„20 Prozent auf Alles“ schließt nicht nur Tiernahrung aus
Richter kassieren Praktiker-Werbung

Einem der bekanntesten deutschen Werbesprüche droht das Aus. Wie die Wettbewerbszentrale in Bad Homburg gestern mitteilte, darf die Baumarktkette Praktiker nicht mehr mit dem Slogan "20 % auf Alles - außer Tiernahrung" in die Öffentlichkeit gehen.

DÜSSELDORF. Dies sei nach einem Beschluss des Bundesgerichtshofs jetzt rechtskräftig, sagte Vereinsjurist Peter Brammen. Werde die Werbung fortgesetzt, drohe ein Ordnungsgeld von bis zu 250 000 Euro. Das Urteil trifft Praktiker in einer denkbar ungünstigen Situation. Die Kaufzurückhaltung der deutschen Heimwerker hat beim direkten Verfolger von Marktführer Obi tiefe Spuren hinterlassen. Im Weihnachtsquartal verloren die blau-gelben Billigbaumärkte auf vergleichbarer Fläche 8,3 Prozent ihres Umsatzes im Vergleich zum Vorjahr. Und auch das erste Quartal 2008 brachte ihnen nach Auskunft von Vorstandschef Wolfgang Werner ein Minus. Trotz Rückgängen im Deutschlandgeschäft hofft der Gesamtkonzern aber immer noch auf Erlöse von 4,1 Mrd. Euro im laufenden Jahr.

Der Streit um den Werbeslogan stammt allerdings noch aus Zeiten, als die heute börsennotierte Baumarktkette fester Bestandteil des Metro-Konzerns war. Das Saarländische Oberlandesgericht hatte auf Antrag der Wettbewerbszentrale schon im Oktober 2006 (Az. 1 U 670/05 - 229) entschieden, dass der Werbeslogan irreführend sei. Als Grund nannten die Richter den Verkauf von Tchibo-Artikeln in den Baumärkten: Da der Hamburger Kaffeeröster seine Badehandtücher, Zuckerdosen und T-Shirts in den Depots als Kommissionsware anbietet, sind auch diese Artikel stets von den Rabattaktionen ausgeschlossen.

Bei der Wettbewerbszentrale waren seit 2004 deshalb Beschwerden über den Praktiker-Slogan eingegangen. In der ersten Instanz hatte die Bad Homburger Selbstkontrolleinrichtung der deutschen Wirtschaft darüber hinaus bemängelt, Praktiker verweigere den angekündigten Rabatt auch beim Verkauf von Zeitungen und Zigaretten. Hier aber hatten sich die Richter auf die Seite des Baumarktbetreibers gestellt: Den Verbrauchern sei bekannt, stellten sie klar, dass es bei diesen Artikeln eine Preisbindung gebe.

In Sachen Tchibo aber ging der Streit weiter. "Wir haben die Tchibo-Stände während der Rabattaktionen abgedeckt", wies ein Praktiker-Sprecher gestern die Beschuldigungen zurück. Das aber reichte den Richtern nicht. Sie befürchteten, dass viele Kunden trotzdem durch die Hoffnung auf Tchibo-Schnäppchen irreführend in die Praktiker-Märkte gelockt würden.

Da das Oberlandesgericht nach seinem Urteil die Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) nicht zugelassen hatte, legte Praktiker Nichtzulassungsbeschwerde zum BGH ein - ohne Erfolg. Ob Praktiker nun auf die Werbung verzichtet oder sich von den Tchibo-Depots trennen wird, wollte ein Konzernsprecher gestern nicht sagen.

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