17,6 Milliarden Euro
Hohe Strafe für Daewoo-Gründer

Einer der bekanntesten und umstrittensten Unternehmer Koreas ist wegen Milliardenbetrugs zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Kim Woo-Choong, der 69 Jahre alte ex-zentrische Gründer der Daewoo-Unternehmensgruppe, muss zudem umgerechnet 17,6 Milliarden Euro zahlen (21,4 Billionen Won).

TOKIO „Die schwere Haftstrafe war unvermeidbar, weil er die Firmenethik ignoriert und Unregelmäßigkeiten begangen hat, die zum Bankrott der Daewoo-Gruppe geführt haben“, urteilte das zuständige Bezirksgericht in Seoul gestern. Die Staatsanwaltschaft hatte 15 Jahre gefordert. Damit erreicht die Aufarbeitung der spektakulärsten Firmenpleite in der Geschichte Koreas ihren vorläufigen Endpunkt. Fast 80 Milliarden US-Dollar Schulden hatte die Daewoo-Gruppe Ende der neunziger Jahre mit ihrer Expansion im Ausland angehäuft. Auf ihnen blieben der Staat und die Kreditgeber sitzen.

Kim setzte sich 1999 sechs Jahre lang ins Ausland ab, bevor er sich dann stellte. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Bilanzen schönte, um neue Kredite zu erhalten, und Geld unrechtmäßig ins Ausland transferierte. Nur vom Vorwurf der Bestechung von Politikern und Beamten wurde er freigesprochen. Ob Kims Anwälte in Berufung gehen, war zunächst nicht klar. Der Ex-Textilvertreter Kim hatte Daewoo 1968 aus dem Nichts aufgebaut und mit Hilfe enger Beziehungen zur Politik zu einem der größten Firmenkonglomerate des Landes geformt. Er wurde zur Symbolfigur des koreanischen Wirtschaftsaufstiegs. Inzwischen ist Daewoo zerschlagen. Die Mehrheit am Autobauer Daewoo Motor gehört General Motors. Und Hausgerätehersteller Daewoo Electronics steht zum Verkauf.

Kim ist nicht der Einzige, der in den Negativschlagzeilen steht. Der Chef des Autobauers Hyundai Motors, Chung Mong-Koo, sitzt in Haft. Sein Prozess wegen Unterschlagung und Bestechung – wenn auch in kleineren Dimensionen als der Kims – soll in dieser Woche beginnen. Der Chairman der Samsung-Unternehmensgruppe, Lee Kun Hee, entschuldigte sich Anfang des Jahres mit einer Millionenspende. Ihm wurden unrechtmäßige Wahlspenden und intransparente Anteilsverkäufe vorgeworfen. Die Vorwürfe haben Samsungs Hochglanzimage getrübt, auch wenn Lee nicht verurteilt wurde.

Ob Kim indes wirklich wieder hinter Gitter muss, bleibt abzuwarten. Seit seiner Herzoperation im vergangenen Spätsommer ist er vorübergehend aus der Untersuchungshaft entlassen und liegt im Krankenhaus. Bis Ende Juli gilt diese Ausnahmeregelung. Was dann geschieht, ist offen. Aber eines ist klar. Er hat verloren, was er selbst einmal als das wichtigste Gut im Leben – weit wichtiger als Geld – beschrieb: seinen Ruf.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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