13 Angeklagte, 750 Seiten Anklage
Hintergrund: Der Prozess um die Berliner Bankenaffäre

Bei einem der größten Wirtschaftsstrafprozesse der vergangenen Jahrzehnte standen seit 20 Monaten 13 ehemalige Bankmanager und Aufsichtsratsmitglieder vor dem Berliner Landgericht.

dpa BERLIN. Prominentester Angeklagter ist Klaus Landowsky, bis 2001 Berliner CDU-Fraktionsvorsitzender und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Bankgesellschafts-Tocher Berlin Hyp. Flankiert wird Landowsky von den früheren Vorstandschefs der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf und Wolfgang Steinriede, die auch Aufsichtsratsvorsitzende der Konzerntochter Berlin Hyp waren. Die Anklage lautet auf schwere Untreue bei der Vergabe von Krediten.

Der Prozess begann im Juli 2005. Im größten Saal 700 des Landgerichts versammelten sich an 78 Sitzungstagen seitdem neben den 13 Angeklagten auch die knapp 30 Verteidiger. Jahrelang bereitete die Staatsanwaltschaft die Verhandlung vor, die Aktenreihe war 200 Meter lang, die Anklageschrift 750 Seiten dick.

In der Sache ging es um risikoreiche Kredite in Höhe von 235 Mill. Euro, die die Berlin Hyp Mitte der 90er Jahre an den Immobilienkonzern Aubis vergab. Aubis kaufte mit dem Geld tausende Plattenbauwohnungen in Ostdeutschland, zu überhöhten Preisen, wie sich später heraus stellte. Die Kredite galten zunehmend als unsicher. Bei der Bewilligung sollen neben Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften auch veraltete Unterlagen verwendet und hohe Risiken ignoriert worden sein.

Die Angeklagten wiesen die Vorwürfe einhellig zurück. Die Verteidiger forderten Freisprüche und argumentierten, die Bewilligung der Kredite sei durchaus vertretbar gewesen, weil die Risiken früher nicht erkennbar gewesen seien.

Politisch wurde der Fall Anfang 2001 brisant und beendete die Karriere Landowskys in Bank und CDU. Damals wurde bekannt, dass die beiden Aubis-Geschäftsführer - zwei langjährige Berliner CDU - Politiker - zeitnah zu der Kreditbewilligung 40 000 DM an ihre Partei gespendet hatten. Das Geld übergab einer von ihnen in bar dem Parteifreund Landowsky in dessen Bankbüro.

Wegen dieser Affäre platzte die große Koalition von CDU und SPD. Der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), ein alter Freund Landowskys, wurde abgewählt, Klaus Wowereit (SPD) sein Nachfolger. Die Bankgesellschaft als Mutterkonzern der Berlin Hyp konnte nur durch staatliche Milliardenhilfen vor der Pleite gerettet werden.

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