9,6 Milliarden Arbeitsstunden werden „verschenkt"
Die Leute drehen Däumchen – Manager sind schuld

Eine aktuelle Studie warnt: Die Produktivität der Unternehmen stagniert, weil die deutschen Manager Führungsfehler machen.

Die Deutschen müssen mehr arbeiten, dann klappt's auch mit dem Aufschwung. So korrekt die immer wieder von deutschen Wirtschaftskapitänen erhobene Forderung aus volkswirtschaftlicher Sicht auch sein mag – die Manager müssen sich erst einmal an die eigene Nase fassen. Das ist das Ergebnis der dritten globalen Produktivitätsstudie der Unternehmensberatung Czipin & Proudfoot.

Sagenhafte 83 von 225 Arbeitstage pro Jahr drehen deutsche Arbeitnehmer danach Däumchen. Das sind 9,6 Milliarden Arbeitsstunden, die die Unternehmen jedes Jahr 238 Milliarden Euro kosten – rund 11,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Es sind nicht Drückeberger, die die Bilanz so verhageln. Nein, die Kapitäne selbst verzetteln sich und schlagen Kurse fern jeder Effizienz ein.

Aus 1 440 Einzelberatungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Südafrika, Australien und den USA hat Czipin & Proudfoot die Hauptursachen für die Produktivitätsverluste von Unternehmen destilliert: Mangelnde Planung und Steuerung stehen mit 41 Prozent nach jeweils 43 Prozent in den beiden Jahren zuvor an der Spitze, gefolgt von mangelnder Führung und Aufsicht mit 26 Prozent (2002: 23 Prozent). Die deutschen Unternehmen liegen bei mangelnder Planung und Steuerung mit 44 Prozent deutlich über dem Durchschnitt und bei mangelnder Führung und Aufsicht verzeichnen sie die stärksten Zuwachsraten – von 17 auf 23 Prozent in zwei Jahren.

Für Stephan Zinser vom Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung in Heidelberg keine Überraschung: „Ich hätte schlechte Führung sogar an erster Stelle erwartet.“ Der Grund: „Die Qualifikation der Manager ist ein Problem.“ Die Führungssysteme in deutschen Unternehmen hinken laut Zinser der Entwicklung hinterher. „Arbeitsplätze werden immer mobiler, da kann man nicht mehr nach Anwesenheit oder Aufgaben führen. Zielvorgaben sind heute passendere Instrumente der Unternehmensführung.“

Nur werden diese von vielen Managern nicht beherrscht, so das sie vom Kurs abkommen. Bittere Folge mangelnder Führungsqualität: Die Mitarbeiter nehmen’s übel und quittieren die Schwäche der Bosse mit abnehmender Arbeitsmoral – während sie im Durchschnitt der sieben Länder steigt.

Fazit: Die falschen Prioritäten der Manager sind es, die die unternehmerische Produktivität weltweit unter Druck setzen. Statt an ihren eigenen unerschlossenen Produktivitätsreserven zu arbeiten, glauben 39 Prozent von 400 durch Czipin & Proudfoot zusätzlich Befragten, dass neue Investitionen die Produktivität deutlich steigern könnten.

Nur drei Prozent erachten sorgfältige Planung und Steuerung für besonders wichtig. Ein krasser Gegensatz zum Ergebnis der Studie. „Die Resultate zeigen: Wenn Unternehmen ihre Produktivität steigern wollen, brauchen sie vor allem ein effizientes Management. Der Einsatz von Kapital spielt eine untergeordnete Rolle“, urteilt Andreas Wurst, Vizepräsident von Czipin & Proudfoot.

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