Miele in Südtirol: „Italienern ist die Ästhetik wichtiger als die Mechanik“

Miele in Südtirol
„Italienern ist die Ästhetik wichtiger als die Mechanik“

Der Hausgerätehersteller Miele beglückt von Südtirol aus Italiener mit Spülmaschinen. Dabei müssen nicht nur Wasch- und Kochgewohnheiten beachtet werden. Auch im Umgang mit Geschäftskunden läuft hier einiges anders.
  • 1

MailandMit Spülmaschinen haben Italiener ein Problem. Sie waschen ihre Teller einfach lieber mit der Hand, und selbst wenn sie eine Spülmaschine haben, dann halten sie das Geschirr immer noch vorher unter den Wasserhahn, bevor sie es in die Maschine stellen. Auch den Waschmaschinen trauen sie nicht wirklich über den Weg. Ihre Wollpullover waschen sie immer noch per Hand, obwohl der Wollwaschgang sogar schonender wäre.

So etwas weiß man, wenn man wie Alessandro Covi das Italiengeschäft für den deutschen Hausgerätehersteller Miele führt. Inmitten von Weinhängen und Apfelbäumen steht die Italien-Zentrale von Miele fünf Kilometer außerhalb von Bozen. 80 der 120 Mitarbeiter arbeiten hier. Und die Wahl des Orts ist nicht zufällig. „In Südtirol sind wir perfekt zweisprachig. Sie können hier sogar Ihre Bilanz auf deutsch einreichen“, erklärt Covi den Standortvorteil. Er selbst stammt auch aus Alto Adige, wie die Region auf Italienisch heißt und bezeichnet sich daher als „halb deutsch, halb italienisch.“

Seit 1961 sitzen die Deutschen hier und versuchen, die Italiener zu überzeugen, dass es sich lohnt, auch mal doppelt soviel für eine Waschmaschine auszugeben, als sie es bisher gewöhnt sind. So hoch ist der Preisunterschied zu heimischen Produkten wie Indesit oder Candy.

„Italiener geben deutlich weniger für ihre Haushaltsgeräte aus“, berichtet Covi. Während ein Deutscher im Durchschnitt 500 Euro für eine Waschmaschine hinblättere, seien es bei einem Italiener gerade einmal 350 Euro. Warum das so sei ? „Italiener achten nicht so sehr auf die Qualität. Ihnen ist die Ästhetik wichtiger als die Mechanik“, sagt der Italien-Chef.

Covi zitiert eine Studie wonach die Deutschen erst die Haushaltsgeräte kaufen und dann die Küchenmöbel, während die Italiener erst die Farbe, das Holz und die Griffe aussuchen und dann die Spülmaschine, den Herd und den Kühlschrank.

Und so kommt es wohl auch, dass Miele nur selten bei den jungen Familien auf dem Einkaufszettel steht, sondern eher im fortgeschrittenen Alter. „Wenn die erste  Maschine kaputt gegangen ist, kommen wir zum Zug“ scherzt Covi und berichtet stolz, dass Miele-Geräte 20 Jahre halten. Aber das muss man erst einmal erklären.

„Das war die größte  Herausforderung: den Menschen klar machen, warum unsere Produkte teurer sind“. Bis 2010 hat das funktioniert, die Umsätze stiegen stetig. Dann, mit der schweren Krise gab es auch bei Miele in Italien Einbußen. Die Deutschen konnten zwar ihren Marktanteil weiter ausbauen – aber bei sinkenden Umsätzen. Mit dem zaghaften Aufschwung rechnen Ökonomen damit, dass jetzt zunächst die so genannten Ersatz-Käufe losgehen – also der Kühlschrank, der schon lange erneuert werden muss, was aber wegen der Krise aufgeschoben wurde. Davon könnte auch Miele profitieren.

Seite 1:

„Italienern ist die Ästhetik wichtiger als die Mechanik“

Seite 2:

„Persönliche Beziehungen sind wichtiger als in Deutschland“

Sind Sie reif für die Expansion?

Alle Schlagzeilen

Weltweite Nachfrage steigt

Standort Taiwan - Deutsche Hightec-Textilien für Autos in ganz Asien

Vor der WM - deutsche Getränkeanlagen für Brasilien

Deutsche Strommasten für den Oman

Am günstigsten der zehn teuersten Städte ist für so genannte „Expats“ (Menschen, die für ihre Firma ins Ausland gehen) laut der Mercer-Studie „Cost of Living Survey 2014“ Shanghai. Doch auch diese Stadt ist teurer geworden: 2013 rangierte sie noch auf Platz 14. Die bedeutendste Industriestadt der Volksrepublik China bietet laut dem Internetportal expatistan.com ein Mittagessen im Geschäftsviertel für umgerechnet 8 Euro. Ein Liter Milch kostet 2,93, ein Kilo Tomaten 1,47 Euro. Für eine etwa 85 Quadratmeter große möblierte Wohnung in einem schicken Stadtteil muss man monatlich etwa 1.986 Euro Miete berappen. Ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr kostet etwa 32 Euro, Eine Packung Marlboro-Zigaretten 2,40 Euro. Die Zahlen für die Mercer-Studie Cost of Living Survey 2014 wurden im März 2014 ermittelt. Die Devisenkurse und der Umfang von Waren und Dienstleistungen des Monats März bilden die Grundmesswerte dieser Studie. Das Beratungsunternehmen Mercer veröffentlicht jährlich ebenso Studien zur Lebensqualitität und Sicherheit in Weltmetropolen. Quelle: AFPAutomobilindustrie: Zulieferer wachsen mit den HerstellernEs sind Familienunternehmen wie der Wälzlagerspezialist Schaeffler, die mit der Globalisierung zu Exportriesen geworden sind. Mit einer operativen Rendite vor Zinsen und Steuern von gut 13 Prozent und mehr als elf Milliarden Euro Jahresumsatz gehören die Franken zu den führenden Autozulieferern weltweit. Dank der internationalen Nachfrage steigerte Schaeffler den Umsatz im Autogeschäft in den ersten neun Monaten um gut sieben Prozent. Die deutschen Autozulieferer erwirtschafteten 2012 fast 25 Milliarden Euro Auslandsumsatz. Sie folgen den Herstellern um den Globus: 2012 bauten die Deutschen 8,2 Millionen Autos im Ausland, 5,4 Millionen im Inland. Viele Teile für die im Ausland gefertigten Wagen kommen aus Deutschland. Als Faustregel gilt, dass drei neue Jobs im Ausland einen im Inland schaffen. Quelle: dpa
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%