Abrikosow, Ginsburg, Leggett
Portraits der Physik-Nobelpreisträger

Den Physik-Nobelpreis 2003 teilen sich der Russe Vitali Ginsburg, der russisch-amerikanische Forscher Alexej Abrikosow und der britisch-amerikanische Physiker Anthony Leggett.

HB HAMBURG. Vitali Ginsburg erhielt die hohe Ehrung drei Tage nach seinem 87. Geburtstag. „Nun, ich glaube, wenn man alt genug wird, bekommt man irgendwann immer den Nobelpreis“, hat er vor einigen Jahren nach Angaben eines Kollegen gesagt. Ginsburg gilt in Russland als einer der Patriarchen der Physik. In seiner Laufbahn hat sich der gebürtige Moskauer unter anderem der Astrophysik, der Nuklearphysik und der Wissenschaft der Supraleiter gewidmet.

Der Mitstreiter des Atomphysikers und Friedens-Nobelpreisträgers Andrej Sacharow war am Bau der sowjetischen Wasserstoffbombe beteiligt. Sein Meisterwerk schuf Ginsburg jedoch zusammen mit dem 1968 gestorbenen Kollegen Lew Landau: Die quasiphänomenologische Theorie der Supraleiter. Die weiterführende Forschung brachte ihm nun den Nobelpreis. Ginsburg ist Chefredakteur der in Russland namhaften Zeitschrift „Erfolge der physikalischen Wissenschaften“ und setzt seine theoretischen Forschungen am Physikinstitut der russischen Akademie der Wissenschaften fort.

Alexej Abrikosow sagte kurz nach der Bekanntgabe der Physik- Nobelpreisträger: „Ich bin enorm erleichtert. Jetzt hat sich mein Leben doch gelohnt“. Der russisch-amerikanische Physiker war bis zum Ende der Sowjetunion Direktor des Instituts für Hochdruckphysik und Leiter der Abteilung Theoretische Physik am Moskauer Institut für Stahl und Legierungen (ITEP). 1991 folgte er einem Ruf in die USA. Der 75-Jährige ist der Überzeugung: „Eine gute Idee zahlt sich Jahrhunderte lang aus.“

Abrikosow arbeitet am Argonne National Laboratory in Illinois und lebt mit seiner Frau in der Nähe des Labors. Der Physiker formulierte eine Theorie zu so genannten Typ-II-Supraleitern, die Strom auch in hohen Magnetfeldern verlustfrei leiten. Kollegen schätzen Abrikosow als „gründlichen Denker“ und „liebenswürdige Person“. In der Wissenschaft sei er jedoch sehr hart.

Den britischen Physiker Anthony J. Leggett bezeichnen seine Kollegen als „Geistesriesen“. Der 65-Jährige genießt weltweit Anerkennung für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Niedrigtemperatur- Physik. Er wurde in London geboren und besitzt die britische und die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Leggett gilt als bescheiden und zurückhaltend. „Leggett hat als Brite das englische Understatement“, sagte Prof. Peter Wölfle von der Universität Karlsruhe.

Leggett hatte sein Studium 1959 in Oxford mit Philosophie begonnen und kam erst später zur Physik. Vor rund 20 Jahren ging er an die Universität von Illinois (USA), wo er schon zuvor geforscht hatte. Einen wesentlichen Beitrag leistete Leggett zum theoretischen Verständnis der quantenphysikalischen Phänomene von Supraleitung und Supraflüssigkeit. Er konzentrierte sich dabei auf Helium, das bei niedrigen Temperaturen die Viskosität verliert.

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