250. Todestag
Händel, der barocke Musikunternehmer

Heute vor 250 Jahren starb Georg Friedrich Händel. Im Jubiläumsjahr brummt der Handel mit seinen Opern und Oratorien wie dem besonders zu Ostern gern gespielten „Messias“. Doch kaum einer weiß von einer weiteren Seite des Musikgenies – dem erfolgreichen Unternehmer und Investor Händel.

HAMBURG. Geht Hans Joachim Marx am lebensgroßen Gemälde Georg Friedrich Händels im Treppenhaus der Hamburger Staatsbibliothek vorbei, verneigt er sich vor dem Ölbild von 1749. In den Augen des emeritierten Musikwissenschaftlers war Händel ein „eindrucksvoller Mann“, seine Musik „fesselnd und tiefgründig“.

Doch das ist nur eine Seite des Komponisten von „Wassermusik“ und „Messias“, der in seiner Heimatstadt Halle an der Saale das Orgelspiel perfektionierte, in Hamburg die Oper lieben lernte, dann an Italiens Höfen reüssierte und schließlich in der Weltmetropole London das englische Oratorium erschuf.

Nicht nur als Musiker war Händel „außerordentlich erfolgreich“, sagt Kenner Marx, sondern auch seine Geschäftstüchtigkeit sei „in der Musikgeschichte nahezu einzigartig“. In seinem neuen Buch „Händel und seine Zeitgenossen“ widmet er sich auch dem Unternehmer Händel, war der doch einer der wenigen Komponisten der an verarmten Genies reichen Musikgeschichte, die wirtschaftlich erfolgreich waren. Als er am 14. April 1759 starb, betrug die Hinterlassenschaft – je nach Umrechnung – zwei bis sechs Millionen Euro. Angelegt vor allem in Wertpapieren.

„Statt vom Hof abhängig zu sein, hat er sich selbstständig gemacht“, sagt Marx. Die Alimentation durch das englische Königshaus machte nur ein Viertel von Händels Einkommen aus. 1714 hatte der Herzog von Hannover als Georg I. Englands Thron erobert – ein Händel-Fan.

Händels erster Bestseller war die aus Italien importierte Oper. Anfang des 18. Jahrhunderts hatte London musikalischen Nachholbedarf – und den deckte der Sachse gezielt. „Händel wusste genau, was die höfische Gesellschaft und das angehende Bürgertum wollten“, sagt Marx.

Kern des Geschäftsmodells von Händel war die Qualität seiner Musik. Der Importhandel blühte. „In der Stadt brach das Opernfieber aus“, berichtet der Händel-Biograf Christopher Hogwood. Zu den Aufführungen strömten die Londoner in Scharen. Von 1719 an agiert Händel als musikalischer Leiter einer Aktiengesellschaft, der „Royal Academy of Music“. Als lukrativ erweist sich seine persönliche Beteiligung am Verkauf von Eintrittskarten und Noten.

Damals wie heute nützt einem Unternehmer ein gutes Netzwerk, Händel knüpfte es. Es waren nicht nur berühmte Sänger, die ihm zum Erfolg verhalfen, sondern auch Orchestermusiker und Chorsänger, Textdichter und Übersetzer, Bühnenmaler, Notenkopisten und Agenten. „Musical Affairs“ nannte Händel seine Arbeit mit britischem Understatement.

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