?
Die Lage auf dem weltweiten Lkw-Markt ist derzeit sehr uneinheitlich. In Südamerika, Indien und Indonesien hängt das Geschäft, aber wir gewinnen Marktanteile. In Japan läuft es hingegen gut, und in den USA haben wir einen sensationellen Lauf.

Und in Europa?
Hier spüren wir immer noch die Nachwirkungen der Abgasumstellung auf Euro 6, die dem Markt im vergangenen Jahr eine Sonderkonjunktur brachte. Wir spüren außerdem die Auswirkungen der unsicheren Verhältnisse im Irak und Russland auf das allgemeine Geschäftsklima. Beides zusammen schlägt sich auf die Lkw-Verkäufe nieder, und wir haben daher Ende Juli unsere Prognose für den europäischen Markt zurückgenommen.

Wie schlecht sieht es denn aus?
Wir sehen ein Minus von mindestens fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bestätigt sich im Moment.

Überträgt sich die derzeitige politische Unsicherheit schon auf das Geschäft?
Russland ist wie die Ukraine für uns kein nennenswerter Absatzmarkt. Ein offener Konflikt wäre für Gesamteuropa aber kein wünschenswertes Ereignis.

Immerhin sind Sie an dem russischen Hersteller Kamaz beteiligt. Wie macht sich das in der Situation bemerkbar?
Wir haben Ende letzten Jahres beschlossen, unseren Anteil bei Kamaz nicht aufzustocken. Zusammen mit der Europäischen Entwicklungsbank liegt die Beteiligung weiterhin bei 15 Prozent, wobei wir die vier Prozent der Bank wie geplant künftig direkt halten werden. Zudem werden die beiden Vertriebs-Joint-Ventures für Fuso und für Mercedes-Benz zusammengefasst.

Warum haben Sie nicht weiter aufgestockt?
Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist das nicht notwendig; außerdem lagen wir beim Preis zu weit auseinander.

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