Adrian van Hooydonk
Scharfes Profil bei BMW

BMW-Chefdesigner Adrian van Hooydonk nimmt sich viel vor: Mit neuen Formen und Modellen will er die Exklusivität der Marke sichern. Auf dem Genfer Autosalon zeigt er diese Woche seinen "Gran Turismo".

MÜNCHEN. Das Auto hatte schon viele Namen und noch mehr Formen. „Raumfunktionales Konzept“, nannten die BMW-Strategen den ersten Entwurf, um ihn dann gleich auch wieder einzustampfen. „Progressive Activity Sedan“ tauften es die Marketingfachleute, um es dann doch schnöde PAS abzukürzen. Jetzt endlich kommt die fünf Meter lange Karosse als „BMW Gran Turismo“ auf den Markt. Ein bisschen Limousine, ein bisschen Kombi, ein Hauch von einem Van. „So ein Auto“, sagt Chefdesigner Adrian van Hooydonk zu der neuen Luxus-Familienkutsche, „haben wir noch nicht gebaut.“

Ende dieser Woche kann sich das Publikum darüber ein eigenes Bild machen. Dann wird das neue Vorzeigestück der Münchener auf dem Genfer Autosalon erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Fachleute durften schon kurz vorher hinter den Vorhang schauen – an einem eiskalten Februarabend, als BMW zur Präsentation seines neuesten Modells in das Münchener Szenelokal „Freiheit“ geladen hat. Während draußen eine BMW-Fabrik nach der nächsten Kurzarbeit anmelden muss, preist drinnen der BMW-Chefdesigner ein Auto, das in wirtschaftlich rosigeren Zeiten gewiss viele Freunde finden würde.

Van Hooydonk gibt sich viel Mühe, schwärmt von gestreckten Linien, großen Glasflächen und rahmenlosen Fensterscheiben. Auch wenn man gerne zuschaut: Selten waren die Markterwartungen von BMW so sehr auf Hoffnungswerte gebaut wie heute.

Und mehr denn je hängt der Unternehmenserfolg bei BMW vom Gespür seiner Chefdesigner ab. Jener Künstler, die aus Beliebigem Exklusives zaubern, das einen BMW von der Masse der Allerweltsautos unterscheidet. 16 Jahre lang war das der Job des eigenwilligen Amerikaners Chris Bangle. Jetzt löst der Lehrling den Meister ab: Adrian van Hooydonk, bislang nur für die Marke BMW zuständig, ist seit Februar verantwortlich für alle drei Konzernmarken. Das ist viel Verantwortung: BMW, Mini und Rolls-Royce befinden sich in der schwersten Unternehmenskrise seit 40 Jahren.

Eine Bürde scheint das nicht zu sein für den schlaksigen Niederländer. Das Hemd ist stets offen, der Dreitagebart leicht ergraut. Der Mann steht auf Rockmusik von Lenny Kravitz und abstrakte Kunst. Krawatten bindet er angeblich nur, wenn er in den Vorstand muss. Anders als sein exzentrischer Vorgänger wirkt van Hooydonk gelassen, fast melancholisch. Wer einen Kopf größer als seine Mitmenschen ist, hat einen eigenen Blick auf die Dinge.

„Der erste Kontakt zu einem Auto ist visuell“, sagt van Hooydonk. „Ein BMW muss konzentriert und wach wirken, nicht unbedingt aggressiv“, fügt der Niederländer hinzu, ganz im Sinne der neuen Konzernlinie. In Zeiten, in denen man aus Kostengründen mit dem Erzrivalen Daimler Gurtstraffer und Klimaanlagen teilt, gilt es, das eigene Profil zu schärfen. BMW will weg vom Image des kalten, bisweilen überheblichen Luxusanbieters. Es gilt, eine Balance aus Vernunft, Effizienz und Begehrlichkeit zu finden, das ist van Hooydonks Aufgabe. Kurz: Ein BMW darf niemals mit Massenprodukten von Opel, VW oder Toyota verwechselt werden. Das ist zugleich Markenversprechen und Lebensversicherung im Hause BMW.

Van Hooydonk hatte genug Zeit, um diese Philosophie zu verinnerlichen. Nach einem Designstudium in Delft und einem Aufbaustudium in Autodesign in der Schweiz kommt er 1992 zu BMW nach München und trifft auf Chris Bangle. Beide hegen radikale Gedanken für eine neue Formgebung in der Autoindustrie. Im fernen Kalifornien gründet Bangle mit „Designworks“ eine konzerneigene Kreativwerkstatt, die van Hooydonk leitet. Hier entsteht das Konzept „Flaming Surfaces“, das dynamische Spiel aus konkaven Flächen und krummen Linien, das heute alle BMW-Modelle prägt.

„Das Konzept wurde von vielen Autoherstellern übernommen. Van Hooydonk muss sich jetzt von der Konkurrenz wieder absetzen“, sagt Paolo Tumminelli. Der Designprofessor der Fachhochschule Köln glaubt, dass in Zukunft der Wettbewerb über kleinere, kompakte Autos laufen werde. Kleiner müsse aber nicht weniger exklusiv heißen, glaubt Tumminelli. Mehr denn je heiße der Gegner Audi, auch im Design.

Das Spielfeld wird enger, der Kampf härter. Kurz vor der Präsentation des BMW Gran Turismo zeigt der Ingolstädter Rivale auf der Autoshow in Detroit sein „Sportback Concept“, mit mehr Ähnlichkeiten als BMW lieb sein kann. Audi, BMW, aber auch Daimler stehen vor dem gleichen Dilemma: Es gilt, immer mehr Varianten aus den bestehenden Modellen abzuleiten, um große Stückzahlen zu halten. Die Gefahr ist groß: Guten Entwürfen droht die Inflation der Masse, die mittelmäßigen enden gleich als Flop.

„Wir haben noch viele neue Ideen“, sagt van Hooydonk, während er sich an die flache Motorhaube des neuen Gran Turismo lehnt. Über 400 Designer arbeiten für ihn, die Truppe ist ebenso bunt wie jung. Es herrscht Aufbruchstimmung: Was jetzt entworfen wird, prägt das Straßenbild des kommenden Jahrzehnts.

Adrian van Hooydonk

1964 Adrian van Hooydonk wird am 21. Juni in der niederländischen Provinz Limburg geboren.

1988 schließt er sein Studium als Industriedesigner an der Universität Delft ab. Wenig später schließt er ein Aufbaustudium zum Autodesigner in der Schweiz an.

1992 wechselt van Hooydonk in die Designabteilung von BMW.

2000 geht er in das US-Designstudio von BMW bei Los Angeles. Schon ein Jahr später steigt er zum Chef auf.

2004 wird er zum obersten Designer für die Marke BMW ernannt.

2009 Anfang Februar tritt BMW-Chefdesigner Chris Bangle zurück. Van Hooydonk wird sein Nachfolger.

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