Absteiger des Jahres
Matthias Graf von Krockow – Der Tragische

Die beliebte rheinische Formel "Et hätt noch immer jot jejange" galt lange auch für die Familie der Oppenheims. Bis der Schwiegersohn in Gestalt von Graf Krockow die Zukunft des Bankhauses verspielte - ein Lehrstück für Deutschlands Familienunternehmen.
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Den Aristokraten ereilte 2010 der bürgerliche Tod. Das gewaltige Vermögen, die gewichtige Stellung und der gehobene Status - alles perdu. Gesellschaftlich findet Matthias Graf von Krockow nicht mehr statt. Der Graf wird als derjenige persönlich haftende Gesellschafter in die Unternehmensgeschichte eingehen, der die Unabhängigkeit des Bankhauses Sal. Oppenheim preisgab, viele sagen: verspielt hat. Tatsächlich verlor die Familie unter der Ägide des Schwiegersohns nach 221 Jahren die Inhaberschaft der Bank.

Mich erfüllt das unwürdige Ende dieser altehrwürdigen Kölner Institution mit Trauer, Mitleid, Unverständnis und Wut. Trauer, dass ein Bankhaus, das über mehr als zwei Jahrhunderte alle Wechselfälle der Geschichte makellos überstand, zuletzt an sich selbst zugrunde ging. Mitleid, dass viele gutgläubige Gesellschafter darüber ihr gesamtes Vermögen verloren haben. Unverständnis, dass die Familie ihr Unternehmen nicht besser vor der Familie zu beschützen wusste. Und Wut, dass falsche Freunde die Schwäche der Familie ausnutzten und das Bankhaus ausplünderten.

"Familienunternehmen haben einen ganz großen Vorteil und einen ganz großen Nachteil, und beides ist die Familie", bringt es der große Familienunternehmer und Miele-Mitinhaber Peter Zinkann auf den Punkt. So war es auch bei Oppenheim. Über Jahrhunderte war die Familie oder - besser gesagt - die Inhaberfamilien der Motor und Stabilisator dieses Bankhauses. Und über Generationen gelang es der Familie, ordentliche Leute aus den eigenen Reihen sowie Bankfachleute von draußen als persönlich haftende Gesellschafter in die Bank zu holen. Mit dieser informellen Erfolgsformel im Gepäck trat die Familie an, auch das dritte Jahrhundert des Bankhauses zu meistern.

Dass aus der Stärke eine Schwäche, dass aus dem Erfolgsrezept ein Experiment werden könnte, ahnten viele erstmals am 5. Mai 2004. Zum 70. Geburtstag des Patriarchen Alfred Freiherr von Oppenheim hatte sich fast die ganze Deutschland AG im Garten des Oppenheim'schen Privatanwesens in der Kölner Marienburg versammelt. Der Polizeichor sang fröhliche Lieder, der Patriarch trat ab und überließ Graf Krockow die Bühne. Bei Bärlauchrisotto und Schrobenhausener Spargel tuschelten die 400 handverlesenen Gäste dann eifrig, ob von Krockow die großen Fußstapfen von "Alfi" nur annähernd werde ausfüllen können.

Schon beim Dessert einigten sich viele Familienmitglieder aber auf die beliebte rheinische Formel: "Et hätt noch immer joot jejange".

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  • Alle Partner der Bank Hauptmann Graf von Krockow,
    wollten doch nur das machen was sie für richtig hielten und überzeugten
    Jedes mal den Christopher von Oppenheim der mir persönlich leid tut
    wenn der Alfi noch am leben wäre hätte er schon alle raus geschmissen
    und Oppenheim wäre heute immer noch die Nummer eins!
    Ps: ich wünsche mir es vom Herzen das Baron Christopher von Oppenheim
    die Bank wieder zurück kauft Gott soll ihm die Kraft dazu geben damit er es auch weiter an seine Kinder weiter geben kann! Gruß Der Türke

  • Die Analyse um den Verlust der Eigenständigkeit von Sal.Oppenheim zeigt auf wie ein ganzer Familienverbund über viele Jahre jegliche Form von Anstand,guter Sitte und Wohlverhaltensregel mißachtet hat.Dabei erscheint Mathias Graf Krockow doch nur als Sündenbock.Trifft nicht die Hauptschuld diejenigen Familienmitglieder die als Familienstammsprecher in sämtlichen Kontrollgremien saßen und dafür auch noch von den übrigen Gesellschaftern bezahlt wurden?
    Der Umstand dass erwiesener Maßen Journalisten und andere Widersacher über längere Zeiträume observiert wurden, zeigt auf welche moralischen Maxime der Antrieb für das Tun und Handeln des erweiterten Familienverbundes der von Oppenheims war.Kaum zu glauben ist der Umsatnd dass ausgerechnet ein Familienmitglied und gescheiterter Familienstrammsprecher weiterhin seine Kontrollfunktion in einem beirat eines industriebetriebes in Deutschland ausübt.Den Gesellschaftern dieses betriebes wäre zu wünschen nach der Analyse von Handelsblatt zeitnah eine personelle Veränderung im beirat herbeizuführen um nicht Vorgelebtes selber zu erfahren.
    Dr.med.Wigand von bremen

  • Guten Tag,... Richtig " Profit " . Alle blaubluetigen die mir untergekommen sind waren ohne ihre Karnevalstitel die reinsten idioten. ( ich kannte vom Ritter bis zur Prinzessin )Jahrhunderte uebe haben diese blutsauger das Volk ausgepluendert und sich gegenseitig emporgeschaukelt. Richtig ist auch dass ein Mann von Ehre ( also keiner von diesen Waschlappen ) sich die Kugel gibt. besten Dank

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