Ackermanns Abschied

Am Ende ist er einfach der nette Joe

Josef Ackermann verlässt die große Bühne der Finanzwelt. Sein Abschied als Präsident des Großbankenverbands IFF ist eine große Inszenierung. Der umstrittene Bankchef tritt mit einem Lächeln ab.
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Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann tritt ab.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann tritt ab.

FrankfurtUm „Sein oder Nichtsein“ ging es Hamlet, und der Prinz befand, es sei etwas „faul im Staate Dänemark“. Shakespeare ließ das Drama in der mächtigen, von grün behelmten Türmen überragten Festung Kronborg spielen, die direkt an der See im dänischen Helsingör liegt, die alten Kanonen auf das gegenüber liegende schwedische Ufer ausgerichtet. Ein glanzvoller Ort, um Josef Ackermann als Präsident des mächtigen Großbankenverbands IIF zu verabschieden.

Heute geht es um Sein oder Nichtsein der Euro-Zone, und faul ist etwas in sehr vielen europäischen Staaten, wenn auch nicht gerade in Dänemark. Ackermann ließ sich davon nicht die Laune verderben. Selten hat man ihn so gelöst erlebt wie an diesem Mittwoch abend, während er bei einem Sekt-Empfang im riesigen Hof der alten Burg buchstäblich mit Pauken, Trompeten und Böllerschüssen gefeiert wird. Am Ende seiner rund neunjährigen Amtszeit als Chef der internationalen Bankenlobby, und kurz nach seinem Abtritt als Chef der Deutschen Bank, ist er einfach der nette Joe, der alle seine Freunde umarmt und kräftig Hände schüttelt.

Zehn Dinge, die Sie noch nicht über den Top-Banker wussten
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Josef Ackermann war Chef der Deutschen Bank und Präsident des weltweiten Bankenverbandes IIF, Berater der Politik, Superstar des Kapitalismus und Zielscheibe der Kritiker, er ist Vater, Schweizer und wurde einmal zum bestaussehenden Manager gewählt. Wenn Sie noch mehr wissen wollen über Deutschlands schillerndsten Wirtschaftskapitän - Erfahren Sie zehn Fakten, die sie (vielleicht) noch nicht kennen.

Quellen: "Ackermanns Welt" (Leo Müller, Rowohlt)

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Frankfurt, London, New York, Zürich - Josef Ackermann ist ständig unterwegs. Mit dabei trägt er ein schwarzes Täschchen, Inhalt: Franken, britische Pfund, Dollar und rund 200 Euro. Plus Kreditkarten. „Ich will keine Platinum- oder sonst welche Extrakarten“, sagte der Bankchef seinem Biographen Leo Müller. „Da bleibe ich lieber bodenständig.“

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Ackermanns zweiter Name ist Meinrad. Geboren wurde er am 7. Februar 1948 in Walenstadt, Ostschweiz. Groß wurden Josef und seine zwei Brüder in Wels, einem 6000-Einwohner-Dorf im Sarganserland. Die Einheimischen nennen die Gegend Heidiland.

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Sein Wirtschafts-Studium absolvierte Ackermann ab 1967 an der Hochschule St. Gallen. Er beendete es 1977 mit seiner Dissertation zum Thema „Der Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen - eine Analyse“. Note: 1,25. Die Arbeit trug die Widmung: „Frl. P. Mölsä, lic. oec., welche mein schlecht leserliches Manuskript in eine druckreife Form brachte“. Das benannte Fräulein, Pirkko Mölsä, wurde noch im selben Jahr Ackermanns Ehefrau. Mit der Volkswirtin aus Finnland, die er im Studium kennengelernt hatte, hat Ackermann eine gemeinsame Tochter, Catherine. Sie wurde 1984 geboren.

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Ackermann schaffte es beim Schweizer Militär, damals die Kaderschmiede für die Elite des Landes, bis zum Oberst. Bei der Grundausbildung erhielt der spätere Top-Manager auch seinen Spitznamen "Joe" (vorher wurde er "Sepp" genannt). Grund: Es gab gleich mehrere Josefs in der Kompanie.

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Ackermanns Engagement für die Deutsche Bank begann im Frühjahr 1996 mit einem Anruf von Hilmar Kopper (im Bild). "Ich kann dir nicht meinen Stuhl versprechen, aber wenn du dich langweilst, dann komm nach Frankfurt", sagte der damalige Vorstandssprecher des Instituts zu Ackermann. Der Schweizer hatte nur Tage zuvor als Präsident der Schweizerischen Kreditanstalt (SKA, später Credit Suisse) hingeworfen, weil er sich bei der Restrukturierung nicht angemessen berücksichtigt gefühlt hatte.

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Die Anschläge vom 11. September 2001 verfolgte Ackermann im 35. Stock der Deutschen-Bank-Zentrale in Frankfurt. "Wir sahen, wie das zweite Flugzeug um unser Bankers-Trust-Gebäude herumgeflogen kam, und wir bangten, ob auch unser Turm einstürzt", so der Banker später zu Biograph Müller. Die Deutsche Bank hatte das US-Großinstitut 1999 übernommen. Kurz nach den Anschlägen flogen Ackermann und seine Frau nach New York und blieben drei Wochen dort, um sich um die Bankers-Trust-Mitarbeiter zu kümmern. Das Gebäude wird abgerissen.

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Im Inneren des Gebäudes, in dem man die antiken Möbel und Wandteppiche nicht nur sehen, sondern förmlich riechen kann, geht die Feier weiter. Ackermanns Nachfolger Douglas Flint, Präsident von HSBC, beglückwünscht ihn, er habe in dieser schwierigen Phase ein gutes Timing gefunden, sich von der Verantwortung zu verabschieden. Der Moderator des Abends aber ist IIF-Geschäftsführer Charles Dallara, der, wie vorab durchgesickert war, sich ebenfalls aus seinem Abend verabschieden wird. „Charles“ kann gar nicht genug davon bekommen, seinen lieben „Joe“ zu loben.

Und wie bei einer Hochzeitsfeier dürfen dann auch die Fotos aus der Kinder- und Jugendzeit nicht fehlen, untermalt von einer Mozart-Sonate: der kleine Josef als Baby, süß wie alle Babys; bei seinen ersten Versuchen auf Skiern; ziemlich lässig und gut aussehend als junger Mann während eines Urlaubs in Venedig; Josef am Klavier, sein Bruder an der Geige; und dann Joe Ackermann mit allen möglichen Prominenten dieser Welt, darunter auch die Opernsängerin Anna Netrebko und ihre Kollegen Placdio Domingo und Luciano Pavorotti.

Und so geht der Abend weiter, mit vielen Reden und viel Essen, während Jahrhundert alte, in Öl gemalte Gestalten schweigend auf das Geschehen in dem düsteren Rittersaal hinabschauen. Weil Joe Musik mag, darf die auch nicht fehlen: Die amerikanische Sängerin Alyson Cambridge gibt einige Schlager der Klassik, von der „Habanera“ aus Bizets Carmen über die „O mio babbino caro“ von Puccini bis zu Gershwins „Summertime“ zum Besten.

Am Ende enthüllt Dallara noch Ölgemälde, das Ackermann zeigt. Der Gefeierte selbst verabschiedet sich dann mit einer sehr kurzen Rede, in der er immerhin einen Fehler einräumt. Als Dallara ihm vorgeschlagen habe, die Banken sollten sich stärker am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen, sei er zunächst sehr skeptisch gewesen, sagt Ackermann. „Aber Charles hatte Recht, ich hatte Unrecht“, bekennt er.

Dann ist die große Joe-Show, zu der Banker aus aller Welt gekommen waren, etwa Urs Rohner von von Credit Suisse und Marting Blessing von der Commerzbank, zu Ende. Nur zwei fehlen: Jürgen Fitschen und Anshu Jain, Ackermanns Nachfolger bei der Deutschen Bank. Aber sie scheinen niemandem wirklich zu fehlen, am allerwenigsten Ackermann. „Die wollten ihm die Bühne überlassen“, sagt ein Manager der Bank aus London ganz diplomatisch.

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1 Kommentar zu "Ackermanns Abschied: Am Ende ist er einfach der nette Joe"

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  • Als netter Onkel Joe wurde doch auch Josef Stalin
    von Franklin D. Roosevelt bezeichnet. Es wiederholt
    sich eben immer wieder alles!!

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