Auf verlorenem Posten
Wenn der Auslandseinsatz die Karriere killt

Für die Firma nach Asien, in die USA oder ins europäische Ausland zu gehen, gilt als Karrieretreiber. Doch was passiert wirklich, wenn der Auslandsvertrag endet? Die Hoffnungen vieler Rückkehrer gehen nicht in Erfüllung.
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BerlinDas High-School-Jahr in den USA, das Studiensemester an einer fremdsprachigen Uni oder der Arbeitsaufenthalt in Übersee: Im Ausland verbrachte Zeit wertet jeden Lebenslauf auf und kann schnell zum Karrieresprungbrett werden. So ist zumindest das Klischee. Eines, das Deniz Özcan (Name geändert) mit Blick auf seine eigenen Erlebnisse nicht bestätigen kann.

Özcan ist in der Türkei geboren und in Deutschland aufgewachsen. Ein Jahr arbeitete der heute 44-Jährige bei einem der größten deutschen Energieversorger „in verschiedenen Positionen“, wie er sagt. Hier war der studierte Wirtschaftsingenieur zur richtigen Zeit am richtigen Ort – das glaubte Özcan zumindest.

Der Energiekonzern plante die Türkei als Geschäftsfeld zu erschließen. Dafür wollte sein Arbeitgeber die Sprach- und Landeskenntnisse des türkischstämmigen Mitarbeiters nutzen. „Damals war von einer Entsendung noch keine Rede“, sagt Özcan. Aber es kam anders. Er unterschrieb einen Expat-Vertrag, inklusive bezahlter Heimflüge, einem „Sprachkurs und interkulturelles Training für meine Frau“. Das Paar verbrachte drei Jahre in Istanbul. Dort half der Ingenieur beim Aufbau eines Joint Ventures mit einem türkischen Unternehmen und wurde dessen stellvertretender Geschäftsführer. Schon vor der Abreise hatte sich Özcan ausgemalt, wie der Türkeiaufenthalt auch seine Karriere in Deutschland befeuern würde.

Aber mit der Rückkehr kam auch die Ernüchterung: „Es wird einem nicht gedankt, dass man im Ausland gute Arbeit geleistet hat.“ Auf ihn wartete in der Heimat keine angemessene Aufgabe. Und die, die vorher mit ihm auf einer Stufe standen, hatten sich größtenteils längst hochgearbeitet. „Man sagt immer Ausland sei ein Karriere-Booster, aber eigentlich ist es genau das Gegenteil“. Die Erklärung ist laut Özcan ziemlich einfach: „Eine Führungsetage ist wie ein kleiner Hofstaat“. Da gebe es „links und rechts Intrigen“.

Das bedeutet auch: „Wenn man dem anderen nichts mehr nützt, ist man schnell weg vom Fenster.“ Und wird bei Neubesetzungen nicht mehr berücksichtigt. Das sei vielen ehemaligen Expats in seinem Unternehmen so gegangen. Wie Özcan hätten sich die meisten schnell nach neuen Optionen umgeschaut. Auch er arbeitet heute in einem anderen Unternehmen.

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Am günstigsten der zehn teuersten Städte ist für so genannte „Expats“ (Menschen, die für ihre Firma ins Ausland gehen) laut der Mercer-Studie „Cost of Living Survey 2014“ Shanghai. Doch auch diese Stadt ist teurer geworden: 2013 rangierte sie noch auf Platz 14. Die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China bietet laut dem Internetportal expatistan.com ein Mittagessen im Geschäftsviertel für umgerechnet 8 Euro. Ein Liter Milch kostet 2,93, ein Kilo Tomaten 1,47 Euro. Für eine etwa 85 Quadratmeter große möblierte Wohnung in einem schicken Stadtteil muss man monatlich etwa 1.986 Euro Miete berappen. Ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr kostet etwa 32 Euro, Eine Packung Marlboro-Zigaretten 2,40 Euro. Die Zahlen für die Mercer-Studie Cost of Living Survey 2014 wurden im März 2014 ermittelt. Die Devisenkurse und der Umfang von Waren und Dienstleistungen des Monats März bilden die Grundmesswerte dieser Studie. Das Beratungsunternehmen Mercer veröffentlicht jährlich ebenso Studien zur Lebensqualitität und Sicherheit in Weltmetropolen. Quelle: AFPAutomobilindustrie: Zulieferer wachsen mit den HerstellernEs sind Familienunternehmen wie der Wälzlagerspezialist Schaeffler, die mit der Globalisierung zu Exportriesen geworden sind. Mit einer operativen Rendite vor Zinsen und Steuern von gut 13 Prozent und mehr als elf Milliarden Euro Jahresumsatz gehören die Franken zu den führenden Autozulieferern weltweit. Dank der internationalen Nachfrage steigerte Schaeffler den Umsatz im Autogeschäft in den ersten neun Monaten um gut sieben Prozent. Die deutschen Autozulieferer erwirtschafteten 2012 fast 25 Milliarden Euro Auslandsumsatz. Sie folgen den Herstellern um den Globus: 2012 bauten die Deutschen 8,2 Millionen Autos im Ausland, 5,4 Millionen im Inland. Viele Teile für die im Ausland gefertigten Wagen kommen aus Deutschland. Als Faustregel gilt, dass drei neue Jobs im Ausland einen im Inland schaffen. Quelle: dpa
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