60-Milliarden-Investition
Deutsche Konzerne klotzen bei Innovationen

Selbst in der Krise haben deutsche Unternehmen die Budgets ihrer Forscher und Entwickler geschont, jetzt stocken sie kräftig auf. Damit rückt Deutschland auch international vor - nur noch wenige Nationen stecken mehr Geld in die Forschung.
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BERLIN. Die deutschen Unternehmen geben bei Forschung und Entwicklung Gas wie nie. Schon im kommenden Jahr könnten sie die magische Schwelle von 60 Milliarden Euro für Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) überspringen - nur fünf Jahre nachdem sie die 50-Milliarden-Marke geknackt hatten.

Selbst "die Krise hat nur eine Delle hinterlassen", sagte der Vizepräsident des Stifterverbandes für die deutsche Wissenschaft, BASF-Chef Jürgen Hambrecht, bei der Präsentation der Zahlen, die der Verband bei den Unternehmen erhebt. 2009 hat die deutsche Wirtschaft die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zwar um knapp zweieinhalb Prozent gesenkt - das Minus war jedoch deutlich geringer als der Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt (BIP), das nominal um 3,5 Prozent zurückging (real um 4,7 Prozent).

Und nun geht es deutlich bergauf: Sowohl für das laufende Jahr als auch für 2011 rechnet der Stifterverband mit einem Plus von vier Prozent bei den F&E-Ausgaben. "Und das ist eher der untere Rand", fügt Hambrecht hinzu. Das bedeutet, dass die Ausgaben sogar stärker steigen könnten als die Wirtschaftskraft insgesamt. Anders als in früheren Jahren sind auch die kleinen und mittleren Unternehmen innovationstechnisch wieder im Kommen. Ihr Anteil an den gesamten F&E-Aufwendungen ist seit 2006/2007 wieder gewachsen, berichtet der Experte des Stifterverbandes, Gero Stenke.

Zu den Unternehmen, die ihr Forschungsbudget trotz Umsatzeinbruch konstant hielten, gehört der Persil-Hersteller Henkel: Im Schnitt waren es durchgängig rund 100 Mio. Euro pro Quartal. Er forschte in der Krise etwa an Klebstoffen, die bei Verpackungsherstellern Material sparen. "Stillstand in der Forschung ist ein Rückschritt", sagt eine Henkel-Sprecherin.

Auch der Maschinenbauer Trumpf aus Ditzingen bei Stuttgart hat im Geschäftsjahr 2009/10 die Ausgaben für Forschung und Entwicklung zwar absolut gesenkt, gemessen am Umsatz sind sie jedoch von 9,3 auf 9,7 Prozent gestiegen. Die Zahl der Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung hat der Laserspezialist sogar von 1074 auf 1097 Personen gesteigert. "Wir haben bereits 2008 zu Beginn der Krise eine Entwicklungsoffensive gestartet und unser Angebot nach unten erweitert, um zum Beispiel günstige Einsteigermaschinen liefern zu können", sagte eine Trumpf-Sprecherin.

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