Betrügen, bevorteilen, schmieren
Zweifelhafte Geschäfte im Ausland

Wer wie Bilfinger bei illegalen Deals ertappt wird, ramponiert sein Image heftig. Trotzdem liest sich die Liste der Korrupten wie ein „Who is Who“ der deutschen Wirtschaft. Kann man überhaupt legale Geschäfte machen?
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BerlinDie Nachricht klang wie eine Kapitulation vor den äußeren Umständen. Ein Bild, das Werner Grebe so nicht stehen lassen möchte: „Wir haben keine schwarze Liste.“ Damit meint der Leiter der Compliance-Abteilung der Deutschen Bahn, dass es keinen Staat gebe, bei dem der Konzern sagen würde: Zu korrupt, kein Geschäft möglich. Die Entscheidungen seines Konzerns vor einigen Monaten lassen aber auch andere Schlüsse zu.

Im Juni teilte die Deutsche Bahn-Tochter DB International (DBI) mit, sich aus Griechenland, Algerien, Libyen, Ruanda und Thailand zurückzuziehen. Der Anlass waren Erkenntnisse aus Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen den Konzern. In einigen Staaten hatte die DBI im vergangenen Jahr kräftig geschmiert, um an Planungs- und Beratungsaufträge zu kommen. 315.000 Euro sollen etwa in Griechenland geflossen sein. Für den Bau einer Metro-Strecke in der Nähe von Athen.

Beim Thema Korruptionsgefahr gibt es für Grebe zwar keine Tabu-Länder. Aber es gibt Beispiele für „unterschiedliche Erwartungshaltungen“. Etwa in Thailand. „Dort wollten wir bei einem konkreten Geschäft Forderungen nicht bedienen“, sagt Grebe. Weil der Konzern nicht zahlen wollte, sei das Vorhaben geplatzt.

Die Finger verbrannt hat sich auch der deutsche Baukonzern Bilfinger, der in den USA wegen Korruption bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria jetzt 32 Millionen Dollar Strafe zahlen muss. „Wir sind froh, diese Vorgänge aus lang zurückliegender Vergangenheit nun abschließen zu können“, sagte Vorstandschef Roland Koch am Montagabend. Vor zehn etwa Jahren soll der Konzern Regierungsvertreter mit mehr als sechs Millionen Dollar bestochen haben, um an Aufträge im Zusammenhang mit dem Eastern Gas Gathering System (EGGS) zu kommen – einen Teil davon in bar.

Immer mehr Korruptionsfälle kommen ans Licht. So hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl in den vergangenen Jahren verdreifacht. Laut dem jüngsten „Lagebericht Korruption“ des Bundeskriminalamts (BKA) gab es 2011 bundesweit 46.795 entdeckte Korruptions-Straftaten. Einer vorsichtigen Schätzung des BKAs zufolge betrug alleine im vergangenen Jahr der so entstandene Schaden 276 Millionen Euro.

Dabei schmieren heimische Unternehmen im Ausland – zumindest nach Angaben des eigenen Führungspersonals – vergleichsweise wenig. Zu diesem Schluss kommt die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI), die zuletzt 2011 rund 3000 Führungskräfte in 28 Staaten zu deren Bereitschaft im Ausland zu bestechen befragt hat. So belegt Deutschland hinter den Niederlanden, der Schweiz und Belgien auf diesem Index den vierten Platz.

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