Ackermanns Abschied: Am Ende ist er einfach der nette Joe

Ackermanns Abschied
Am Ende ist er einfach der nette Joe

Josef Ackermann verlässt die große Bühne der Finanzwelt. Sein Abschied als Präsident des Großbankenverbands IFF ist eine große Inszenierung. Der umstrittene Bankchef tritt mit einem Lächeln ab.
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FrankfurtUm „Sein oder Nichtsein“ ging es Hamlet, und der Prinz befand, es sei etwas „faul im Staate Dänemark“. Shakespeare ließ das Drama in der mächtigen, von grün behelmten Türmen überragten Festung Kronborg spielen, die direkt an der See im dänischen Helsingör liegt, die alten Kanonen auf das gegenüber liegende schwedische Ufer ausgerichtet. Ein glanzvoller Ort, um Josef Ackermann als Präsident des mächtigen Großbankenverbands IIF zu verabschieden.

Heute geht es um Sein oder Nichtsein der Euro-Zone, und faul ist etwas in sehr vielen europäischen Staaten, wenn auch nicht gerade in Dänemark. Ackermann ließ sich davon nicht die Laune verderben. Selten hat man ihn so gelöst erlebt wie an diesem Mittwoch abend, während er bei einem Sekt-Empfang im riesigen Hof der alten Burg buchstäblich mit Pauken, Trompeten und Böllerschüssen gefeiert wird. Am Ende seiner rund neunjährigen Amtszeit als Chef der internationalen Bankenlobby, und kurz nach seinem Abtritt als Chef der Deutschen Bank, ist er einfach der nette Joe, der alle seine Freunde umarmt und kräftig Hände schüttelt.

Im Inneren des Gebäudes, in dem man die antiken Möbel und Wandteppiche nicht nur sehen, sondern förmlich riechen kann, geht die Feier weiter. Ackermanns Nachfolger Douglas Flint, Präsident von HSBC, beglückwünscht ihn, er habe in dieser schwierigen Phase ein gutes Timing gefunden, sich von der Verantwortung zu verabschieden. Der Moderator des Abends aber ist IIF-Geschäftsführer Charles Dallara, der, wie vorab durchgesickert war, sich ebenfalls aus seinem Abend verabschieden wird. „Charles“ kann gar nicht genug davon bekommen, seinen lieben „Joe“ zu loben.

Und wie bei einer Hochzeitsfeier dürfen dann auch die Fotos aus der Kinder- und Jugendzeit nicht fehlen, untermalt von einer Mozart-Sonate: der kleine Josef als Baby, süß wie alle Babys; bei seinen ersten Versuchen auf Skiern; ziemlich lässig und gut aussehend als junger Mann während eines Urlaubs in Venedig; Josef am Klavier, sein Bruder an der Geige; und dann Joe Ackermann mit allen möglichen Prominenten dieser Welt, darunter auch die Opernsängerin Anna Netrebko und ihre Kollegen Placdio Domingo und Luciano Pavorotti.

Und so geht der Abend weiter, mit vielen Reden und viel Essen, während Jahrhundert alte, in Öl gemalte Gestalten schweigend auf das Geschehen in dem düsteren Rittersaal hinabschauen. Weil Joe Musik mag, darf die auch nicht fehlen: Die amerikanische Sängerin Alyson Cambridge gibt einige Schlager der Klassik, von der „Habanera“ aus Bizets Carmen über die „O mio babbino caro“ von Puccini bis zu Gershwins „Summertime“ zum Besten.

Am Ende enthüllt Dallara noch Ölgemälde, das Ackermann zeigt. Der Gefeierte selbst verabschiedet sich dann mit einer sehr kurzen Rede, in der er immerhin einen Fehler einräumt. Als Dallara ihm vorgeschlagen habe, die Banken sollten sich stärker am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen, sei er zunächst sehr skeptisch gewesen, sagt Ackermann. „Aber Charles hatte Recht, ich hatte Unrecht“, bekennt er.

Dann ist die große Joe-Show, zu der Banker aus aller Welt gekommen waren, etwa Urs Rohner von von Credit Suisse und Marting Blessing von der Commerzbank, zu Ende. Nur zwei fehlen: Jürgen Fitschen und Anshu Jain, Ackermanns Nachfolger bei der Deutschen Bank. Aber sie scheinen niemandem wirklich zu fehlen, am allerwenigsten Ackermann. „Die wollten ihm die Bühne überlassen“, sagt ein Manager der Bank aus London ganz diplomatisch.

Kommentare zu " Ackermanns Abschied: Am Ende ist er einfach der nette Joe"

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  • Als netter Onkel Joe wurde doch auch Josef Stalin
    von Franklin D. Roosevelt bezeichnet. Es wiederholt
    sich eben immer wieder alles!!

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