ABN-Amro-Chef
Rijkman Groenink: Musischer Banker

Die Berufung von Rijkman Groenink zum Chef der niederländischen Bank ABN-Amro war für viele ein Kulturschock: Mit seiner direkten, zupackenden Art schien der Liebhaber moderner Kunst und Musik nicht so recht zum Stil des Hauses zu passen. Mittlerweile ist der 57-jährige fast sieben Jahre im Amt, wenngleich unter seiner Regie nicht alles optimal verlief.

pot Dass grenzüberschreitende Fusionen in Europa mitunter Tücken haben, weiß Rijkman Groenink aus eigener Erfahrung. Bei der Übernahme der Banca Antonveneta im letzten Jahr musste der ABN-Amro-Chef massiven politischen Widerstand in Italien überwinden, bevor er letztlich zum Zuge kam. Unter anderem hatte der Kampf um Antonveneta zu einer Intervention der EU-Kommission und zum Rücktritt von Italiens Notenbankchef Antonio Fazio geführt, der die Übernahme durch die Holländer auf Biegen und Brechen hatte verhindern wollen.

Mit dem Kauf von Antonveneta fand Groenink endlich den „zweiten Heimatmarkt“ in Europa, den er seit Jahren gesucht hatte, weil die mächtige Bank in den Niederlanden an die Grenzen des Wachstums stößt. Seit Mai 2000 steht der 57-jährige Jurist an der Spitze von ABN Amro. Sein ganzes Berufsleben verbrachte er nur bei diesem Institut, beziehungsweise der Amro Bank, die 1990 mit ABN verschmolz. Seine Karriere begann er als Produktmanager im Flilialgeschäft, später war er vor allem im Firmengeschäft tätig. Die Berufung des Liebhabers moderner Kunst und Musik, der im Beirat diverser Museen und Kultureinrichtungen sitzt, war für viele ein Kulturschock: Mit seiner direkten, zupackenden Art schien der Hobbygolfer und -Tennisspieler nicht so recht zum Stil des Hauses zu passen: Manche Mitarbeiter duzen ihn, was unter seinem Vorgänger undenkbar war.

Strategisch propagierte Groenink neben dem Ausbau des Auslandsgeschäfts – er kaufte Banken in Brasilien, den USA und Deutschland – auch eine konsequente Ausrichtung am Aktionärsinteresse (Shareholder Value). Hier war er indes nicht erfolgreich: Die Aktie lahmt seit Jahren, und die Aktionäre werden nun allmählich ungehalten.

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