Adolf Merckle
Auf Zement gebaut

Adolf Merckle hat ein Firmenimperium aufgebaut. Jetzt könnte er gezwungen sein, seine Perle Ratiopharm zu verkaufen.

STUTTGART. Wer ihm zufällig begegnet, kann es kaum glauben: Da steht vor einem einer der reichsten Deutschen. Auf der Hauptversammlung von Heidelberg Cement im nordbadischen Leimen wirkt der 74-Jährige auf den ersten Blick eher wie ein rühriger Kleinaktionär. Er lächelt freundlich, genießt den Überraschungsmoment seines unprätentiösen Auftritts, schüttelt die Hand.

Adolf Merckle hält sich in der Öffentlichkeit meist zurück. Aber Berührungsängste im persönlichen Umgang hat er offensichtlich nicht. Bis vor der Finanzkrise hatte der Selfmade-Milliardär, zu dessen Reich der größte deutsche Pharmahändler Phoenix, der größte deutsche Generikahersteller Ratiopharm und der größte deutsche Baustoffkonzern Heidelberg Cement gehören, vor allem ein Problem: Er hat vier Kinder und keinen echten Nachfolger, der ihm in Durchsetzungskraft und Bauernschläue gewachsen wäre.

Aber er hat Bernd Scheifele. Der Spitzenjurist erledigt für ihn die heißesten Jobs. Erst machte der den Pharmahändler Phoenix groß, dann schickte ihn Merckle zur Sanierung von Heidelberg Cement. Dort hat die schon seit 1939 beteiligte Familie ihren Einfluss in den vergangenen Jahren schrittweise auf nahezu 80 Prozent ausgebaut. Dahinter lag die grundlegende Entscheidung, künftig das meiste Geld der Familie in die Zementindustrie und nicht mehr in den Pharmabereich zu investieren.

Wie ernst es Merckle meint, zeigt Scheifeles großer Coup mit der 14 Milliarden Euro schweren Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson im Frühjahr 2007 – der größte Brocken, den Merckle jemals auf einmal geschluckt hat. Rund eine Milliarde Euro Kapital schoss die Familie bei Heidelberg nach. Anleihen wurden aufgelegt und Randbereiche sowie Beteiligungen verkauft, um den Milliarden-Deal zu stemmen. Scheifele liebt Tempo, und entsprechend atemberaubend setzte er die Expansion um.

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