3i-Chef Michael Queen: Vom Wartestand in den Chefsessel

3i-Chef Michael Queen
Vom Wartestand in den Chefsessel

„Was lange währt, wird endlich gut“, mag sich Michael Queen gedacht haben, als er in dieser Woche endlich auf den Chefsessel der britischen Beteiligungsgesellschaft 3i rückte. Vor fünf Jahren hatte Queen beim Kampf um die Spitze von Europas größter börsennotierter Private-Equity-Firma noch den Kürzeren gezogen, nun soll er 3i durch die Krise manövrieren.

LONDON. Weil der 47-Jährige als zu unerfahren galt, bekam damals ein Manager von außen den Job, Philip Yea. Yea sollte die Schäden beseitigen, die das Platzen der Internetblase in der Bilanz von 3i angerichtet hatte.

Jetzt sind wieder Aufräumarbeiten angesagt. In dieser Woche musste Yea völlig überraschend seinen Hut nehmen, und dieses Mal hat Queen den Sprung an die Spitze geschafft. Allerdings ist es keine besonders gute Zeit, um die Führung einer Beteiligungsgesellschaft zu übernehmen.

Die gesamte Branche geht derzeit durch ein tiefes Tal. Die globale Kreditkrise nimmt das Geschäftsmodell der Private-Equity-Firmen gleich von zwei Seiten in die Zange. Zum einen haben die schwer angeschlagenen Banken die Vergabe von Krediten, mit denen die Beteiligungsgesellschaften ihre Übernahmen finanzieren, stark eingeschränkt. Zum anderen finden sich – wegen der aufziehenden Rezession – derzeit kaum Käufer für Unternehmen aus den Portfolios der Finanzinvestoren.

Dieser Misere konnte sich auch 3i nicht entziehen. In den vergangenen sechs Monaten hat die Gesellschaft mehr als zwei Drittel ihres Börsenwertes verloren. Vor allem weil sich die Investoren Sorgen über den hohen Schuldenstand von 3i machen.

Besserung scheint vorerst kaum in Sicht. In dieser Woche musste 3i den Buchwert seiner 50 größten Beteiligungen um mehr als 20 Prozent oder 864 Mill. Pfund senken. Der Aktienkurs des Unternehmens, das sich unter Yeas Ägide auf Engagements bei mittelgroßen Firmen quer durch Europa spezialisiert hatte, sackte darauf hin noch einmal ab – auf ein neues Rekordtief.

Am Ende scheiterte Yea vor allem daran, dass er dem Druck seiner Investoren nachgab, und während des Booms eigene Aktien im Wert von 2,2 Mrd. Pfund zurückkaufte. Geld, dass dem Unternehmen jetzt fehlt, um die Bilanz zu stabilisieren. Derzeit verfügt 3i über 839 Mio. Pfund an Cash-Reserven und ungenutzten Kreditlinien. Dem stehen Schulden von 2,1 Mrd. Pfund gegenüber. Kann der neue Chef das Traditionsunternehmen mit einer Geschichte von rund 60 Jahren aus der Krise führen? Kollegen beschreiben Queen als verlässlichen Manager, der sich nicht nur um die Strategie, sondern auch intensiv um das Tagesgeschäft kümmere. Nach Einschätzung von Analysten zeigt der Abgang von Yea und die Ernennung von Queen, dass sich 3i auch weiterhin auf schlechte Zeiten einstelle. Dennoch erwarten die meisten Experten von dem Neuen keine radikale strategische Neuausrichtung.

Das Unternehmen kennt Queen zumindest ganz genau. Der Manager arbeitet bereits seit 1987 für 3i. Seit 1994 gehört er zum Vorstand. Und in der letzten schweren Krise, als die Technologieblase an den Börsen platzte, machte Queen als Finanzvorstand mit. Zuletzt war es seine Aufgabe, das neue Geschäftsfeld Infrastruktur-Investitionen für seinen Arbeitgeber aufzubauen, ein Bereich, der als einer der erfolgreichsten bei 3i gilt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%