Ab November - Softwarekonzern will sich mit Pankes Hilfe in Richtung Europa öffnen
Microsoft holt BMW-Chef ins Kontrollgremium

Microsoft- Chef Steve Ballmer will den weltgrößten Softwarekonzern stärker in Richtung Europa öffnen und holt sich prominente Unterstützung aus Deutschland.

FRANKFURT/ROM. BMW-Vorstandschef Helmut Panke soll als erster Nicht-Amerikaner in das „Board of Directors“ von Microsoft einziehen, ein dem Aufsichtsrat vergleichbarem Kontroll- und Beratergremium. Im Gespräch mit dem Handelsblatt begründete Ballmer den Schritt mit dem Wunsch, „mehr internationale Expertise“ in die Führung zu integrieren.

Außer Panke soll auch der ehemalige AT&T-Manager Charles Nkosi das auf zehn Köpfe erweitertete Microsoft-Board verstärken. Microsoft folgt damit dem Vorbild anderer IT-Unternehmen, die sich schon früher Manager von außen in ihre Kontrollgremien geholt haben. So saß bis vor kurzem ABB-Chef Jürgen Dormann im „Board of Directors“ von IBM. Dem Aufsichtsrat von SAP gehört Pekka Ala-Pietilä, President von Nokia, an.

„Panke ist für Microsoft Deutschland ein Glücksfall, weil er trotz der globalen Perspektive sehr gut mit den deutschen und europäischen Märkten und deren Besonderheiten vertraut ist“, sagte Jürgen Gallmann, Chef der deutschen Microsoft GmbH. Panke selbst will sich nicht vor November äußern.

Nach Informationen aus Branchenkreisen führt die Dominanz der Amerikaner in der globalen Microsoft-Organisation immer wieder zu Reibereien. Zudem habe Microsoft in Deutschland die eigenen Ziele mehrfach verfehlt. Mit dem neuen Management und Gallmann an der Spitze habe sich das Unternehmen nun neu positioniert. „Das ist aus Sicht des Unternehmens sicher ein richtiger und wichtiger Schritt“, begrüßte Helmuth Gümbel, unabhängiger IT-Analyst, die Berufung Pankes.

Um die Stellung der Regionen zu stärken, hat Ballmer ein weltweites Führungsteam für Vertriebs- und Marketingfragen installiert, dem je ein Vertreter der wichtigsten Länder angehört, darunter auch ein Deutscher. Ballmer rechnet in den kommenden Jahren in Europa mit einem stärkeren Wachstum als in den USA. Im Geschäftsjahr 2003 erzielte Microsoft rund 30 % seines Umsatzes in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA). Im Jahr 2000 waren es noch 22,3 %.

Die Berufung Pankes könnte dem US-Unternehmen zudem helfen, sein angekratztes Image in Europa in puncto Sicherheit aufzubessern. Erst kürzlich hatten Computerviren bei Microsoft-Anwendern große Probleme verursacht. Eine Herausforderung ist laut Ballmer auch die Open-Source-Software Linux, „die uns direkt bei unserem Kernprodukt Windows Konkurrenz macht“. „Die Open-Source-Bewegung ist in Europa und Asien stärker als in den USA“, bestätigt Analyst Gümbel.

Ballmer stellte aber klar, dass die Berufung von Panke – am BMW-Sitz München will die Stadtverwaltung Microsoft durch Linux ersetzen – keine politische Entscheidung sei. „BMW ist ein global agierendes Unternehmen. Es ist reiner Zufall, dass der Firmensitz von BMW in München ist“, sagte er.

Zurückhaltend äußerte sich der Microsoft-Chef zum Geschäft. „Es ist schwieriger, ein Unternehmen mit 32 Milliarden Dollar Umsatz mit derselben Geschwindigkeit weiter wachsen zu lassen, wie in der Zeit, als es noch 16 Milliarden Dollar Umsatz waren.“

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