Interkulturelle Geschäfte
In Saudi-Arabien erstmal über Falken reden

Projekte in Japan, Deals in Dubai, Geschäftsessen in Riad: Der Weltmarkt bietet große Möglichkeiten – und kulturelle Stolperfallen. Was Firmen beherzigen sollten und wann es sich lohnt, eine Rolex parat zu haben.
  • 5

Berlin„Frohe Weihnachten“, diese Feiertagsfloskel war in den vergangenen Tagen fast schon obligatorisch im deutschen Geschäftsalltag. Doch in den den USA sollte man sie – wenn überhaupt – nur sehr vorsichtig verwenden. Bei uns gehören die lieb gemeinten Wünsche zwar genauso zur Vorweihnachtszeit wie Stollen, Nadelbaum und Lichterkette. Doch jenseits des Atlantiks laufen alle, die die zwei schlichten Wörter verwenden, schnell Gefahr, die kulturellen Befindlichkeiten empfindlich zu verletzen.

„Wichtig ist die Wortwahl, die political correctness wird in den USA sehr großgeschrieben“, erklärt Jean-Jean Johannes Kim. Das gelte natürlich nicht nur für die Adventswochen, sondern auch für Büro und Meeting. Angemessen und politisch korrekt sei es in diesem Fall „Happy Holidays“ zu sagen, denn diese Wunschformel schließe auch andere Religionen mit ein, deren Anhänger das christliche Fest nicht feiern.

Kim arbeitete bis vor eineinhalb Jahren als Personalleiter für die Carl Zeiss AG in San Diego, einem von insgesamt 17 US-Standorten des Medizintechnik-Herstellers. Aus geografischer Perspektive liegen rund 8000 Kilometer zwischen dem nordamerikanischen Land und Deutschland. Gefühlt sind sich die beiden Regionen deutlich näher. In Köln, München und Hamburg findet man an allen Ecken US-Restaurantketten, deutsche Radios spielen amerikanische Musik und die meisten Kinos zeigen Hollywoodfilme. Genau dieses kulturelle Halbwissen werde für Deutsche bei ihrer Arbeit in Boston, Washington oder San Francisco aber oft zum Verhängnis, erklärt Kim: „Viele haben ein bestimmtes Bild von den USA, das sie oft aus Filmen kennen.“ In diesen fluchen Amerikaner beispielsweise oft an ihren Arbeitsplätzen. Ein Verhalten, das in Wahrheit nur äußerst selten vorkommt und womit sich besonders Deutsche, die als sehr direkt gelten, unbedingt zurückhalten sollten.

Eine Mischung aus Selbstreflexion, Sprach-Diplomatie und ein offensichtliches Bekenntnis zum eigenen „Deutschsein“: Das hat Kim zu seiner persönlichen USA-Strategie gemacht. Eine Arbeitshaltung, die er anhand einer Anekdote erklärt. Die hat mit dem amerikanischsten aller Feste zu tun, mit Thanksgiving. Als Deutscher hatte der Personaler nur wenig Bezug zu dem abgewandelten „Erntedankfest“, das in Kanada und den USA ein staatlicher Feiertag ist und ausgiebig und traditionell gefeiert wird. Trotzdem musste er im November die Thanksgiving-Betriebsfeier moderieren, möglichst ohne abzulesen. Und möglichst ohne kulturelle Gefühle zu verletzen.

Dieser „Challenge“, wie man im anglophonen Sprachraum sagen würde, begegnete Kim konfrontativ: „Ich habe mich als Deutscher hingestellt und diese Offenheit als Taktik genutzt, weil ich wusste, dass ich nicht den Bezug eines Amerikaners zu diesem Fest habe“. Diese Demutshaltung zur eigenen Herkunft komme gut an. So gut, dass manche Mitarbeiter ihm nach dem Fest anboten, ihn beim Hürdenlauf durch den US-amerikanischen Gepflogenheiten-Dschungel zu helfen.

Hilfe hat der Zeiss-Mitarbeiter aber eigentlich nicht nötig. Zum einen, weil Kims Frau gebürtige Amerikanerin ist und er dadurch mehr sprachliche und kulturelle Feinheiten kenne, wie er sagt. Zum anderen besitzt er das nötige Einfühlungsvermögen, das kulturelle Grenzübertritte sehr erleichtert. „Ein sehr guter Tipp ist: Nicht direkt drauflos reden, sondern erstmal zuhören und mitbekommen, wie kommuniziert wird.“

Sind Sie reif für die Expansion?

Alle Schlagzeilen

Weltweite Nachfrage steigt

Standort Taiwan - Deutsche Hightec-Textilien für Autos in ganz Asien

Vor der WM - deutsche Getränkeanlagen für Brasilien

Deutsche Strommasten für den Oman

Am günstigsten der zehn teuersten Städte ist für so genannte „Expats“ (Menschen, die für ihre Firma ins Ausland gehen) laut der Mercer-Studie „Cost of Living Survey 2014“ Shanghai. Doch auch diese Stadt ist teurer geworden: 2013 rangierte sie noch auf Platz 14. Die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China bietet laut dem Internetportal expatistan.com ein Mittagessen im Geschäftsviertel für umgerechnet 8 Euro. Ein Liter Milch kostet 2,93, ein Kilo Tomaten 1,47 Euro. Für eine etwa 85 Quadratmeter große möblierte Wohnung in einem schicken Stadtteil muss man monatlich etwa 1.986 Euro Miete berappen. Ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr kostet etwa 32 Euro, Eine Packung Marlboro-Zigaretten 2,40 Euro. Die Zahlen für die Mercer-Studie Cost of Living Survey 2014 wurden im März 2014 ermittelt. Die Devisenkurse und der Umfang von Waren und Dienstleistungen des Monats März bilden die Grundmesswerte dieser Studie. Das Beratungsunternehmen Mercer veröffentlicht jährlich ebenso Studien zur Lebensqualitität und Sicherheit in Weltmetropolen. Quelle: AFPAutomobilindustrie: Zulieferer wachsen mit den HerstellernEs sind Familienunternehmen wie der Wälzlagerspezialist Schaeffler, die mit der Globalisierung zu Exportriesen geworden sind. Mit einer operativen Rendite vor Zinsen und Steuern von gut 13 Prozent und mehr als elf Milliarden Euro Jahresumsatz gehören die Franken zu den führenden Autozulieferern weltweit. Dank der internationalen Nachfrage steigerte Schaeffler den Umsatz im Autogeschäft in den ersten neun Monaten um gut sieben Prozent. Die deutschen Autozulieferer erwirtschafteten 2012 fast 25 Milliarden Euro Auslandsumsatz. Sie folgen den Herstellern um den Globus: 2012 bauten die Deutschen 8,2 Millionen Autos im Ausland, 5,4 Millionen im Inland. Viele Teile für die im Ausland gefertigten Wagen kommen aus Deutschland. Als Faustregel gilt, dass drei neue Jobs im Ausland einen im Inland schaffen. Quelle: dpa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%