Abwehrkampf gegen Schaeffler
Contis Ausputzer könnte Nutznießer werden

Continentals Multivorstand Alan Hippe erweist sich im Abwehrkampf gegen die Attacke von Schaeffler als wichtigste Stütze für Conti-Chef Manfred Wennemer. Doch der Kronprinz könnte auch vom Sturz seines Chefs profitieren.

DÜSSELDORF. Seine Tage sind lang, die Nächte sind kurz. Jeden Morgen warten auf Continentals Multivorstand Alan Hippe neue, dringende Aufgaben: Abstimmung mit Konzernchef Manfred Wennemer, Telefonate mit Anwälten von Freshfields Bruckhaus Deringer, Bankern von Goldman Sachs und mit Investoren. Trotzdem sehe Alan Hippe stets frisch aus wie gestriegelt, sagt ein Beteiligter.

Conti steht das Wasser bis zum Hals, die Schaeffler-Gruppe will den Dax-Konzern übernehmen. Hippe kommt nun zugute, dass er als ehemaliger Wettkampfschwimmer Härte verinnerlicht hat. Bis er mit 16 Jahren verletzungsbedingt die Badehose gegen den Basketball eintauschte, trainierte er mit eiserner Disziplin im Becken. Anfang der 80er-Jahre kam der gebürtige Darmstädter so in die Jugend-Nationalmannschaft.

Heute fehlt Hippe, der bereits mit 35 Jahren in den Conti-Vorstand einzog, die Zeit für Sport. Aus den USA fliegt er meist nachts zurück, um am nächsten Tag pünktlich am Schreibtisch sitzen zu können. Ehrgeiz, Disziplin und Fairness prägen den Familienvater bis heute, sagen Vertraute. „Hippe steht für einen modernen, angelsächsisch-dynamischen Typ des Finanzmanagers“, sagt der Analyst Frank Schwope von der NordLB.

Nebenbei muss Contis Finanzchef noch die Autoreifensparte führen, die mit zuletzt fast fünf Milliarden Euro den Löwenanteil des Conti-Jahresumsatzes von 16,6 Milliarden Euro erwirtschaftete – und mit 14,8 Prozent Umsatzrendite der Gewinnbringer des Konzerns war.

Hippe steht im Zentrum der Abwehrbemühungen von Conti. Als Finanzchef sowieso, aber auch als Spartenchef. Die Reifensparten gelten als Verkaufskandidaten, da sie für das Zuliefergeschäft, das Schaeffler interessiert, keine zwingende Rolle spielen. Verkaufskandidat Nummer drei ist die Schlauchsparte Conti-Tech. Und deren Führung soll Hippe zum 1. Oktober auch noch übernehmen – er ist Wennemers Kronprinz. Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg wollte eigentlich bis September einen Nachfolger als CFO finden.

Seit einer Woche ist alles anders für Hippe – wegen Schaeffler. Das Familienunternehmen setzt an, einen mehr als dreimal größeren Dax-Konzern zu schlucken.

Mittendrin steckt Hippe, 41. Sein Chef Wennemer unterstrich am Wochenende seine Linie: Als strategischer Investor sind ihm die Schaefflers bis zu einem Anteil von 20 Prozent willkommen – eine Übernahme aber lehnt er ab. Vergangenen Mittwoch schmetterte der 61-Jährige das offizielle Angebot von Schaeffler aufgebracht als „opportunistische Offerte“ ab. Das „Heranschleichen“ der Franken hat ihn erbost. 69,37 Euro pro Aktie bieten sie. Wennemer und Hippe sehen den wahren Wert von Conti eher bei 100 Euro – das werden sie ihren Kontrahenten bei einem Treffen in dieser Woche wohl nochmals verdeutlichen.

Hippe organisiert den Abwehrkampf, zumal in sein Ressort die Rechtsabteilung fällt – derzeit das Hauptschlachtfeld. Zwei Briefe ließ Hippe sich von den Anwälten der Hamburger Freshfields-Dependance entwerfen. Adressat: die Finanzaufsicht BaFin. Hippe will erreichen, dass Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger keinen Zugriff auf die mit Optionsgeschäften über neun verschiedene Banken erworbenen Conti-Anteile von 28 Prozent bekommt.

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