ACS-Chef Florentino Pérez
Autoritär und fußballverrückt

Deutschland kannte er bisher nur vom Sport. Jetzt kennt er noch mehr Seiten des Landes. Denn der Chef des größten spanischen Baukonzern ACS, Florentino Pérez, mischt jetzt bei Hochtief mit. Ein mutiger, aber sinnvoller Schritt.

MADRID. „Deutsche Spieler sind gut, aber zu teuer“, pflegte Florentino Pérez zu sagen, als er noch Präsident des spanischen Fußballklubs Real Madrid war. Das läge vor allem an ihren attraktiven Frauen, die mit kurzen Röcken zu den Vertragsverhandlungen kämen. „Sie treiben als Managerin ihres Mannes nicht nur den Preis in die Höhe, sie lenken mich auch mit ihrem Auftritt ab“, gestand der dreifache Vater bei einem Essen mit ausländischen Journalisten in Madrid.

Attraktive deutsche Frauen dürfte der klein gewachsene Spanier demnächst häufiger zu Gesicht bekommen. Der 60-jährige Chairman des größten spanischen Baukonzerns ACS hat zwar bisher immer verneint, dass er an deutschen Konkurrenten interessiert sei. Doch gestern kündigte Pérez überraschend an, dass er 25 Prozent an Hochtief gekauft hat. Ein mutiger, aber sinnvoller Schritt. Denn die ACS-Aktionäre forderten seit längerem, Pérez solle die Abhängigkeit vom spanischen Markt verringern, wo ACS immer noch 80 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet.

Gleichzeitig versucht Pérez, der zehn Prozent des ACS-Kapitals hält, noch stärker in den spanischen Energiemarkt einzusteigen. Doch sein Vorhaben, seinen zehnprozentigen Anteil am zweitgrößten spanischen Versorger Iberdrola aufzustocken, wurde ihm bislang nicht genehmigt. Denn ACS hält schon 40 Prozent an Unión Fenosa, der Nummer drei im spanischen Energiemarkt. Und eine Fusion der beiden scheiterte auch an Pérez’ sturem Kopf.

„Er muss immer und überall den Ton angeben“, sagt Lorenzo Bernaldo de Quirós, Chef der Investmentberatung Freemarket in Madrid. Sein autoritärer Managementstil sei auch ein Grund gewesen, warum Pérez bei Real Madrid im vergangenen Jahr zurücktreten musste.

Der Führungsstil hat seiner Karriere ansonsten nicht geschadet. Der gebürtige Madrider und gelernte Straßenbauingenieur kaufte vor nicht einmal 25 Jahren für den symbolischen Preis von einer Peseta die bankrotte Baufirma Padrós. Daraus formte der Mann, der als blendender Verkäufer gilt, ACS zum Branchenprimus in Spanien. Und der Bauboom sorgt bis heute für volle Kassen. Geld, das er jetzt bei Hochtief investiert. Da wird er sein Temperament jedoch zügeln müssen. Denn mit dem 25-Prozent-Paket ist sein Einfluss begrenzt. Deshalb erwarten Branchenkenner, dass er den Anteil früher oder später erhöhen wird.

Zwar glauben einige Analysten, dass sich Pérez mit den Zukäufen im Energiemarkt und dem Einstieg bei Hochtief finanziell verzetteln könnte. Doch halten sie Deutschland für eine gute Plattform für das Osteuropageschäft, wo künftig die meisten EU-Hilfen hinfließen werden.

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