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03.12.2008 
Aktualisiert 03.12.2008, 01:26 Uhr 

Bei Grey am Kaminfeuer

von Blog

"Die Unternehmen müssen lernen, dass es nicht darum geht, sich selbst zu feiern - sondern darum, das Leben der Menschen zu bereichern", sagte heute Frank Dopheide, Chairman der Werbeagentur Grey Deutschland auf der Jahrespressekonferenz der Grey Gruppe.

"Produkte ohne klaren Vorteil und Mehrwert haben ein Problem", musste auch Stefan Knieß, Chef der Grey-Tochterfirma Argonauten G2, betonen.
Und genau das dürfte so manchem Unternehmen richtig schwer fallen. Wer so richtig stolz auf sich ist, hat selten noch die notwendige Aufmerksamkeit für die Kunden. Wie brachte es schon der Management-Guru Reinhard Sprenger auf den Punkt: "Es gibt Unternehmen, die können sich fünf Jahre lang nur mit sich selbst beschäftigen." Merken tun sie es freilich nicht. Und das gilt tragischerweise nicht nur für diejenigen Unternehmen, denen es gut geht.
Noch schwerer wird es den Unternehmen fallen, ihre Kunden zu bereichern, bei denen eine Entlassungsrunde die nächste jagt. Dann geht nicht nur ein Gutteil der Arbeitszeit dafür drauf, die Sozialpunkte zu zählen und den eigenen Job abzusichern, jedenfalls nicht dafür, das Unternehmen nach vorne zu bringen. Im Gegenteil. Ständige Damoklesschwerter sorgen dafür, dass die einen Kollegen abstumpfen, sich für Jobs in anderen Unternehmen interessieren und die anderen in ständiger Angst und Sorge leben - nur an die Kunden,an die denkt keiner mehr. Und für sie einsetzen wird sich erst rechet keiner mehr. Keine einzige Über-Minute. Sitzt man doch auf der Titanic - wozu dann noch die Mühe, wird mancher Mitarbeiter denken.
Den Markenartiklern schrieb Argonauten-Chef Stefan Knieß weitere Warnungen ins Stammbuch: Sie sollten keinesfalls mehr versuchen, ihre Kunden und Verbraucher hinters Licht zu führen, sondern immer gleich die Wahrheit sagen und sich der Kritik stellen. Und noch mehr: "Die Glaubwürdigkeitsproblematik bei der Werbung nimmt zu." Die Werbung müsse ehrlicher werden und aufpassen, was sie kommuniziert, so der Düsseldorfer.
Jedenfalls sollten Unternehmen die Multiplikatoren suchen, auf deren Urteile über Produkte ganze Freundeskreise Wert legen. Denen sollten die Unternehmen eine eigene Plattformen geben - auch für kritische Urteile. Denn immerhin würden 64 Prozent der Verbraucher auf persönliche Empfehlungen hören, bevor sie ein Produkt kaufen. Auf Verkäufer im Geschäft hörten dagegen nur 46 Prozent - das sind ebenso viele wie diejenigen, die sich nach Online-Kundenbewertungen richten.
Und ganz viel Wahrheit liegt in einem Nebensatz von Uli Veigel, dem CEO der Grey Global Group Germany: "Führungsstärke ist auch eine Frage von Herz." Und fürs Herz sollte wohl auch die Leinwand sein, die die Werber am Rande der Pressekonferenz aufgebaut hatten: Auf der war die ganze Zeit über ein überdimensioniertes loderndes Kaminfeuer zu sehen - und sollte wohl die Stimmung von Adventskerzen verbreiten. Dazu gehört Mut.
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