Aditya Mittal im Profil
Aditya Mittal: Der kleine Prinz

Von Geschäftspartnern wird Aditya Mittal als kenntnisreich und äußerst verhandlungssicher beschrieben. In der Schlacht um Arcelor hat sich der faktensichere Finanzchef den Respekt der Märkte verdient. Sein Leben läuft wie nach einem Drehbuch – und bisher hat er alle Bewährungsproben gemeistert.

LONDON. Die Szene könnte selbst in einem Bollywood-Film dick aufgetragen wirken: Vater und Sohn genießen ihren größten Triumph, sitzen stolz auf dem Podium in der repräsentativen Zentrale ihres Erzrivalen, während ihre Ehefrauen und der Großvater, der weise Gründer der indischen Familiendynastie, aus dem Publikum zuschauen. Nach ein paar Worten des Vaters tritt der Juniorchef hinter das Rednerpult und erläutert in nahezu akzentfreiem Englisch die Details der Fusion, mit der sich der indische Aufsteiger den europäischen Traditionskonzern einverleibt.

Die Rede ist von Vater und Sohn Mittal, Chef bzw. Finanzchef des gleichnamigen Stahlriesen, und ihrem Auftritt auf der Luxemburger Pressekonferenz zur Fusion mit Arcelor.

Im perfekt sitzenden Anzug steht Aditya Mittal auf der Bühne, ein jungenhafter schlanker Mann von erst 30 Jahren, der eher wie 20 aussieht. Die Zähne blitzen weiß, das schwarze Haar ist korrekt gescheitelt, die braunen Augen leuchten freundlich – wie ein Traum-Schwiegersohn aus einer indischen Filmschnulze. Dann die Versuchung: Ein Journalist fragt, ob er nun Chef des neuen Stahlgiganten werde. Mit leiser Stimme und bescheidenem Tonfall wehrt er ab: „Ich habe noch viel zu lernen.“ Schnitt.

Das Leben des Aditya Mittal verläuft wie nach einem Drehbuch, und bisher hat der Held jede Bewährungsprobe bestanden. Als Teenager liest er Biografien großer Wirtschaftslenker. Ein Walkman bringt ihn auf die Lebensgeschichte des Sony-Gründers Akio Morita, dann folgen Bill Gates und Larry Ellison.

Aber am meisten lernt er von der eigenen Familie. Vom Großvater, der aus der Provinz Rajastan nach Kalkutta zog und ein Stahlunternehmen gründete. Und vom Vater, der das erste Auslandswerk in Indonesien aufbaut. Hier wächst Aditya auf.

Der Vater beginnt 1989 mit einer beispiellosen Akquisitionstour, die Europas Stahlbarone verwundert verfolgten. Oft nimmt er seinen Sohn mit, um ihm die Werke zu zeigen. Als er Mitte der 90er den Familiensitz nach London verlegt, studiert Aditya schon an der renommierten Wharton School in den USA Wirtschaft. 1996 schließt er als Bachelor mit Auszeichnung ab. Nach einem halben Jahr als Analyst bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston steigt er mit 20 Jahren in das Familienunternehmen ein.

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